Schüler pflanzen 500 Büsche und helfen damit Rebhühnern

Tastungen.  Die Gemeinde Tastungen, der Bürgermeister und fleißige Helfer betreiben in der Flur aktiven Naturschutz.

Berlingeröder Schüler und weitere Unterstützer, darunter Andreas Heckerott, pflanzen bei Tastungen 500 Hartriegel und Pfaffenhütchen. Die Büsche sollen Rebhühnern Schutz bieten, deren Population im Eichsfeld wieder zu wachsen scheint.

Berlingeröder Schüler und weitere Unterstützer, darunter Andreas Heckerott, pflanzen bei Tastungen 500 Hartriegel und Pfaffenhütchen. Die Büsche sollen Rebhühnern Schutz bieten, deren Population im Eichsfeld wieder zu wachsen scheint.

Foto: Eckhard Jüngel

Dick angezogen machen sich am Mittwochmorgen 65 Mädchen und Jungen der fünften und achten Klassen der Regelschule Berlingerode auf den Weg Richtung Tastungen. Es ist kein gewöhnlicher Schultag, denn es geht in die Natur.

Gerade läuft die Projektwoche, und in der die Kinder und Jugendlichen diesmal die Region im Blick haben. Derweil einige Schüler etwa im Worbiser Bärenpark Hand anlegen und das Team dort bei Arbeiten unterstützen, wollen diese eine Aktion von Bürgermeister Mario Nolte, der Gemeinde Tastungen sowie der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald unterstützen. 500 Büsche sollen am Vormittag an einem Feld nicht weit vom Dorf entfernt gepflanzt werden, um etwas zum Schutz der Rebhühner zu tun.

Die gedrungenen, rund 30 Zentimeter großen Tiere – eine Vogelart aus der Ordnung der Hühnervögel – haben ein braungraues Federkleid und es alles andere als leicht. Denn Rebhühner haben nicht nur Fressfeinde, sondern finden auch kaum mehr Plätze, an dem sie sich verstecken können. Und hinzu kommt, dass sie Bodenbrüter sind.

„In den vergangenen Jahren sind sie bei uns sehr, sehr selten geworden“, sagt Revierförster Raik Scheffler und freut sich daher, dass es nicht nur ein wissenschaftlich begleitetes Projekt in Göttingen und Nesselröden gibt, sondern dass auch die Schüler helfen wollen, etwas für einen besseren Lebensraum der Rebhühner zu tun.

Landwirtschaft und Kommunen haben Verantwortung

Denn bei Tastungen, wirft Bürgermeister Mario Nolte ein, seien schon einige Tiere beobachtet worden. Die brauchen allerdings nicht nur Schutzräume, wichtig sind auch Insekten als Futter für die Küken. Um für die Rebhühner gute Lebensbedingungen zu schaffen, sind nach Ansicht von Raik Scheffler sowohl die Landwirtschaft als auch die Kommunen gefragt. „Diese müssen ebenfalls Verantwortung übernehmen“, sagt er klar. Gräben und Wege befänden sich ja in deren Eigentum. Dass dort in den vergangenen Jahren viel gemulcht wurde, sieht er als großes Problem an.

Und das schlage sich auch bei Schmetterlingen nieder. Der Zwergbläuling zum etwa überwintere in verdorrten Blüten, wenn die wegkämen, sei auch der Schmetterling weg. „Durch das Mulchen kommt die eiserne Reserve der Insekten weg. Es sollte die Ausnahme, nicht die Regel sein“, meint Raik Scheffler, der sich deutlich gegen diese Arbeitsweise ausspricht und dem es, wie den anderen an diesem Tag wichtig ist, dass die Pflanzenvielfalt nicht zu kurz kommt.

Daher setzt er darauf, dass nun weitere Pflegekonzepte aufgestellt und vor allem umgesetzt werden. Der Tastunger Bürgermeister hat seinerseits aber auch ganz andere Erfahrungen gemacht und stieß bei der Vorbereitung des jetzigen Vorhabens nicht nur auf Zustimmung, sondern auch auf „massive Gegenwehr“. Beeindrucken ließ er sich davon nicht.

Am Mittwochmorgen ging es dann ans Pflanzen von rund 500 niedrig wachsenden Büschen. Hartriegel und Pfaffenhütchen wurden von den Schülern und Lehrern in die Erde gesetzt. Die Büsche hatte die Schutzgemeinschaft beigesteuert. Dafür, dass alles gut vorbereitet war, die Pflanzreihen ausgehoben waren und die Pflanzen selbst an Ort und Stelle bereit lagen, sorgten fleißige Helfer, darunter Pfarrer Paulsen sowie Mitstreiter aus Tastungen, Wehnde und Teistungen sowie Mario Nolte, der auch Vorsitzender des Landschaftspflegeverbandes Eichsfeld ist. Letzterer stellte den Bagger und will noch einmal, 1000 Büsche stellen. Denn die Gemeinde, die Wert auf Umweltschutz legt, hatte die Wegeparzelle eigens liegen gelassen, um den Rebhühnern Gutes zu tun. Und vielleicht hilft das alles ja dem „Sympathievogel, der als Synonym für den Artenschwund in unserer Kulturlandschaft steht“, meint Raik Scheffler.