Alperstedts neuer Bürgermeister will mit Beharrlichkeit zum Ziel

Hartmut Schwarz
| Lesedauer: 5 Minuten
Torsten Richardt, der neue Bürgermeister Alperstedts, hat es sich zum Ziel gesetzt, die Ruine des Freizeit-Hotels während seiner Amtszeit zu beseitigen.

Torsten Richardt, der neue Bürgermeister Alperstedts, hat es sich zum Ziel gesetzt, die Ruine des Freizeit-Hotels während seiner Amtszeit zu beseitigen.

Foto: Hartmut Schwarz

Alperstedt.  Torsten Richardt nimmt als neuer Alperstedter Bürgermeister erneut Anlauf, um die Ruinen im Ort zu beseitigen

Fast schien es so, dass sich die Lücke nicht schließen lässt, die Peter Hehne hinterlassen hat. Als der langjährige Bürgermeister ankündigte, nicht mehr antreten zu wollen, gab es niemanden im Ort, der sich zutraute in diese großen Fußstapfen zu treten. Für viele ließ sich das Ehrenamt nicht mit dem Beruf und dem Privatleben vereinen – lange Zeit war nicht klar, welcher Name im Mai auf dem Wahlzettel stehen sollte.

Bis Torsten Richardt dann seinen Hut in den Ring warf. Erst seit 2019 im Gemeinderat, nahm er die Herausforderung an. Erst kurz vor der Wahl fand sich ein zweiter Kandidat. Richardt erhielt 278 Stimmen, die Mehrheit der Alperstedter stimmte für ihn. Seit dem 12. Juni ist er als Nachfolger von Peter Hehne im Amt bestätigt.

Beruf und Ehrenamt lassen sich bei Torsten Richardt sehr gut vereinen. Denn sein Arbeitsplatz als Instandsetzungsmechaniker ist bei einem Unternehmen im Ort. Für die Alperstedter ist er damit jederzeit erreichbar, ansprechbar auch außerhalb seiner wöchentlichen Sprechstunde (dienstags von 17 bis 18 Uhr) in der Gemeindeverwaltung. Seit 1992 wohnt der gebürtige Erfurter bereits in Alperstedt.

Die Eigentümer haben kein Interesse, den Zustand zu verändern

Unmittelbar nach der Wende habe ihn sein Hobby, der Seesport, nach Alperstedt geführt. Seitdem trainierte er im Ort auch die Kinder- und Jugendmannschaft des Sportvereins, engagiert sich in der Freiwilligen Feuerwehr. Dass ab 2011 kein Personal mehr für eine eigene Fußballmannschaft zu finden war, konnte aber auch nicht verhindern. Den Fußballplatz danach zu einem Sportplatz der Generationen zu machen, sei deshalb eine Entscheidung gewesen, die er voll unterstützt.

Am Kurs seines Vorgängers will er unbedingt festhalten, er wagt sich sogar an Probleme, an denen schon mehrere Bürgermeister vor ihm verzweifelten. Die beiden großen Ruinen im Ort, das ehemalige Volksgut und der abgebrochene Hotelbau hinter dem Sportplatz, will er in seiner Amtszeit zu den Akten legen.

Er setzt dabei auf seine Beharrlichkeit und auf die Rückendeckung des Gemeinderates. Derzeit studiere er die Unterlagen der beiden Probleme. Fest steht für ihn, den jetzigen Zustand werde er nicht akzeptieren. Zwei Ruinen im Ort sind zwei zu viel! Denn der gestaltet sich in einem ruinösen Dauerzustand, weil der Eigentümer er beiden Immobilien kein Interesse daran hat, am Zustand etwas verändern. Beide Grundstücke wurden nach der Wende von der Victors-Gruppe erworben, beide Bauvorhaben wurden wieder gestoppt, als sich herausstellte, dass sie sich nicht rentieren werden.

Das Hotel am Ortsrand sollte ein Domizil für die Besucher der Erholungsregion am Alperstedter See werden. 1996 wurde die Baugenehmigung erteilt, das Fundament stand, die erste Etage wuchs in die Höhe, 2001 wurde die Baustelle wieder gestoppt. Weil sich herausstellte, dass es noch bis ins Jahr 2044 dauern wird, bis die Fläche vor dem Ort ausgekiest, bis der See unmittelbar vor der Haustür liegen würde. Zu lange für die Investoren.

Seitdem liegt die Ruine brach, wird von den Eigentümern als „strategische Reserve“ betrachtet. Alle Versuche einer anderen Nutzung scheiterten. Die Gemeinde habe versucht, den Komplex als Seniorenresidenz vollenden zu lassen – von der Regionalplanung wurde dies abgelehnt – ohne Alternativen.

Alperstedter Seite des Sees ist mittlerweile einen Besuch wert

Dies will Richardt so nicht akzeptieren. Auch nicht die Volksgut-Brache mitten im Ort – ungenutzte 70.000 Quadratmeter mit viel Platz für Infrastruktur. Deshalb will er alles daran setzen, mit den Beteiligten wieder ins Gespräch zu kommen, ein Konzept abzustimmen. Richardt: „Es muss einen Weg geben, da wieder herauszufinden!“ Dies gelte auch für die Zusammenarbeit mit der Landeshauptstadt, mit der die Gemeinde über eine immer brüchiger werdende Straße verbunden ist. Der Übergang zum Landkreis Sömmerda sei auf dieser auch ohne Beschilderung deutlicherkennbar.

Vorstöße in Richtung Erfurt für die Instandsetzung auf ihrem Hoheitsgebiet zu sorgen, wurden mit der Begründung abgelehnt, dass die Straße „keine erhöhte Priorität“ habe. Dass die Straße auch von Kiestransportern für Baustellen in der Stadt genutzt werden und dass die Erfurter oft und gerne den Strand des Alperstedter Sees aufsuchen, werde in Erfurt nicht erkannt.

Auch nicht vor dem Hintergrund, dass der See immer attraktiver wird. Denn inzwischen gibt es nicht nur auf der Nödaer Gemarkung des Sees Freizeitangebote – seit einiger Zeit ist der Alperstedter See auch auf der Alperstedter Seite einen Besuch wert. Am Nordufer hatte in diesem Sommer erstmals der „Blue Beach Club“ geöffnet.

Dran bleiben will der neue Bürgermeister auch am 24-Stunden-Laden. Nachdem ein erster Anlauf gescheitert ist, soll ein zweiter folgen. Platz dafür gibt es schon – im Bereich der alten Bushaltestelle.