Mehr als 600 Zuhörer bei Anselm Grün in Heiligenstat

Heiligenstadt  Der Benediktinerpater und Buchautor spricht in der Heiligenstädter Stadthalle, darüber, dass man das Leben nicht versäumen sollte.

Pater Anselm Grün aus dem Benediktinerkloster Münsterschwarzach signierte in der Heiligenstädter Stadthalle auch sein Buch „Versäume nicht dein Leben". Zu diesem Thema hielt er seinen Vortrag.

Pater Anselm Grün aus dem Benediktinerkloster Münsterschwarzach signierte in der Heiligenstädter Stadthalle auch sein Buch „Versäume nicht dein Leben". Zu diesem Thema hielt er seinen Vortrag.

Foto: Gregor Mühlhaus

Dass der bekannte Benediktinerpater Anselm Grün immer für ausverkaufte Häuser sorgt, wurde am Donnerstagabend in Heiligenstadt wieder einmal mehr als deutlich. Der Geistliche aus Bayern kam auf Einladung der Stadtbibliothek Heiligenstadt. Wie Thomas Spielmann, Bürgermeister von Heiligenstadt, eingangs sagte, hat Grün bereits 300 Bücher geschrieben, und das in einer Auflage von 20 Millionen.

Der Pater sprach vor mehr als 600 Zuhörern zum Thema „Versäume nicht dein Leben“. So stand auf einer weißen Papierrolle neben der Bühne der Satz: „Wer ein Warum zu leben hat, der erträgt fast jedes Wie“. Viele Menschen hätten Angst, in ihrem Leben etwas zu versäumen, sagte Anselm Grün. Sie verglichen sich mit anderen und würden auch das gern machen, was andere schon geschafft hätten. Ein weiterer Punkt sei, dass Menschen im Alter oder an ihrem Lebensende der Meinung seien, dass sie im Leben zu viel versäumt hätten. Er erlebe viele junge Leute, so Grün, die nicht ins Leben kämen. Diese jungen Menschen hätten oft unrealistische, zu hohe Ansprüche an das Leben. Wenn sie im Berufs- oder Privatleben scheiterten, kämen sie zu dem Schluss, dass sie immer etwas versäumten. An ihrem Scheitern seien immer andere Schuld. Sie fühlten sich als Opfer. Denen sage er, dass sie ewig Zuschauer im Leben sein könnten, sich ewig beklagen könnten, weil sie ja meinten, viel zu versäumen – oder aber, dass sie kämpfen könnten.

„Wer kämpft, wird natürlich auch verletzt“, so Grün. Über seine im Alter von 93 Jahren verstorbene Mutter sagte Grün, dass sie trotz einer Krankheit immer fröhlich gewesen sei. Auf die Frage, warum sie denn immer so froh sei, habe sie gesagt, dass sie sich für ihre Kinder und Enkelkinder aufopfere. Das gebe ihr Kraft und Frohsinn. „Meine Mutter hat ihre Beschwerden in Energie umgewandelt, in Energie, die sie als Kraft für ihre Verwandten einsetzte.“

Sich aussöhnen mit dem im Leben Versäumten

Viele Menschen, die meinten, sie hätten ihr Leben versäumt, kämen zu dem Schluss, noch alles verändern zu müssen. Es gebe ein Buch mit dem Titel: „Wie du dich in sieben Tagen verändern kannst“, sagte der Pater und fügte hinzu: „Das ist natürlich völliger Unsinn.“ Im Verändern liege etwas Aggressives. Es gebe Zeitgenossen, die meinten, dass sie ein anderer Mensch werden müssten. „Aber wenn ich ein anderer Mensch werden will, lehne ich das ab, was ich bin. Aber das, was ich ablehne, bleibt trotzdem an mir hängen. Veränderung heißt also immer, ein anderer zu werden“, sagte Grün. Das für viele nahe liegende Wörtchen „Verwandlung“ hingegen sei etwas anderes. Verwandlung sei viel sanfter und sage: „Ich würdige mich so, wie ich geworden bin, aber ich bin noch nicht so, wie ich von meinem Wesen her sein könnte. Das Ziel der Veränderung ist, ein anderer zu werden, das Ziel der Verwandlung hingegen ist, immer mehr ich selber zu werden“, blickte Grün in die voll besetzte Stadthalle.

Verwandlung sei ein zentral christliches Bild. Verwandlung werde auch in jedem Gottesdienst gefeiert. „Der größte Feind der Verwandlung ist ein erfolgreiches Leben“, zitierte Grün einen bekannten Schriftsteller. Die Menschen, die immer Erfolg hätten, würden innerlich erstarren.

Grün erzählte zum Schluss von einer alten Frau, die in ihrem Leben immer nur das getan habe, was andere wollten. „Sie war der Meinung, dass sie ihr Leben komplett versäumt habe“, berichtete der Geistliche, der meinte: „Wenn ich mich aussöhne mit dem, wovon ich meine, es versäumt zu haben, dann wird mein Leben wertvoll“. Das Gefühl etwas versäumt zu haben, hätten auch viele, die um einen geliebten Menschen trauern. „Ich wollte ihn noch so viel fragen, wir wollten noch so viel bereden“ seien dann oft die Gedanken. Diesen Menschen empfehle er, einen Brief an den Verstorbenen zu schreiben, mit all den Dingen, die noch gesagt werden müssten. „Aber ich sage denen auch: Schreiben Sie selbst einen Brief des Verstorbenen, der an Sie gerichtet ist. Das ist eine gute Möglichkeit, Versöhnung zu finden.“ Und er betonte: „Wir können Gott bitten, dass er das verbitterte Vergangene in Segen verwandelt“.

Der Pater beendete seinen Vortrag mit einem nachdenklichen Satz: „Man wird nicht dankbar, wenn man glücklich ist, sondern, man wird glücklich, wenn man dankbar ist.“

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