Basketball: Kopfloser Auftritt der Erfurter Löwen

Erfurt  Dank Schützenhilfe waren die Basketball-Löwen Erfurt schon vor dem Heimspiel gegen Elchingen, das sie 65:78 verloren, für die Playoffs qualifiziert.

Scharfschütze vom Dienst: Maximilian Kuhle (am Ball) war mit 20 Punkten Erfurts erfolgreichster Korbjäger und traf alle seine fünf Distanzwürfe. Foto:

Scharfschütze vom Dienst: Maximilian Kuhle (am Ball) war mit 20 Punkten Erfurts erfolgreichster Korbjäger und traf alle seine fünf Distanzwürfe. Foto:

Foto: zgt

Eine Hiobsbotschaft mussten die Basketball-Löwen Erfurt schon vor ihrem letzten Heimspiel der Hauptrunde der Pro B Süd gegen Elchingen verkraften: Ihr Spielmacher und Topscorer David Taylor hatte sich im Training am Fuß verletzt und musste sich das Duell von der Bank aus anschauen. Zumindest wusste Erfurts Point Guard, dass er sich dort recht stressfrei niederlassen konnte, denn Spitzenreiter Leverkusen hatte tags zuvor mit einem klaren Sieg Coburg, den letzte verbleibenden Konkurrenten der Löwen, eliminiert und den Erfurtern das Playoff-Ticket gesichert.

Der für Taylor in die Starting Five beorderte Lucas Wobst brauchte keine drei Minuten, um seine erste Duftmarke zu hinterlassen: Freistehend netzte er von der Dreierlinie zum 6:3 ein. Sonst aber ließen sich beide Teams kaum Platz zum Atmen, verhinderten mit intensiver Defense ein munteres Punktesammeln. Am ehesten glitt das orangene Spielgerät nach Schnellangriffen durch die Reuse. Mit seinem zweiten Dreier und seinen Punkten sechs bis acht besorgte Wobst, in den Augen von Löwen-Manager Wolfgang Heyder eines der größten Talente der Liga, die 13:9-Führung (8.). Nach einem ebenso kämpferischen wie fehlerhaften ersten Viertel führten die Erfurter knapp mit 15:13.

Zu Beginn des zweiten Abschnitts waren die Elchinger aus der Distanz einige Male erfolgreich. Doch mit schnellem Zug zum Korb und guter Ballbewegung hielten die Gastgeber ihre Führung. Nun punkteten vor allem Oliver Pahnke und Lorenz Schiller. Insgesamt waren beide Teams in der Verteidigung jetzt nicht mehr so aufmerksam, weshalb der Punktestand nach oben schnellte (29:26, 16.). Es wurde aber ersichtlich, dass den Erfurtern mit Ausnahme von Routinier Robert Franklin die Ruhe im Spielaufbau fehlte. Defensiv hatte besonders Tobias Bode auf Erfurter Seite Probleme, die beweglichen und wurfstarken „Big Men“ der Gäste zu verteidigen. Zwar führten die Löwen zur Halbzeit mit 37:34, doch ihr an beiden Enden des Feldes bisweilen zu körperloses Auftreten dürfte ihrem Coach Florian Gut ein Dorn im Auge gewesen sein.

Desaströses drittes Viertel der Löwen entscheidend

Als Erfurts Scharfschütze Maximilian Kuhle die zweite Halbzeit mit zwei Dreiern eröffnete, schien sein Team beim 43:34 auf einem guten Weg. Doch dessen anschließende offensiv überhastet-ideenlose und defensiv schlafmützige Phase bestraften die Gäste brutal: Binnen vier Minuten drehten sie mit einem 17:1-Lauf, darunter drei Dreier von Marin Petric, das Spiel zum 51:44. Die deutlichen Worte von Trainer Gut bei der dringend notwendigen Auszeit konnte nicht mal der Hallensprecher übertönen.

Immer wieder schafften es die Schwaben, sich an der Dreierlinie freizulaufen und von dort hochprozentig zu vollenden. Vorn machte sich bei den Löwen die mangelnde Bewegung abseits des Ballführenden negativ bemerkbar. So wurde das dank Kuhle so gut gestartete dritte Viertel zur Erfurter Horrorshow: Mit 33:13 entschieden die Gäste jenes letztlich für sich und führten vor den zehn Schlussminuten deutlich mit 67:50. Kuhle – wer sonst – setzte mit einem Vierpunktspiel kurz vor der dritten Sirene zumindest noch mal ein Erfurter Achtungszeichen. Doch angesichts der Auflösungserscheinungen seines Teams schien das Loch, in das sie sich geschaufelt hatten, zu groß zu sein.

So war es dann auch. Die letzten zehn Minuten verkamen zum Schaulaufen. Die enttäuschten Mannen in Weiß stolperten dem Ziel entgegen, die in Blau, vor allem im Reboundkampf mit fortlaufender Spieldauer immer deutlicher überlegen, konnten ihre Führung zwischenzeitlich unbehelligt ausbauen. Die Löwenfans hätten sich sicher ein besseres Spiel ihrer Mannschaft gewünscht, doch sie unterstützten gewohnt zahlreich und vom Geschehen auf dem Parkett unerschüttert ihr Team. Das offenbarte die nicht neue Erkenntnis: Seine drei Besten – Taylor, Franklin und Kuhle – sind unverzichtbar. Fehlt einer des Trios, wie in dem Fall David Taylor, ist es für die Löwen fast unmöglich, ein Spiel zu gewinnen.

Das zeigte sich an diesem bitteren Sonntag in der Riethsporthalle, der mit einer 65:78-Niederlage der Löwen endete. Und es dürfte in den trotzdem erreichten Playoffs umso mehr gelten.

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