Neuer Zuschnitt für Feuerwehren im Eichsfeld

Eichsfeld.  Für den Brandschutz im Landkreis soll es einen Neuzuschnitt der Zuständigkeiten und Einzugsgebiete geben.

Kreisbrandinspektor Mirko Lipinski hat ein neues Stützpunktfeuerwehrkonzept für den Landkreis entwickelt.

Kreisbrandinspektor Mirko Lipinski hat ein neues Stützpunktfeuerwehrkonzept für den Landkreis entwickelt.

Foto: Eckhard Jüngel

Bislang hat es im Eichsfeld sechs Stützpunktfeuerwehren gegeben: Heiligenstadt, Leinefelde, Worbis, Dingelstädt. Ershausen und Arenshausen/Uder. Diese Zahl basiert noch auf der Konzeption für den Landkreis aus dem Jahr 1995. Doch in den 24 Jahren seitdem habe sich im Eichsfeld eine Menge geändert, sagt Kreisbrandinspektor Mirko Lipinski. Er hat sich in den vergangenen zwei Jahren seit seinem Amtsantritt unter anderem damit beschäftigt, ein neues Konzept auszuarbeiten, dass sich an den neuen Verhältnissen orientiert, den umfassenden Brandschutz sicherstellt, aber auch klammeren Haushaltskassen Rechnung trägt.

Derzeit zählt der Landkreis knapp über 100.000 Einwohner. „Das entspricht einer kleinen Großstadt“, sagt Lipinksi. Allerdings verteilen sich diese Einwohner auf eine Fläche von 943 Quadratkilometern. Das ist aber noch ein kleineres Problem. In den vergangenen Jahrzehnten sind zahlreiche Gewerbegebiete entstanden, Seniorenheime und große Firmen gebaut worden. Und die Wald- und Flächenbrände haben zugenommen.

Vielmehr geht es nun aber auch um die Sicherstellung der Einsatzbereitschaft vor allem an Wochentagen. Das Eichsfeld hat eine geringe Arbeitslosigkeit, aber viele Pendler, somit ist mitunter die Einsatzbereitschaft in den freiwilligen Feuerwehren gefährdet. Die Einsatzzahl aber ist stetig angestiegen. 1700 Einsätze gibt es im Schnitt pro Jahr.

Drei statt sechs Stützpunkte

„Auf den Landkreis Eichsfeld bezogen ist es möglich, mit nunmehr drei Stützpunktfeuerwehren an den Standorten Heiligenstadt, Leinefelde-Worbis und Dingelstädt die größte Fläche des Landkreises innerhalb der vorgegebenen 20 Minuten abdecken zu können“, erklärt Lipinski den neuen Ansatz. „Kriterien hierfür waren zum einen die Dauer der Ausrückzeit nach Alarmierung, welche mit durchschnittlich 5 Minuten gewertet werden kann, und ein Radius von 12 Kilometern = 12 Minuten vom Standort der Stützpunktfeuerwehr aus.“ Von den verbleibenden drei Standorten aus aber können Teilbereiche im nördlichen Kreisgebiet, die Landgemeinden Am Ohmberg und Sonnenstein, sowie Bereiche entlang der Landesgrenze zu Hessen nicht ausreichend abgedeckt werden.

Um den Einzugsbereich nach Westen und Süden zu erweitern, soll die Feuerwehr Uder Außenstandort von Heiligenstadt werden. Zur Abdeckung des nördlichen Bereichs wird zukünftig in Bischofferode ein Außenstandort von Leinefelde-Worbis entstehen. Allerdings werde im westlichen und südlichen Eichsfeld länderübergreifend gearbeitet, um eine flächendeckende Lösung zu garantieren. „Die Feuerwehren Eschwege und Bad Sooden-Allendorf verfügen über die vorgegebene Technik und Fahrzeuge.“ Außerdem gebe es bereits eine hervorragende Zusammenarbeit. Somit müsse künftig in Ershausen sowie am Doppelstandort Arenshausen/Uder keine Stützpunktfeuerwehr weiter vorgehalten werden, erklärt Lipinski. Bei einem gemeinsamen Gespräch hätten beide hessische Wehren sowie der Werra-Meißner-Kreis diese Bereitschaft zugesichert. Für den nördlichen, zum Teil niedersächsischen, Grenzbereich sei das nicht möglich gewesen, weil die Wehren in Duderstadt, Bad Lauterberg oder Bleicherode nahe Stöckey oder Buhla weder über die Einsatzkräfte noch die notwendigen Ausrüstungen verfügen. Auch die Topografie erlaube es meist nicht, innerhalb von 20 Minuten vor Ort zu sein.

Eine Besonderheit aber gibt es bei den Wehren Arenshausen und Breitenworbis. „Das ist der A 38 geschuldet.“ Beide Wehren liegen nicht nur direkt an Anschlussstellen, sondern sind mit für den Heidkopftunnel bei Arenshausen sowie für den Höllbergtunnel bei Breitenworbis zuständig. Beide Wehren erhalten den Status „Portalfeuerwehren“, sind mit überörtlichen Aufgaben betraut. Dafür notwendige Ausrüstungen, die noch fehlen, sollen laut Konzept durch den Landkreis beschafft werden. Bei der Feuerwehr Uder möchte der Kreisbrandinspektor zusätzlich eine Drohne installieren, die bei Waldbränden und Personensuchen unschätzbare Dienste leisten könne.

Drohne für Uder geplant

Lipinskis Entwurf sieht zudem die Errichtung von Feuerwehreinsatzzentralen bei den drei Stützpunktwehren vor. Sie können im Katastrophenfall als Fernmeldebetriebsstellen dienen, dass heißt, die Kommunikation beschleunigen. Der Kreisbrandinspektor hat sich zudem die Ausstattung der Wehren sowie das Alter der Ausrüstung angesehen. Um einige Neu- und Ersatzbeschaffungen komme man nicht herum. Würde man aber die bisherige Konzeption weiterverfolgen und diese Neuanschaffungen flächendeckend vornehmen, sei das durch den Kreis nicht mehr finanzierbar. Der Landkreis würde mindestens 5,5 Millionen Euro investieren müssen. Das neue Konzept spare demgegenüber rund 2,4 Millionen Euro.

Bevor Mirko Lipinski das Konzept im Kreisausschuss vorstellte, hatte er eine große Versammlung der Ortsbrandmeister und Wehrführer einberufen, um auch ihnen das Vorhaben zur Diskussion zu stellen. „Die Meckerer waren überschaubar“, sagt Lipinski. „Es war eine faire und sachliche Diskussion. Am Ende war deutliche Zustimmung.“ Der Kreisbrandinspektor hatte den Wehrleitern das Konzept zur Abstimmung übergeben. Es habe zwar die eine oder andere Enthaltung gegeben, aber keine einzige Gegenstimme. Jetzt muss noch der Kreistag zustimmen, dann kann es an die Umsetzung gehen.

Wer ist für wen zuständig?

Heiligenstadt:

Arenshausen, Birkenfelde, Bischhagen, Burgwalde, Bodenrode-Westhausen, Dieterode, Eichstruth, Freienhagen, Geisleden, Glasehausen, Heiligenstadt, Hohes Kreuz, Kirchgandern, Krombach, Lutter, Marth, Reinholterode, Rohrberg, Martinfeld, Rüstungen, Rustenfelde, Schachtebich, Schönhagen, Siemerode, Steinbach, Steinheuterode, Thalwenden, Uder, Wingerode. Mit Außenstandort Uder: Bornhagen, Dietzenrode/Vatterode, Fretterode, Gerbershausen, Hohengandern, Lenterode, Mackenrode, Röhrig, Schwobfeld, Wüstheuterode

Leinefelde-Worbis:

Buhla-Ascherode, Berlingerode, Breitenworbis, Ferna, Gernrode, Haynrode, Kirchworbis, Leinefelde-Worbis, Niederorschel, Tastungen, Teistungen, Wehnde. Mit Außenstandort Bischofferode: Am Ohmberg, Brehme, Ecklingerode, Sonnenstein

Dingelstädt:

Büttstedt, Dingelstädt, Effelder, Großbartloff, Heuthen, Küllstedt, Wachstedt,

Bad Sooden-Allendorf:

Asbach-Sickenberg, Lindewerra, Wahlhausen,

Eschwege:

Geismar, Großtöpfer, Kella, Pfaffschwende, Ershausen, Wilbich, Sickerode, Volkerode, Wiesenfeld

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