Wiener Walzer und Kaiserschmarrn beim Ball in Heiligenstadt

Heiligenstadt  500 Gäste feiern einen rauschenden Sommernachtsball am Vitalpark in Heiligenstadt und wissen nun auch, was Barockschnecken sind.

Bei schönem Sommerwetter tanzten 500 Eichsfelder und Gäste teils aus Berlin beim Sommernachtsball am Vitalpark in Heiligenstadt. Es spielte das Ballorchester Julia Graeber.

Bei schönem Sommerwetter tanzten 500 Eichsfelder und Gäste teils aus Berlin beim Sommernachtsball am Vitalpark in Heiligenstadt. Es spielte das Ballorchester Julia Graeber.

Foto: Eckhard Jüngel

Gäste, die am Samstagabend eilenden Schrittes die Treppen hinunter zum Ballgelände strebten, wurden zuerst einmal entschleunigt. „Gemach, Gemach“, sagte der Herr mit Barockperücke, rotem Frack, Schnabelschuhen und einem Schneckenhaus als Anhängsel. „Wir haben alle Zeit der Welt.“ Selbst dieser Satz wurde in absoluter Ruhe vorgebracht. Und schon hatten die Tanzwütigen ein strahlendes Lächeln im Gesicht. Vor allem, als die Barockschnecken-Dame im grünen Kostüm dazu noch huldvoll den Kopf neigte.

Art Tremondo aus Hannover waren es, die Samstag beim 5. Sommernachtsball der Stadt Heiligenstadt für ein echtes Bonbon der Unterhaltung sorgten. Und als das Ballorchester Julia Graeber in Dirndln (die Damen natürlich) auf die Bühne kam, um die Geigen in die Hand zu nehmen, war endgültig klar, dass dieser Sommernachtsball ganz im Zeichen Wiens stehen würde. Eine wunderbare weiße Kutsche neben der Bühne symbolisierte einen Fiaker, auf der Speisekarte fanden sich Alpenkräutersalat mit Bergkäse und Kaiserschmarrn mit Apfelmus. Der nagelneue Tanzboden vor der Bühne seinerseits lud förmlich ein, im Dreivierteltakt dahinzuwirbeln.

„Schön, dass ich es mit so etwas wie hier zu tun haben darf“, sagte Bürgermeister Thomas Spielmann (BI) mit einem strahlenden Lächeln, als er die Gäste begrüßte. Und angesichts der voll besetzten Tisch freute er sich besonders, dass dieser Ball inzwischen eine solche Akzeptanz gefunden habe. Kurz fragte er ab, wer denn nicht aus Heiligenstadt und den Ortsteilen käme. Fast dreiviertel der Hände waren oben. Für Spielmann ein Zeichen, dass der Ball inzwischen überregional ausstrahlt.

Zum Beispiel auf einen Herrn aus Leinefelde. Er war in einem wunderbaren maßgeschneiderten Frack erschienen, mit weißem gestärkten Hemd und weißem Binder. Das beeindruckte selbst Moderator Heiko Len­decke in seinem nicht minder wie angegossen sitzenden Smoking so, dass er den Herrn sofort auf die Bühne holte und zerknirscht zugab, das kleidungstechnisch bei ihm selbst „noch Luft nach oben“ sei. Einige Damen trugen wunderbare Ballkleider, die Herren die dazu passenden Anzüge. Ein Herr, so meinte Spielmann, sei eigentlich recht schnell angezogen: Hemd, Fliege, Anzug und ein paar Schuhe. Gerhard Hartung dagegen bringe immer vier Paar Schuhe mit und ziehe dann das an, das zum Tanzboden passe. Und den probierte der Standardtänzer mit seiner Partnerin Kerstin sofort aus. Genau wie die Gäste. Kaum erklangen mit Que Sera die ersten Takte und der erste Walzer des Abends, stürmten die Gäste besagten nagelneuen Tanzboden vor der Bühne.

Der wurde den ganzen Abend nicht leer. Von Walzer über Foxtrott bis zum Cha Cha Cha durften die Gäste nach Herzenslust tanzen. Natürlich boten die Hartungs genau wie Malte Reinstein und Galina Menzel Einblicke in den Tanzsport. Bis Mitternacht genossen die Gäste eine wunderbare Ballnacht bei angenehmen Temperaturen – nicht zu heiß und nicht zu kalt – und ließen sich mit Cocktails, guten Weinen und wunderbarer Musik trefflich verwöhnen.

Zu den Kommentaren