„Märchenwelten“ mit Drachen, Elfen und Königen in Heiligenstadt

Heiligenstadt.  „Märchenwelten“ haben nicht nur in der Weihnachtszeit ihren speziellen Reiz. Eine Ausstellung im Eichsfelder Kulturhaus zeigt märchenhafte Bilder, die von Kindern gemalt wurden.

Die Ausstellung „Märchenwelten" im Kulturhaus ist eröffnet. Es ist die zweite Ausstellung mit Bildern von Kindern, die in dem seit fünf Jahren bestehenden Malkurs bei Herzensdinge in Heiligenstadt ihre Talente fördern und auch die Bilder für das Buch „König Kugelbauch“ zeichnen.  Mina Große (9) vor ihrem Bild „Der gestiefelte Kater"

Die Ausstellung „Märchenwelten" im Kulturhaus ist eröffnet. Es ist die zweite Ausstellung mit Bildern von Kindern, die in dem seit fünf Jahren bestehenden Malkurs bei Herzensdinge in Heiligenstadt ihre Talente fördern und auch die Bilder für das Buch „König Kugelbauch“ zeichnen.  Mina Große (9) vor ihrem Bild „Der gestiefelte Kater"

Foto: Eckhard Jüngel

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Weihnachtszeit ist Märchenzeit. Kinder und viele Erwachsene bekommen ein Leuchten in die Augen, wenn sie diesen Satz hören. Das geht nicht nur dem Heiligenstädter Schriftsteller Günter Liebergesell so, sondern auch der Künstlerin Anja Meuthen, der Stadtbibliothekarin Jana Bauer, ja sogar Tourismus-Chef Rüdiger Eckart.

„Heiligenstadt und Märchen gehören einfach zusammen“, sind sich Anja Meuthen und Rüdiger Eckart absolut einig. Die Stadt gehört zur Deutschen Märchenstraße, und das seit 1993. Die Brüder Grimm haben hier Station gemacht. Theodor Storm schrieb sein Märchen von der Regentrude innerhalb der Stadtmauern, „Der kleine Häwelmann“ trägt Heiligenstädter Züge. Schneeweißchen und Rosenrot samt Bär sind die märchenhaften Symbolfiguren, Mechthild Führ schlüpft inzwischen in das Kostüm der Regentrude, die Brüder Grimm und Storm selbst laufen leibhaftig herum. Und es gibt da noch Günter Liebergesell, der inzwischen an der dritten Fortsetzung seiner Märchenfigur König Kugelbauch arbeitet – samt dem grünen Drachen Kunibert.

Die Illustrationen für die ersten beiden Kugelbauch-Bücher haben Heiligenstädter Kinder im Atelier Herzensdinge von Anja Meuthen angefertigt. Auch für den dritten Band haben sie zu Pinsel und Farben gegriffen. Aber nicht nur das. 22 Kinder in Anja Meuthens Malkurs haben sich in den vergangenen Wochen und Monaten das Thema Märchen hergenommen. Seit Donnerstag sind 68 dieser Werke unter dem zauberhaften Titel „Märchenwelten“ in der Galerie des Kulturhauses zu sehen. Schneewittchen lächelt herab, der gestiefelte Kater wirft die Beine hinter sich. Aber auch die Regentrude ist dabei. Es ist ein Aquarell der Figur des Heiligenstädter Bildhauers Christoph Haupt, die am Wasserfall im Kurpark steht. Unbekannte und moderne Märchen wie „Der König der Löwen“ und der böse Dschafar aus Disneys „Aladdin“ sind ebenfalls Thema. Ja, selbst König Kugelbauch sitzt auf seiner Kutsche, während Drache Kunibert aus seinem Bilderrahmen winkt.

Ein Bleistift, Farbe und zum Schluss eine Wand

„Es beginnt immer mit einem einfachen Bleistift und einem weißen Blatt Papier“, sagt Anja Meuthen. Das sagte sie auch bei der Ausstellungseröffnung, zu der noch Stühle ins Foyer nachgestellt werden mussten. „Irgendwo in uns drin ist auch eine Idee.“ Sie beschreibt, wie sie dezent versucht, den Kindern zu helfen, ihre Idee zu fixieren und zu modellieren, bis sie auf Aquarellpapier greifbar wird. „Dann beginnt der Spaß: Aus Karminrot, Sonnengelb und Preußischblau werden Erdbeergelb, Tannengrün und Haselmausbraun gemischt.“ Kinder hätten ein sehr feines Gespür für Farben, könnten genau zwischen Lindgrün und „Kotzgrün“ unterscheiden. „Dann werden die Zeichnungen mit Leben erweckt, und es zieht Seele ins Bild ein“, sagt Meuthen. Oft aber landen Bilder in einer Mappe oder Schublade. Erst wenn ein Bild eingerahmt ist, bekomme es noch einmal eine deutliche Wertsteigerung. „Wenn es dann noch an die Wand kommt, kann es erstrahlen. Genau diese Bühne brauchen die Bilder.“

Diese Bühne haben sie bekommen. Bis Ende März können die märchenhaften Aquarelle in der Galerie des Kulturhauses bestaunt werden. Aber was wäre eine Vernissage ohne Musik, ein Märchen und wertvolle Informationen drumherum? Klaus Nitschke schlüpft gern in die Rolle des Spielmanns Hieronymus, in ein märchenhaftes Spielmannskostüm samt Gauklerschuhen mit Glöckchen. Und auch Günter Liebergesell kann singen. Das tat er aber erst, als alle Kinder mit Hieronymus „Dornröschen war ein schönes Kind“ aus voller Kehle intoniert hatten und Liebergesell eine Geschichte zum Besten gab, die es noch nicht zum Lesen gibt: „König Kugelbauch und die besten Pfannkuchen der Stadt“. Natürlich muss dabei Drache Kunibert das Feuer unter dem Kessel zum Marmelade-Kochen anheizen...

Corinna Backhaus ist Deutschlehrerin. Sie liebt Märchen über alles. Auch die modernen, zu denen sie

unbedingt Harry Potter und Cornelia Funkes „Tintenherz“ zählt. Jedes Mal, wenn sie den Titel eines Märchens hört, schwinge bei ihr ein leichter Zauber mit, sagt sie. „Märchen geben ein Stück Geborgenheit, Seelenwärme.“ Oft seien die Märchen grausam, unmenschlich. Aber trotzdem geben sie ein positives Gefühl, sagt sie. „Die Gerechtigkeit siegt immer. Die Charaktere sind klar gekennzeichnet: schön – hässlich, faul – fleißig, klug – dumm.“ Märchen erzeugten in Kindern wie auch in Erwachsenen Gemütlichkeit. Gerade bei Kindern werde die Fantasie angeregt. „Sie können sich Feen, Elfen, Hexen oder Drachen sehr gut vorstellen.“ Märchen legen aber auch immer einen Keim in die Kinderseele. Denn sie vermitteln Werte: Wenn man fleißig ist, gut, mutig, klug und geduldig, dann könne man alles schaffen. „Das stärkt soziale Eigenschaften und die positive Einstellung, das Leben zu meistern.“ Kinder, die Märchen vorgelesen bekommen, verlangen nach immer weiteren Geschichten. „Sie sind wichtig für die seelische Gesundheit.“

Das sieht auch Jana Bauer so. Rund 300 Märchenbücher gibt es in ihrer Heiligenstädter Stadtbibliothek, darunter sogar Schmuckausgaben von ganzen Märchensammlungen. „Sie werden sehr gern ausgeliehen“, sagt sie. Aber auch Märchen-CDs sind der Renner. „Gerade vor Weihnachten.“ Sie beobachtet gern, wenn Großeltern mit ihren Enkeln kommen, es sich zwischen den Bücherregalen gemütlich machen. Oft lesen die Großeltern ihren Enkeln direkt in den Kuschelkissen ein Märchen vor. „Diese Woche erst habe ich beobachtet, wie plötzlich ein paar weitere fremde Kinder sich einfach dazusetzten und fasziniert lauschten. So muss es sein.“ Und ihre eigenen Lieblingsbücher, ja, das gebe sie sehr gern zu, seien die neuen wunderbar illustrierten Jubiläumsausgaben von Harry Potter.

Rüdiger Eckart arbeitet seit einem Jahr im Marketingausschuss der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Märchenstraße. Der gerade laufende Weihnachtsmarkt ist auf das Thema abgestimmt. In dieser Woche habe es wieder ein Treffen mit Vertretern aus Bad Sooden-Allendorf und Witzenhausen gegeben, wie man gemeinsam innerhalb dieser „Schleife“ etwas auf die Beine stellen könne, Gäste mehrere Tage durch die zauberhafte Märchenwelt von Heiligenstadt, Burg Hanstein und Werra führen kann. „Das Thema Märchenstraße ist uns sehr präsent, wir haben da viel vor“, sagt er. Auch für ihn haben Märchen einen hohen Stellenwert, für ihn sind sie wunderbare Kindheitserinnerungen, stehen heute noch für Geborgenheit, Sehnsucht und Fantasie. Dieses Jahr habe man eine Erzählwanderung angeboten. Die hat mit 80 Gästen so eingeschlagen, dass es sie 2020 gleich zwei Mal geben wird. Und er arbeitet an einem Projekt namens „Märchenland Eichsfeld“. Mehr möchte er noch nicht verraten.

Günter Liebergesell hingegen wird noch eine Menge mit seinem König Kugelbauch zu tun haben. Es schwirren ihm viele Ideen für weitere Teile durch den Kopf, sagt er lächelnd. Gerade erst habe ihn ein Junge bei einer Märchenlesung todernst gefragt, warum König Kugelbauch eigentlich keine Frau habe. „Tja, warum eigentlich nicht...“ – das fragt sich Liebergesell inzwischen selbst.

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