140 Menschen in Erfurter Impfzentren zum Start geimpft

Erfurt.  Nachdem die Schutzimpfungen in Pflegeheimen und Krankenhäusern in Thüringen bereits seit zwei Wochen laufen, haben am Mittwoch auch die ersten Impfzentren den Betrieb aufgenommen - so auch in Erfurt.

Start am Impfzentrum des Helios-Klinikum in Erfurt: Als erster Impfling bekam Erika Burgdorff (83) aus Ellrich den Impfstoff gegen Covid-19 von Biontech gespritzt.

Start am Impfzentrum des Helios-Klinikum in Erfurt: Als erster Impfling bekam Erika Burgdorff (83) aus Ellrich den Impfstoff gegen Covid-19 von Biontech gespritzt.

Foto: Marco Schmidt

„Ich denke, das wird ein schöner Tag.“ Eivy Franke-Beckmann sagt diesen Satz voller Überzeugung. Die Kinderärztin hat die erste Schicht in einer der beiden Impfstellen Erfurts übernommen, die seit Mittwoch, 14 Uhr, in Betrieb sind. Vor der Mensa auf dem Heliosgelände warten die ersten Patienten. Die andere Impfstelle befindet sich in der Krankenpflegeschule (Haarbergstraße 70), ein Gebäude neben dem Katholischen Krankenhaus. „Viele Patienten kommen in das KKH an den zentralen Empfang, aber wir betreiben nicht die Impfstelle und vergeben keine Impftermine“, betont KKH-Sprecherin Julia Erdmann. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog

Zuständig für die Impfzentren in Thüringen ist die Kassenärztliche Vereinigung (KV). Die Erfurter Ärzte Norbert Daumann und Michael Sakriß organisieren die Stellen in Erfurt. „Etwa 150 Mediziner werden die Schichten übernehmen“, sagt Michael Sakriß. Für zwei Wochen im Voraus steht der Plan. In beiden Impfstellen wird eine Taktung von vier Minuten pro Impfung angenommen.

140 Impfungen am Tag

Ein Arzt und zwei medizinische Fachangestellte besetzen eine Schicht, hinzu kommt ein Helfer der Bundeswehr, ein Sicherheitsmitarbeiter und die Impfstellenmanagerin. Derzeit haben die Impfstellen von 14 bis 18 Uhr geöffnet, das ergibt 140 Impfungen am Tag. Das Tempo in den Impfstellen hänge vom Vorhandensein des Impfstoffes ab. Es könne jederzeit verdoppelt werden. „Wir vergeben so viele Termine, wie Impfdosen da sind.“ Die Vorräte würden vollständig ausgeschöpft, „keine Impfdosis überlebt lange“. Spätestens in drei Wochen, wenn die Wiederholungsimpfungen erfolgen, gibt es in den Impfzentren auch eine Vormittagsbesetzung.

Die erste Bürgerin, die in der Impfstelle in der Mensa des Helios die lebenswichtige Dosis erhält, ist Erika Burgdorff. Sie ist mit ihrem Sohn aus Ellrich in Nordthüringen angereist. „Ich war aufgeregt, nicht wegen der Spritze, sondern wie ich es vertrage“, sagt die 83-Jährige, während sie die erforderlichen 15 Minuten nach der Impfung noch wartet. Es geht ihr gut, sie wirkt erleichtert.

Oberbürgermeister Andreas Bausewein kündigte an, dass alle Erfurter ab 80 Jahre in den nächsten Tagen per Post Hinweise zu den Impfungen, zu Formularen, zur Terminvereinbarung und zu Ansprechpartnern erhalten würden. „Viele melden sich bei der Hotline und wissen nicht, wie sie sich anmelden sollen“, begründet Andreas Bausewein. In sieben größeren Heimen haben bereits 1765 Bewohner und Pflegekräfte den Schutz erhalten.

Große Hoffnungen an Impfungen geknüpft

Jürgen Franke ist 82 Jahre alt, auch er erhielt am Mittwochabend seine Impfung in dem Impfzentrum. Der frühere Chefarzt der Orthopädie wurde von seiner Tochter geimpft, er hatte den Termin über die zentrale Vergabestelle erhalten - ein Grund mehr für Eivy Franke-Beckmann, sich in diese erste Schicht einzutragen. „Seit November fragte er fast täglich ‚wann werde ich geimpft?‘, nun ist es endlich soweit. Er steckt große Hoffnung in die Impfung, denn ein normaler Alltag, in dem man unbeschwert Familie und Freunde sehen kann, war nicht mehr möglich“, erzählt die Kinderärztin.

Sie hat ihr Team mitgebracht, man ist eingespielt. Im Impfzentrum weisen zahlreiche Schilder den Weg. Ein flotter Ablauf ist notwendig. „Es ist wichtig, dass sich die Menschen vorab mit der Impfung und dem Aufklärungsblatt beschäftigen“, sagt Norbert Daumann.

„Impfen ist eine der schönsten Arbeiten für mich, weil ich weiß, wie sehr ich damit den Menschen helfe“, sagt Eivy Franke-Beckmann und geht zum nächsten Patienten.