„Man muss den inneren Schweinehund überwinden“

Heiligenstadt  Berglauf-Nationalmannschaftsmitglied Marcel Krieghoff gibt in Heiligenstadt Einblicke in seine sportliche Karriere

Marcel Krieghoff (SC Impuls Erfurt) hat unter anderem schon an der Berglauf-Weltmeisterschaft in Andorra teilgenommen.

Marcel Krieghoff (SC Impuls Erfurt) hat unter anderem schon an der Berglauf-Weltmeisterschaft in Andorra teilgenommen.

Foto: Claudia Bachmann

Er gehört zu den besten Bergläufern Deutschlands: Marcel Krieghoff aus Bad Langensalza gab jetzt rund 25 Zuhörern im Heiligenstädter Vitalpark interessante Einblicke in seinen Trainingsalltag und seinen sportlichen Werdegang. Krieghoff gab dabei auch die eine oder andere private Anekdote zum Besten, die von den Zuhörern – unter ihnen waren viele Eichsfelder Läufer – mit Schmunzeln und Applaus bedacht wurden.

Bereits seit 13 Jahren ist der Mittdreißiger, der aktuell im Einzelhandel arbeitet, im Laufsport aktiv. Anfangs waren seine nationalen und internationalen Erfolge nicht unbedingt absehbar. „Damals wusste ich gar nicht, wie Laufen überhaupt funktioniert“, erinnert sich Krieghoff, der sich vorher als Fußballer ausprobiert hatte. Doch das Krieghoff Talent hatte, stellte sich schnell heraus. Seinen ersten 3000-Meter-Lauf absolvierte das Mitglied der deutschen Berglauf-Nationalmannschaft in 8:48 Minuten: „Danach war mein Ehrgeiz geweckt, das Laufen professionell zu betreiben.“

Für seine Erfolge seien neben zielgerichtetem Training „Talent, Freude am Laufen und Motivation“ maßgeblich. Und Krieghoff, der sich erst am vergangenen Wochenende den Sieg über die Halbmarathondistanz beim Heiligenstädter Kurstadtlauf gesichert hatte, obwohl er am selben Tag zuvor noch bei einem Wettkampf in Treffurt gestartet war, mangelte es an keinem dieser Aspekte. Den inneren Schweinehund muss Krieghoff, der für den SC Impuls Erfurt startet, erst gar nicht überwinden, um die Sportschuhe zu schnüren, auch wenn das Wetter eher zum gemütlichen Entspannen auf der Couch einlädt: „Ich muss mich nicht motivieren. Laufen gehört zu meinem Leben.“

Nach zahlreichen Bahn- und Straßenrennen entdeckte der Bad Langensalzaer vor einigen Jahren den Berglauf für sich. „Ich wollte einen neuen Reiz setzen“, erklärte Krieghoff. Nach seiner Berglaufpremiere bei einem Wettkampf in Heiligenblut (Österreich) war der Thüringer nach 12,9 Kilometern und anstrengenden Anstiegen „völlig im Eimer. Das war eine ganz andere Belastung.“ Doch Körper und Kopf adaptierten sich schnell. Bei der Deutschen Berglaufmeisterschaft 2016 in Bayern belegte Krieghoff auf Anhieb den neunten Platz. Dass es ein Jahr später sogar zu Bronze und anschließend zu einer Nominierung für die Berglauf-Nationalmannschaft reichte, habe er auch einem Lauf im Eichsfeld zu verdanken, erklärte Krieghoff augenzwinkernd: „Ich hatte vorher den Scharfensteinlauf in Beuren gewonnen. Da wusste ich, dass ich richtig was drauf habe.“ Das Nationaltrikot bekam Krieghoff nach Hause gesandt: „Das ist für jeden Sportler etwas ganz Besonderes.“

Laufen ist für Krieghoff, der in der Woche auf rund 150 Trainingskilometer kommt, so elementar wie das Atmen. Da verwundert es nicht, dass er seine Frau Luise bei einer Laufveranstaltung kennenlernte. Zwei Jahre später heiratete das Paar. „Einen Tag nach der Hochzeit bin ich dann bei einem Wettkampf gestartet und habe gewonnen. Für den Sieger gab es eine Flugreise. Das war dann unsere Hochzeitsreise.“ Im gemeinsamen Urlaub auf Lanzarote nahm Krieghoff spontan an einem Wettkampf teil und siegte: „Das war der einzige Lauf dort im ganzen Jahr.“

„Meine Frau sagt immer, das ist ein Weltwunder“

Bei der Berglauf-WM in Andorra landete Krieghoff im Gesamtklassement auf Rang 48 und war damit in einem Weltklassefeld sehr „glücklich. Am Ende ging es eine schwarze Skipiste hoch.“ Bei seinen Erfolgen kommt Krieghoff auch seine robuste Physis zugute: „Ich war noch nie verletzt, hatte nicht mal eine Zerrung. Meine Frau sagt immer, das ist ein Weltwunder.“

Bei aller Liebe zum Sport hat der Ausdauerathlet mit den Jahren aber auch gelernt, Abstand zu gewinnen: „Man muss auch mal nach links und rechts gucken. Das habe ich früher nie gemacht. Ohne Ausgleich und Ablenkung ist keine Leistung möglich.“ Also genießt Krieghoff, wann immer es geht, seine Freizeit beim Wandern in den Bergen, bei Saunagängen, der gemeinsamen Zeit mit Freunden oder bei der Haus- und Gartenarbeit. Allerdings sei Disziplin unerlässlich: „Man muss dran bleiben, den eigenen Schweinehund überwinden, dann ist vieles möglich, egal, ob als Leistungs- oder Freizeitsportler.“

Von Radfahren als Zusatztraining („Das macht mich lahm“) oder präventiven Maßnahmen wie Stabilisationsübungen hält der Topathlet im Übrigen nur wenig: „Mein Vorbild, der tschechische Olympiasieger Emil Zatopek, hat immer gesagt: „Rehe machen auch keine Gymnastik“, und der war nie verletzt.“

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