St.-Martinskirche in Heiligenstadt ist wieder bekrönt

Heiligenstadt  Die Patronatskirche des Eichsfeldes hat ihre Turmkugel wieder. Die wurde von Kletterern hoch gebracht.

Die Industriekletterer wurden von einem Motor an einem Seil den Turm hinauf gezogen. 

Die Industriekletterer wurden von einem Motor an einem Seil den Turm hinauf gezogen. 

Foto: J. Braun

Die Köpfe in den Nacken gelegt und die Handys in der Hand, standen einige Heiligenstädter am Freitagvormittag vor der Kirche St. Martin in Heiligenstadt und verfolgten ein seltenes Geschehen. Zwei Mitarbeiter der Firma Seilkonzept in Kassel hatten sich nämlich die Turmkugel und die Wetterfahne an ihre Ausrüstung gegurtet und ließen sich von einem Motor, der dem einer Motorsäge gleicht, an einem Seil den Kirchturm hinaufziehen.

Sturm Eberhard hatte Mitte März der von den vorhergehenden Stürmen mitgenommenen Turmspitze den Rest gegeben. Sie war regelrecht verbogen. Es stellte sich heraus: Der Kaiserstiel, also die Spitze der Turmkonstruktion, welche die Bekrönung trägt, war gebrochen. Er musste neu angefertigt werden. So kam Anfang Juli ein spezielles Gerüst auf die Turmspitze.

Dann tat sich lange nichts. „Es war schwer, mit der Versicherung eine Einigung zu finden“, erklärt Pfarrer Johannes Möller. Der Schaden habe erst begutachtet werden können, als das Gerüst angebracht war.

Die Kasseler Firma sei die einzige in Deutschland, die solche Arbeiten durchführt, und damit spare man hohe Gerüstkosten. So gab es von der Versicherung 45.000 bis 50.000 Euro, sagt der Pfarrer. „Die Kirchgemeinde ist am Ende auf 10.000 Euro sitzen geblieben. Ein Gerüst bis zum Turm hätte allein schon um die 80.000 gekostet.“ Trotzdem sei man froh, dass die Turmspitze wieder komplett ist. „Ich bedanke mich vor allem auch bei den Anwohnern, die das Pfeifen des Gerüstes ertragen haben. Das hat nämlich in bestimmten Wetterlagen ganz komisch geklungen.“ Aber auch das hat bald ein Ende, denn Anfang kommender Woche wird auch das Gerüst an der Spitze abgenommen. Übrigens wurden die drei Dokumenthülsen in der Turmkugel nicht geöffnet. Denn sie waren erst vor 20 Jahren neu befüllt worden. Drei sind es, damit das Gewicht auf so luftiger Höhe besser verteilt ist. Dort oben arbeiteten die beiden Industriekletterer noch bis nach dem Mittag, und dann glänzte die Turmspitze wieder wie eh und je.

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