Söldner aus dem Eichsfeld stritten für britische Krone im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg

Eichsfeld.  Der Historiker Mathias Degenhardt legt neueste Forschungen zu einem wenig bekannten Geschichtskapitel vor.

Mathias Degenhardt forschte intensiv zur Rolle der Eichsfelder im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg.

Mathias Degenhardt forschte intensiv zur Rolle der Eichsfelder im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg.

Foto: Reiner Schmalzl

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Dass auch weit über 100 Eichsfelder als Soldaten am Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg von 1775 bis 1783 beteiligt waren, dürfte im Wesentlichen vermutlich nur Historikern und Kriegsforschern genauer bekannt sein. Der aus Wüstheuterode stammende und jetzt in Göttingen wirkende Lehrer Mathias Degenhardt (35) beschäftigt sich seit vielen Jahren mit jenem spannenden Geschichtskapitel und versucht insbesondere, etwas mehr Licht in die Rolle der Kriegsteilnehmer aus dem Eichsfeld zu bringen.

So hat er im jüngst präsentierten wissenschaftlichen Eichsfeld-Jahrbuch 2019 seine neuesten Forschungen zu diesem Thema veröffentlicht. Es handelt sich dabei zugleich um eine der bislang umfangreichsten Arbeiten zu jener Geschichtsepoche. Rund 6000 Kilometer vom kurmainzischen Eichsfeld entfernt brodelte es vor über 240 Jahren. In den britischen Kolonien Amerikas sorgten die Zoll- und Steuergesetze für eine finale Verschärfung der seit Jahren wachsenden Gegensätze zwischen London und seinen Kolonisten, erinnert Mathias Degenhardt.

Höhepunkt der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung war also der Kampf zwischen den 13 Kolonien einerseits und der britischen Kolonialmacht andererseits. Im Jahr 1776 erfolgte die Unabhängigkeitserklärung und die Entstehung der Vereinigten Staaten von Amerika. Bis dies allerdings soweit war, lieferten sich die Konfliktparteien erbitterte Schlachten.

Innerhalb der deutschen Hilfstruppen kämpften die Eichsfelder Soldaten in diesem Krieg in hessischen und braunschweigischen Regimentern für die britische Krone. Sehr umstritten und vielfältig muss damals die Anwerbung von Eichsfelder Söldnern über die Bühne gegangen sein. So verweist Mathias Degenhardt darauf, dass im Februar 1776 zwar keine Werber in Heiligenstadt bekannt gewesen seien, doch bereits mehrere Männer aus der Stadt in fremde Kriegsdienste getreten waren.

„13 seien in die Dienste Braunschweig-Lüneburgs getreten, wovon einer seine Frau mitnahm. Sechs Heiligenstädter traten in königlich-großbritannische Dienste sowie zwei in preußische“, schrieb Karl Philipp Moritz rückblickend in seinem autobiografischen Bildungsroman „Anton Reiser“ um 1785/90. Dokumente des Stadtarchivs Heiligenstadt belegen, wie mit dem Verbot des Anwerbenlassens umgegangen wurde. Demnach wurde das Verbot öffentlich bekannt gegeben und auch die zu erwartende Strafe mitgeteilt. Angeworbenen, insbesondere Ledigen, drohte die Einziehung des Vermögens, womit man auch weitere Anwerbewillige für den Krieg in Amerika abschrecken wollte. Das Eichsfeld war nicht die einzige aus hessischer oder Braunschweiger Sicht ausländische Rekrutierungsregion. Auch aus Nordhausen und Mühlhausen sowie thüringischen Ländern kamen Hunderte Soldaten.

Die wichtigste Quelle zur Erfassung der Kriegsteilnehmer auch aus dem Eichsfeld sind von der Archivschule Marburg ausgewertete und bis 1987 als sechsbändige Reihe erschienene Kriegsteilnehmerlisten. Degenhardt wurde bei der jetzigen Vervollständigung zudem von Ortschronisten des Eichsfeldes unterstützt. So dürfte mancher überrascht sein, dass damals beispielsweise auch Nikolaus Foerster aus Neuendorf mit den britischen Truppen im Regiment von Loßberg stritt. Er desertierte aber und blieb in Amerika.

Ein Nikolaus Hinckelbein aus Heyerode wiederum diente im Regiment Rall und kehrte 1783 nach Europa zurück. Der Martinfelder Franz von Bodungen ließ explizit auf der Familienstammtafel vermerken, dass er aufgrund „verschiedentlich in diesem Kriege beygewohnten wichtigen Gegebenheiten und darbei erworbenen Ruhm“ befördert wurde und „glücklich aus America wieder zurück“ in die Heimat kam. Dokumentiert ist dies auf der Martinfelder Stammtafel der von Bodungen im Eichsfeldmuseum Heiligenstadt.

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