Katholische Gehörlosengemeinde im Eichsfeld: Im Zweifel Kommunikation mit Stift und Papier

Eichsfeld.  Der Deutsche Gehörlosenbund gibt neue Verhaltenshinweise zum Thema Corona und macht auf Schwierigkeiten aufmerksam.

Alfons Rogge aus Niederorschel ist Vorsitzender der katholischen Gehörlosengemeinde „Hl. Franz von Sales“ Eichsfeld.

Alfons Rogge aus Niederorschel ist Vorsitzender der katholischen Gehörlosengemeinde „Hl. Franz von Sales“ Eichsfeld.

Foto: Eckhard Jüngel

Alfons Rogge, Vorsitzender der Katholischen Gehörlosengemeinde Eichsfeld „Hl. Franz von Sales“, hat sich mit den neuen Hinweisen beschäftigt, die der Deutsche Gehörlosenbund angesichts einer zweiten Coronawelle für Gehörlose und hörbeeinträchtigte Menschen herausgegeben hat. Alfons Rogge befindet sie für gut. Wichtig seien die Mund- und Nasenbedeckungen sowie ein barrierefreier Informationszugang für Gehörlose, stimmt Rogge zu. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Es sei mittlerweile nachgewiesen, dass Mund-Nasen-Bedeckungen die Übertragung des Coronavirus verhindern können, heißt es in der Mitteilung des Deutschen Gehörlosenbundes. Deswegen stehe man hinter den Regeln Abstand halten, Hygiene, Alltagsmaske, Corona-Warn-App und Lüften. Zusätzlich helfe beim jetzt kommenden kühleren Wetter das Vermeiden der „3 G“: geschlossene Räume, Gruppen und Gedränge.

Freude über transparente Mund-Nasen-Bedeckungen

Für Alfons Rogge aber sind noch andere Hinweise ganz wichtig. Noch besser als 1,5 Meter wären zwei Meter Abstand, nach Möglichkeit ins Freie zu gehen und mal kurzzeitig auch die Maske abnehmen zu können. Aber in besonders gefährdenden Situationen beziehungsweise dicht besetzten Räumen wie im öffentlichen Nahverkehr wird die Kommunikation per Papier und Stift, Gebärdensprache oder Spracherkennungsapps empfohlen. Mit genügend Sicherheitsabstand und/oder einer durchsichtigen Wand aus Plexiglas oder Glas sei auch eine relativ sichere Kommunikation möglich.

Mittlerweile, so freut sich Rogge, gebe es nach und nach Mund-Nasen-Bedeckungen, die transparent sind und trotzdem gut sitzen und abdichten. Gehörlose können meist von den Lippen lesen, um zu verstehen. Das sei mit solchen Masken jetzt besser möglich.

Forderung: Dolmetsch-Einblendungen ins lineare Fernsehen

Große Zustimmung von Alfons Rogge findet ein Aspekt, den der Deutsche Gehörlosenbund jetzt erneut thematisiert: „Die Krise verunsichert, das Fehlen von Information verunsichert noch mehr.“ Bei von Tag zu Tag sprunghaft steigenden Fallzahlen sei es ein unfassbarer Stress für Gehörlose und ihre Angehörigen, die Informationen erst mühsam im Internet suchen zu müssen, bestätigt der Niederorscheler. Dolmetsch-Einblendungen gehörten ins lineare Fernsehen. Ideal wäre es, würden sie unten rechts und idealerweise auf einer Größe von 40 Prozent des Bildschirms erfolgen.

Bei Gehörlosen nur auf das Internet zu setzen, wäre grundfalsch, sagt Alfons Rogge. Ungeübte und vor allem ältere Menschen können sie nur schwer finden und seien einem enormen Risiko ausgesetzt, Falschmeldungen oder Fakenews aufzusitzen. Rogge und auch der Eichsfelder Gehörlosenseelsorger Pfarrer Günter Christoph Haase bitten die Menschen, auf Menschen mit Sinneseinschränkungen besondere Rücksicht zu nehmen und zu helfen, wo es nötig ist.