Online-Oma Renate begeistert in Heiligenstadt

Heiligenstadt  Das Publikum in der Stadthalle erlebt den Hausbau der Buchfigur Renate Bergmann.

Eine Wohltat fürs Publikum: Mit einem großen Dufttuch hatte Schauspielerin Anke Siefken als Online-Oma Renate Bergmann in der Heiligenstädter Stadthalle dem Schnupfen den Kampf angesagt.

Eine Wohltat fürs Publikum: Mit einem großen Dufttuch hatte Schauspielerin Anke Siefken als Online-Oma Renate Bergmann in der Heiligenstädter Stadthalle dem Schnupfen den Kampf angesagt.

Foto: Christine Bose

Diese flotte Zweiundachtzigjährige, die vier Ehemänner zu Grabe getragen hat, kennt sich aus mit „Interweb“, „Zwitter“ und „Fäßbock“ und sie behauptet mit Recht von sich: „Eine Renate Bergmann ist eine Frau der Tat!“

Als sie am Montag in der ausverkauften Heiligenstädter Stadthalle das bekannte Kinderlied von den fleißigen Handwerkern sang, stimmten ganz viele Besucher sogleich mit ein. Schließlich wollte die rüstige Seniorin ein Haus bauen. Also eigentlich nicht sie, sondern ihr Neffe mit Familie auf einem bisher ungenutzten Grundstück, das sie von einem ihrer verblichenen Ehemänner geerbt hatte. Neffe Stefan denkt dabei an eine Einliegerwohnung für seine betagte Verwandte. Renate fühlt sich selbstverständlich verpflichtet, das aufregende Geschehen zu begleiten und zu überwachen, vom ersten Besuch im Architekturbüro, anschließend im Bauamt, bis hin zum fröhlichen Richtfest.

Sie denkt zurück an Zeiten, als ihre Mutter mit einem geschlachteten Huhn zum Bürgermeister ging und ihn alsbald mit einer Um- oder Ausbaugenehmigung verließ, ohne dass sich die Arbeiten verzögerten, weil erst eine im Balken lebende seltene Holzwurmart umgesiedelt werden musste.

Die Bühnendekoration deutete auf regen Baubetrieb hin: eine große Leiter, eine Schubkarre, eine Schippe, ein Kasten Bier, Dachziegel. Stichwort „Dachziegel“: „Das Dach muss vor dem Winter drauf“, mahnt Renate Bergmann, die in Deutschland wohlbekannte Online-Omi – und das ist der Titel des gleichnamigen Buches von Torsten Rohde. Aus seiner Feder stammen schon mehrere „Renate-Bergmann-Bücher“. Die Fangemeinde für diese Kultfigur ist ­riesig.

Wertvolle Tipps für alle Bauherren

Bereitet schon das Lesen großes Vergnügen, gibt es noch eine Steigerung, nämlich dann, wenn Oma Renate den Saal betritt, auf der Bühne Platz nimmt und neunzig Minuten allerbeste Unterhaltung, Humor und Satire bietet. Autor Torsten Rohde, 1974 in Genthin, jetzt Sachsen-Anhalt, geboren, brachte für das Programm „Renate Bergmann – Die Online-Omi live“ die pfiffige Dame nach Heiligenstadt mit, zur Gemeinschaftsveranstaltung der Eichsfelder Bücherstube und der Stadtbibliothek.

Schauspielerin Anke Siefken aus dem bayerischen Memmingen plauderte aus ihrem langen Leben als Renate, erzählte von so mancher Alltagserfahrung und berichtete selbstverständlich vom Fortgang der Bau­arbeiten. Das Wohl des Publikums lag ihr sehr am Herzen. Gerade jetzt, zur beginnenden Schnupfenzeit, wedelte sie hingebungsvoll mit einem Dufttuch, das nach ihrem Ermessen mindestens bis in Reihe 3 seine wohltuende Wirkung entfalten sollte.

Hier noch zwei wichtige Hinweise für alle Bauherren und -damen, damit das große Vorhaben „eigenes Haus“ ohne besondere Zwischenfälle gelingt: Möglichst keine „Computer­fritzen“ – so heißen sie bei Renate Bergmann – als Helfer auf die Baustelle ein­laden. Die haben Informatismus studiert, sind blass und schwächlich, können nicht zupacken, vermögen höchstens das, was sie tun möchten, mittels einer Excel-Tabelle zu planen.

Tipp zwei: Den Maurern, so wie den fleißigen Arbeitern Kalle und Bogdan, zum Frühstück Gehacktesbrötchen und zum Mittagessen deftigen Erbseneintopf nach Großmutters Rezept servieren. Zum Feierabend darf es gern ein Bier sein. Wer ihnen jedoch Fliedertee und vegane Speisen vorsetzt, vergrault sie und riskiert, dass sie ihren Arbeitsplatz vorzeitig und fluchtartig verlassen.

Zu den Kommentaren