Brutalität in der Nachbarschaft

Christina Klauke über Simone Schmollacks Buch

Bibliotheksmitarbeiterin Erfurt Christina KlaukeFoto für Erfurt liest

Bibliotheksmitarbeiterin Erfurt Christina KlaukeFoto für Erfurt liest

Foto: Klauke

Ein verstörendes Sachbuch liegt vor mir, bei dem es schwerfällt, ohne angemessene Pausen darin zu lesen. Jedoch sollte vor der hier geschilderten Problematik niemand die Augen verschließen. Aktuell triggert das Zurückgeworfensein auf das Familiäre die häusliche Gewalt und solche Fälle stehen mehr denn je im öffentlichen Fokus.

Autorin Simone Schmollack macht seit langem die Themen Familie, Soziales, Genderpolitik zu Schwerpunkten ihrer Arbeit. „Und er wird es wieder tun“ liefert authentische Berichte, natürlich anonymisiert. Es soll nicht den Voyeurismus bedienen, sondern denen helfen, die in ihrer unerträglichen Lage verharren aus Furcht vor Rache, übler Nachrede und sozialem Abstieg. Es soll die Menschen im Umfeld darüber aufklären, dass es sie sehr wohl etwas angeht, wenn neben ihnen Brutalität und Grausamkeit im Gange ist. Rechtfertigungen und Verharmlosungen der Taten verschaffen Straftätern den Freiraum zum Quälen von Partnerinnen, Partnern, Kindern, Eltern. Nicht selten führt die Ausübung von Gewalt zu schwersten Schäden, oft auch zum Tode. Die Notwendigkeit von Prävention und Therapie wird in diesem Sachbuch glaubhaft gemacht. Eine Schadensbegrenzung allein z.B. durch polizeiliches Eingreifen reicht bei weitem nicht aus.

Vor allem die seelische Grausamkeit wird leider viel zu oft nicht als Unrecht im strafrechtlichen Sinne angesehen.

Christina Klauke ist Bibliothekspädagogin in der Stadtbibliothek Erfurt und empfiehlt „Und er wird es wieder tun: Gewalt in der Partnerschaft“.