Wegen Corona-Pandemie: Fasching in Heiligenstadt fällt aus

Eichsfeld.  Auch andere Eichsfelder Vereine tragen sich mit der Entscheidung einer Absage. Rathausstürme nur im kleinen Rahmen geplant.

Schlechte Karten haben die Eichsfelder Karnevalisten wegen Corona: In Heiligenstadt wurde die Saison bereits abgesagt.

Schlechte Karten haben die Eichsfelder Karnevalisten wegen Corona: In Heiligenstadt wurde die Saison bereits abgesagt.

Foto: Eckhard Jüngel / Eckhard Jüngel (TA)

Nachdem die neuen Corona-Regeln des Landkreises Veranstaltungen unter freiem Himmel auf maximal 50 Personen beschränken, machen sich die Faschingsvereine des Landkreises Gedanken über ihre Rathausstürme. Und auch die gesamte Session mit Büttenabenden, Kinder- oder Weiberfasching geht im Landkreis generell eher einer kompletten Absage entgegen. Eins ist definitiv klar: Karneval wie gewohnt – das wird es in der bevorstehenden Session nicht geben. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

„Wir haben lange beraten“, sagt Volker Lamprecht, Vorsitzender des Heiligenstädter Carnevalvereins (HCV). Schließlich sei in einer Vorstandssitzung die Entscheidung gefallen: Keine Prunksitzung, kein Büttenabend, kein Kinder-, Senioren- oder gar Weiberfasching, kein Umzug. Die Vorbereitungen seien zwar bislang gelaufen, als würde man auf eine „normale“ Saison hinarbeiten, aber inzwischen sei absehbar, dass die Corona-Situation auch noch im kommenden Jahr eine große Rolle spielen werde.

Lamprecht: „Jetzt zählt nur die Vernunft“

„Die Coronazahlen steigen, auch ist ein Impfstoff noch nicht in Sicht.“ Als die Hochburg Wasungen die Session absagte, bat der Landesverband der Karnevalisten, nach neuen machbaren Formen zu suchen, erzählt Volker Lamprecht. Karneval, so sagt er, lebt von Umarmungen, Schunkeln und der Kussfreiheit. Mit den Auflagen und Abstandsregeln sei das nicht möglich. „Ja, es ist unbefriedigend. Aber jetzt zählt nur die Vernunft.“

Was bleibt, sei der geplante Rathaussturm am 11. November, um 17.11 Uhr. „Das ist auf dem Marktplatz im Freien. Dort können wir auf die Einhaltung der Regeln achten. Es gibt danach keine Feier in der Stadthalle“, erklärt er. Man sei bereits im Verein dabei, Ideen zu entwickeln, wie während der Session bis zum Rosenmontag am 15. Februar 2021 kleine Dinge im Freien passieren können. „In kleinem Rahmen.“

Denn so ganz wolle man bunte Kostüme und Narrenkappen in den tollen Tagen und in den Wochen zuvor nicht aus dem Straßenbild verschwinden lassen. „Einfach nur, um zu zeigen: Hier sind wir, Corona kriegt uns nicht klein.“ Was es in Heiligenstadt auf keinen Fall geben werde, sei ein Motto, das sich um den Virus dreht. „Das wäre mehr als geschmacklos“, so Volker Lamprecht. „Wir sehen die bevorstehende, völlig andere Session als Chance, uns auch als Verein zu festigen.“

Ein Karnevalverein sei saisonal aufgestellt. „Klar, die Garden trainieren das ganze Jahr, aber Büttenreden oder Sketche entstehen erst sozusagen im letzten Moment.“ Er sei aber optimistisch, dass der Zusammenhalt bleibe, vielleicht sogar noch stärker werde. „Wir sind ein starker Verein, nicht nur personell, sondern auch innerlich. Wir hoffen, dass wir am Aschermittwoch verkünden können, dass Corona vorbei ist und wir 2022 umso intensiver feiern können.“

In Leinefelde geht Tendenz zu Absage aller Veranstaltungen

Auch Sven Goos, Vorsitzender des Leinefelder Carneval Vereins, wirft vorsichtshalber schon einmal ein Auge auf 2021. Denn obwohl es in Leinefelde noch keinen entsprechenden Vorstandsbeschluss gibt, gehe die Tendenz, das Bauchgefühl in die Richtung einer Absage aller Veranstaltungen. „Es wird ja nicht besser“, so Sven Goos. Ende Oktober wolle man die endgültige Entscheidung treffen. Normalerweise starten in Leinefelde am 1. Dezember die Kartenvorverkäufe.

Der Vorsitzende sehe aber nicht, wie die Hygienebestimmungen, die momentan gelten, bei einer Faschingsveranstaltung eingehalten werden sollten. „Das wäre ein Pseudo-Fasching. Und wir glauben auch nicht, dass so viele Gäste kommen würden. Das muss man ja auch bedenken. Dann bringt aller Aufwand auch nichts.“ Als riesige Überraschung komme die Tendenz sicher für niemanden. Wenn möglich, wolle man etwas intern im Verein organisieren. „Wenn wirklich alles abgesagt wird, heben wir uns die Vorbereitungen eben für das übernächste Jahr auf.“

Worbiser wollen sich auf interne Veranstaltungen beschränken

Auf interne Veranstaltungen wollen, so es die Regeln zulassen, sich auch die Worbiser beschränken. Auch dort steht noch kein Vorstandsbeschluss. Thomas Rehbein, Präsident der Worbiser Carneval Clubs, sieht aber die Möglichkeit einer kompletten Absage. Den Rathaussturm betreffe das nicht. „Wir werden am 11. 11. wenigstens an die Rathaustür klopfen, nicht unbedingt hineinstürmen. Aber wir werden den Bürgermeister schon ein bisschen ärgern und ihn mit einer frechen Rede auf die Schippe nehmen.“

„Im Moment überschlägt sich alles“, formuliert es Maik Pöhl, Vorsitzender des Carnevalsclubs in Uder. Alles sei in der Schwebe. In Uder habe man sich von der Vorstellung einer Veranstaltung drinnen verabschiedet. „Wir sehen da eher eine Art Straßenkarneval, keinen Umzug. Dann können die Leute von Weitem schauen. Wir werfen die Flinte noch nicht ins Korn.“ Auch der Rathaussturm sei nicht unmöglich. „Wir warten ab. Es sind ja noch vier Wochen und wir brauchen da nur eine Vorlaufzeit von einer Woche. Wir machen das alles im Ermessen der aktuellen Situation.“

Corona-Lage im Eichsfeld: 15 Neuinfektionen – Etwa 500 Personen in Quarantäne