Maskenpflicht auf Heiligenstadts Wilhelm

Eichsfeld.  Neun weitere Covid-Infektionen gibt es im Eichsfeld. Eine Leserin kritisiert die Nichteinhaltung von Auflagen bei Veranstaltung.

In der Heiligenstädter Fußgängerzone bringt Matthias Döring Schilder an, die auf das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes hinweisen.

In der Heiligenstädter Fußgängerzone bringt Matthias Döring Schilder an, die auf das Tragen eines Mund- und Nasenschutzes hinweisen.

Foto: Eckhard Jüngel

Die Neuinfektionen mit dem Corona-Virus steigen im Eichsfeld weiter an. Am Mittwoch meldete das Gesundheitsamt neun weitere Fälle. Insgesamt sind damit aktuell 63 Eichsfelder infiziert. Vier von ihnen werden mittlerweile stationär behandelt. In Uder bleibt es bei 17 Fällen, in Heiligenstadt sind es jetzt 13, in Reinholterode acht Fälle. Neu hinzugekommen ist Steinbach mit ebenfalls acht Fällen. Die anderen verteilen sich im Kreis. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Heiligenstadt hat am Mittwoch bereits auf die neuen Regelungen reagiert, nach der es eine erweiterte Maskenpflicht gibt, zum Beispiel in Einkaufsstraßen. Am Nachmittag brachten Mitarbeiter an Laternen Schilder an, dass der Mund-Nasen-Schutz auch auf dem Wilhelm im Freien zu tragen ist. „Erst wollten wir das auf den Baustellenbereich und die Fußgängerzone begrenzen, weil es da mitunter recht eng zugeht“, so Bürgermeister Thomas Spielmann (BI). Aber schnell fiel die Entscheidung, den oberen Teil einzubeziehen. „Vom Storm bis zum Krankenhaus“, umreißt er den Geltungsbereich. Auch an den fünf meistfrequentierten Bushaltestellen gelte Maskenpflicht.

Verwirrung um den Begriff Risikogebiet für das Eichsfeld

Derweil hat sich die Verbraucherzentrale Thüringen mit den Folgen der hohen Fallzahlen und drohender Einschränkung der Reisefreiheit der Eichsfelder beschäftigt. „Für Urlauber aus dem Eichsfeld gilt seit dieser Woche ein Beherbergungsverbot in vielen Bundesländern“, heißt es in der Pressemitteilung vom Mittwochmittag. Ausnahmen seien Berlin, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Thüringen.

In allen anderen Bundesländern dürften Hotels und Pensionen keine Gäste aus einem deutschen Risikogebiet aufnehmen. Dies sei nur in Einzelfällen möglich, wenn Reisende einen negativen Corona-Test vorweisen, der nicht älter als 48 Stunden sei. „Bewohner eines Risikogebietes, die wegen des Beherbergungsverbotes ihre Reise nicht antreten dürfen, können ihre Unterkunft nach unserer Auffassung kostenlos stornieren“, so Ralf Reichertz, Jurist der Verbraucherzentrale. Werde vom Gast ein Test auf Covid-19 verlangt, um seine Reise durchführen zu können, sei dies nicht zumutbar.

Dominik Dietrich, Leiter der Koordinierungsgruppe des Eichsfelder Krisenstabes, tut sich sehr schwer mit dem Begriff Risikogebiet und hatte Mittwochmorgen eine diesbezügliche Anfrage an das Landesverwaltungsamt gestellt und eine Antwort erhalten. Sie lautet: „Die Thüringer Landesregierung hat keinerlei ,Einstufung des Landkreises Eichsfeld als Risikogebiet’ vorgenommen, da es hierzu keine Rechtsgrundlage gibt.“

Thüringen gehe seinen eigenen Weg, meinte auf Nachfrage Katrin Braun, Sprecherin der Verbraucherzentrale. „Aber die rechtliche Seite der Stornierungsmöglichkeit bleibt unserer Meinung nach bestehen.“ Es lägen unvermeidbare außergewöhnliche Umstände vor. Sie rät den Eichsfeldern dringend, vor Reiseantritt das Hotel oder eine Behörde am Zielort zu kontaktieren, ehe es dort böse Überraschungen gebe.

Kritik und Entsetzen an der Einhaltung von Hygienekonzepten äußert derweil eine Leserin. Mit ihrer Familie, so schildert Doreen Fricke, habe sie am Sonntag eine Monster-Truck-Show in Worbis besucht. „Zwar wies am Eingang ein Schild darauf hin, dass man sich an den Mindestabstand halten solle und mit Erkältungssymptomen das Gelände nicht betreten dürfe. Allerdings wurde seitens des Veranstalters auf die Einhaltung der Corona-Regeln nicht im Mindesten geachtet“, berichtet sie. „Weder waren auf der improvisierten Tribüne Sitzplätze gesperrt, noch bestand Maskenpflicht. Auch Kontaktdaten wurden von keiner Person aufgenommen.“ Sie ergatterte einen der wenigen kaum genutzten Stehplätze. „Ich unterstelle den Veranstaltern an dieser Stelle, dass sie scheinbar nur interessierte, möglichst viele Eintrittsgelder kassieren zu können“, ist sie sauer. Der traurige Höhepunkt sei für sie aber erreicht gewesen, als am Ende die Besucher aufgefordert wurden, sich hinter einer Absperrung zu versammeln, um bei einem Showteil zusehen zu können.

Auf Anfrage unserer Zeitung beim Ordnungsamt der Stadt Leinefelde-Worbis heißt es, dass die Show angemeldet war, die Corona-Auflagen aber nicht in der Zuständigkeit der Stadt, sondern beim Gesundheitsamt liegen. „Inwieweit hier entsprechende Kontrollen durchgeführt wurden, kann von unserer Seite nicht gesagt werden“, so Amtsleiter Günther Fiedler. Zudem sei die Show am kommenden Sonntag „durch den Veranstalter abgesagt.“

Diese Regeln gelten jetzt im Eichsfeld

  • Familienfeiern in privaten Räumen sind nur noch mit maximal 15 Personen zulässig.
  • In Gaststätten dürfen private Feiern nur noch bis maximal 30 Personen stattfinden.
  • Veranstaltungen unter freiem Himmel sind nur noch bis maximal 50 Personen zulässig.
  • Private und öffentliche Veranstaltungen ab einer Zahl von 16 Personen sind zwei Tage vorher beim Gesundheitsamt des Landkreises anzuzeigen.
  • Ausgenommen von diesen Regeln sind Versammlungen, religiöse, parteipolitische,amtliche und betriebliche Veranstaltungen gemäß den bereits zuvor geltenden Regelungen.
  • Die Pflicht zum Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung kommt dort zum Tragen, wo eine Unterschreitung des mindestens 1,5 Meter betragenden Abstandsgebotes beziehungsweise eine zu befürchtende Unterschreitung gegeben ist. Hierzu zählen beispielsweise Bushaltestellen/Busbahnhöfe, belebte Straßen, Beerdigungen, Warteschlangen vor Geschäften et cetera. Die entsprechende Allgemeinverfügung des Landkreises trat Dienstagabend per Amtsblatt in Kraft.
  • In der Kreisstadt Heiligenstadt gilt die Maskenpflicht zwingend am Busbahnhof sowie an den weiteren vier hoch frequentierten Bushaltestellen: Rathaus, Marktplatz, Lindenallee und „Schwarzer Adler“ in der Göttinger Straße. Maskenpflicht gilt in der gesamten Wilhelmstraße.
  • Diese Regelungen gelten laut Allgemeinverfügung im Landkreis Eichsfeld zunächst bis 31. Oktober 2020. Gelockert werden können sie erst, wenn der Wert 50 Infizierte zehn Tage nacheinander unterschritten wird.