König ist neuer CDU-Chef im Eichsfeld

Kirchworbis.  Beim 31. CDU-Kreisparteitag ist Thadäus König zum neuen Vorsitzenden gewählt worden. Selbstkritik in Rede von Mike Mohring.

Auf dem Kreisparteitag der CDU Eichsfeld in Kirchworbis wurde am Freitagabend der Heiligenstädter Thadäus König mit 82,3 Prozent der Stimmen zum neuen Kreisvorsitzenden gewählt. Seine Vorgängerin Christina Tasch wurde mit viel Applaus verabschiedet.

Auf dem Kreisparteitag der CDU Eichsfeld in Kirchworbis wurde am Freitagabend der Heiligenstädter Thadäus König mit 82,3 Prozent der Stimmen zum neuen Kreisvorsitzenden gewählt. Seine Vorgängerin Christina Tasch wurde mit viel Applaus verabschiedet.

Foto: Eckhard Jüngel

Der neue Kreisvorsitzende der Eichsfelder CDU heißt Thadäus König. Der 37-Jährige ist am späten Freitagabend beim 31. Kreisparteitag der Christdemokraten mit 82,3 Prozent Zustimmung der Delegierten gewählt worden. Seine Vorgängerin Christina Tasch hatte vor wenigen Wochen angekündigt, nicht mehr zu kandidieren.

Zunächst gab es zwei Kandidaten für den Kreisvorsitz. Thadäus König war vom Kreisvorstand, von Tasch selbst und mehreren Ortsverbänden, darunter auch der Stadtverband Heiligenstadt, vorgeschlagen worden. Doch auch der Bürgermeister von Leinefelde-Worbis, Marko Grosa, hatte Ambitionen angemeldet und sich vom Ortsverband Breitenbach vorschlagen lassen. Kurz stellte sich König vor und machte direkt klar, dass es für ihn keinen Unterschied zwischen den Altkreisen Worbis und Heiligenstadt gebe. „Für mich gibt es nur das Eichsfeld“, betonte er. Und nur darum gehe es. Marko Grosa begründete seine Kandidatur zunächst darin, dass er es in der Zeitung lesen musste, dass Christina Tasch das Amt aufgebe und König schon als Nachfolger gehandelt werde. Das habe ihn geärgert. „Die Basis ist nicht gefragt worden, die Ortsverbände hatten keine Zeit sich selbst Gedanken zu machen, eine neue Mannschaft aufzustellen.“ Und wenn seine Kandidatur nur dazu diene, diese Botschaft loszuwerden, es ginge nämlich um mehr, als nur einen neuen Vorstand zu kreieren.

Grosa ging aber am Mikrofon noch weiter. Er forderte einen Paradigmenwechsel im Landratsamt, das er als „Verhinderungsbehörde“ bezeichnete, die von den Bürgern gehasst werde. „Dort wird nur gesagt, was alles nicht geht.“ Und dann müsse immer wieder der stellvertretende Landrat Gerald Schneider „losgeschickt werden, um das Kind wieder aus dem Brunnen zu holen.“ Nur wenige Delegierte applaudierten, vielmehr gab es Gemurmel im Saal und teils eingefrorene Gesichte, zumal Grosa auch begann, alte Gräben zwischen Worbis und Heiligenstadt wieder aufzureißen. Noch während seiner Rede schwenkte er um, teilte mit, dass er bei einer Niederlage auch nicht für den stellvertretenden Kreisvorsitz kandidieren würde, vielleicht die nächste Wahl in zwei Jahren in Betracht ziehe. Auf Nachfrage von Kreisgeschäftsführer Gerhard Martin, ob er denn nun jetzt kandidiere oder nicht, sagte Grosa nur: „Ich wünsche Thadäus König alles Gute“ und zog damit seine Kandidatur zurück. Daraufhin mussten neue Stimmzettel gedruckt werden – mit König als alleinigem Kandidaten, da es keine weitere Kampfkandidatur gab.

Selbstkritik und Demut

Während der viereinhalbstündigen Marathonsitzung, bei der noch weitere Wahlen anstanden, gab es vor allem Selbsteinsicht, Selbstkritik und auch Demut angesichts des Debakels bei der Landtagswahl im Oktober. Auch auf kommunaler Ebene habe die CDU die teils absoluten Mehrheiten nicht mehr halten können, zum Beispiel auch nicht im Kreistag. Edgar Klingebiel aus Kirchworbis bemerkte, dass er nach der Wahl noch keine Rede gehört habe, in der sich entschuldigt worden sei. Und er merkte gewissen Entwicklungen an: Doppelt so viel Gesetze als noch 1990, Handwerker hätten aufgrund des hohen Bürokratismus bei öffentlichen Ausschreibungen „die Schnauze voll“. „Redet weniger, hört den Bürgern zu“, forderte Klingebiel auf.

Landesvorsitzender Mike Mohring gab in seiner Rede offen zu, dass die Landes-CDU – und da nehme er sich selbst nicht aus – nach der Landtagswahl viele Fehler gemacht habe. Vor allem die öffentliche Diskussion um mögliche Koalitionen und ebenso öffentlich ausgetragene parteiinterne Auseinandersetzungen hätten geschadet. „Wir müssen unseren Laden zusammenhalten“, forderte er die Basis auf. Das Schlimmste, was nun passieren könne, sei, wenn die CDU Schuld an Neuwahlen hätte. „Nachdenklichkeit, Klugheit, Besonnenheit und Ruhe“, seien jetzt das Wichtigste, um das Land in ein ruhiges Fahrwasser zu lenken. „Alles, was wir tun, muss auf das Wohl Thüringens ausgerichtet sein. Erst kommt das Land, dann die Partei, dann erst die Person“, so Mohring. Wichtig sei es, den Bürgern das Vertrauen in die Demokratie wiederzugeben, Verantwortung zu übernehmen. „Die Opposition haben wir geschenkt bekommen, alles andere ist jetzt harte Arbeit.“ Man müsse gesprächsfähig sein. Wichtig sei die Arbeit an der Basis, die in jedem Ortsverband anfange. Den Bürgern zuhören, sie und deren Ängste ernst nehmen, die Probleme in die Landespolitik mitnehmen, Verantwortung übernehmen – vom Ortsverband bis in die Landtagsfraktion. Deutlich wurde zudem auf dem Parteitag die klare Abgrenzung der Union nach rechts.

Christina Tasch bekam von ihren Eichsfelder Parteifreunden nach einer emotionalen Abschiedsrede als Kreisvorsitzende stehenden und rhythmischen Applaus. 26 Jahre hat sie im Kreisvorstand gearbeitet, 16 Jahr als stellvertretende Kreisvorsitzende, zehn Jahre als Chefin. Fünf Mal wurde sie wiedergewählt. Thadäus König erhielt als Antrittsgeschenk eine gerahmte Karikatur von Bernhard Schauer, in der er für einen fulminanten Neustart der CDU im Eichsfeld eine Rakete auf dem Rücken trägt.

Gewählt wurden zudem als stellvertretende Kreisvorsitzende Heiko Steinecke, Gerald Schneider und schließlich Marion Frant. Sie aber erst im zweiten Wahlgang, da ihr Herausforderer Felix Freund und sie im ersten Wahlgang jeweils 69 Stimmen bekamen. Neuer Schatzmeister ist Christian Stützer, der Mitgliederbeauftragte Krystof Gregosz. Die 15 neuen Beisitzer sind Jessica Kellner, Petra Stubenitzky, Felix Freund, Steffi Kellner, Markus Simon, Oliver Reinhardt, Thomas Grimm, Michael Groß, Christian Hänsel-Hunold, Christopher Thüne, Sebastian Eckardt, Marco Stolze, Andreas Kurze, Dirk Moll und Christian Voigt.

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