Explodierende Asbestplatten weggeschleudert: 89 Kameraden eine Nacht lang im Einsatz

Bornhagen  Die Feuerwehr war beim ersten Großbrand in Bornhagen seit über 30 Jahren mit 24 Fahrzeugen im Einsatz. Die Polizei schließt eine Brandstiftung nicht aus. So lief der Großeinsatz ab.

Die Kameraden konnten das angrenzende, unbewohnte Mehrfamilienhaus schützen. Nur am Dachstuhl griffen die Flammen über, welche die Einsatzkräfte aber schnell unter Kontrolle bringen konnten. Da sie nicht überall ungefährdet arbeiten konnten, kam Löschschaum zum Einsatz.

Die Kameraden konnten das angrenzende, unbewohnte Mehrfamilienhaus schützen. Nur am Dachstuhl griffen die Flammen über, welche die Einsatzkräfte aber schnell unter Kontrolle bringen konnten. Da sie nicht überall ungefährdet arbeiten konnten, kam Löschschaum zum Einsatz.

Foto: Eckhard Jüngel

Eigentlich hatten die Bornhagener Feuerwehrleute nicht damit gerechnet, sich so schnell wiederzusehen, als sie sich am Freitag nach ihrem Dienstabend voneinander verabschiedet hatten. Doch um 0.52 Uhr rissen sie Alarmierung und Dorfsirene aus dem Schlaf. Im Bauernweg am Ortsrand schlugen Flammen mehrere Meter hoch aus einem Wirtschaftsgebäude direkt neben einem zur Zeit unbewohnten Wohnhaus. Wie Schüsse knallte es in der Dunkelheit, als die Asbestplatten auf dem Dach des Stallkomplexes explodierten und Stücke meterweit durch die Luft schleuderten. Mit den Bornhagenern waren zeitgleich die Gerbershäuser Feuerwehrleute alarmiert worden. Doch vor Ort war sofort klar, dass man weitere Hilfe braucht. Sofort wurden die Wehren von Hohengandern und Arenshausen, die Drehleiter samt Tanklöschfahrzeug von Witzenhausen, die Kameraden aus Fretterode und Uder, ein Einsatzleitwagen des Landkreises, ein Gefahrgutwagen Atemschutz und der zuständige Kreisbrandmeister Ingo Zbierski nachalarmiert. Er unterstützte die Einsatzleitung, die bei der Feuerwehr Bornhagen lag.

Mehrere Löschwasserversorgungen über eine lange Wegestrecke mussten in Windeseile vom alten Schwimmbad aufgebaut werden, das mitten im Ort liegt und als Feuerlöschteich dient. Sofort gingen die Kameraden von mehreren Seiten in die Brandbekämpfung. Bald war klar, dass die Scheune nicht mehr zu retten war – die Wehren konzentrierten sich darauf, das Wohnhaus zu schützen, auf dessen Dachstuhl die Flammen bereits übergegriffen hatten. Mit Brandhaken rückten sie dem Dachstuhl zu Leibe, um dort das sich bereits ausbreitende Feuer zu löschen. Dabei mussten sie erst einmal an die Flammen herankommen, die sich durch die Dämmung fraßen.

Letzter Großbrand im Ort vor über 30 Jahren

Gegen 2.07 Uhr war das Feuer unter Kontrolle. Ein Rettungswagen aus Witzenhausen stand derweil zur Absicherung der Kameraden bereit, auch der Sanitäts- und Betreuungszug des Landkreises machte sich auf den Weg, um die Helfer im Einsatz zu versorgen. Im nicht weit entfernten Feuerwehrgerätehaus kochten sie Kaffee und schmierten Brote für die erschöpften Einsatzkräfte.

Gegen 3.40 Uhr konnte nach Einsatz von Löschschaum endlich „Feuer aus“ gemeldet werden. Erst um 5.15 Uhr war der Einsatz für die meisten Kameraden beendet. Die Kameraden aus Bornhagen hielten noch bis nach 9 Uhr am Samstag Brandwache. Die erwies sich auch als nötig, denn mehrfach stieg wieder Rauch aus dem zerstörten Wirtschaftskomplex, zu dem auch mehrere Garagen gehören, auf. Mehrfach mussten die Helfer aufflackernde Glutnester ablöschen, ehe sie den Einsatzort an die Polizei übergeben konnten. Die Einsatzbereitschaft war am Samstagabend gegen 18 Uhr wieder hergestellt als die letzten Schläuche wieder gereinigt und ordentlich gerollt auf der „Bornhagen 49“ einsortiert waren.

Für die Bornhagener war es der 15. Einsatz in diesem Jahr. Und an einen Brand solchen Ausmaßes im Ort kann sich kaum einer der aktiven Helfer erinnern, denn der liegt über 30 Jahre zurück. 1986 wurde zum letzten Mal ein Wohnhaus zum Opfer der Flammen. 2010 etwa hat es den letzten Gartenlaubenbrand in der Gemeinde gegeben.

Noch am Samstag haben Spezialisten der Kriminalpolizei die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen, den Brandort eingehend untersucht. Noch stehen Brandursache und die Schadenshöhe nicht fest. Allerdings könne Brandstiftung nicht ausgeschlossen werden. Der Schaden wird auf 80.000 Euro geschätzt. Insgesamt waren 89 Kameraden mit 24 Fahrzeugen beim Großbrand im Einsatz.

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