Container-Terminal in Erfurt: Erweiterungspläne im Umschlagbahnhof

Azmannsdorf  Der Betreiber des Containerumschlagbahnhofs im GVZ möchte ein zweites Modul bauen. Dazu braucht er viel Geduld.

Duss-Geschäftsführer Hans Pieper (l.) und Matthias Asse, der Betriebsleiter im Umschlagbahnhof im Güterverkehrszentrum, in dem täglich die Fracht von 150 Lkw umgeschlagen wird.

Duss-Geschäftsführer Hans Pieper (l.) und Matthias Asse, der Betriebsleiter im Umschlagbahnhof im Güterverkehrszentrum, in dem täglich die Fracht von 150 Lkw umgeschlagen wird.

Foto: Michael Keller

JWD steht im Volksmund als Kürzel für „Janz weit draußen“. JWD liegt auch Erfurts Container-Terminal. Am Ende der August-Borsig-Straße im Güterverkehrszentrum in der Gemarkung Azmannsdorf. Kaum zu erahnen, kaum zu entdecken. Ideal, um Fracht in Containern von der Straße auf die Schiene oder umgekehrt zu verladen. Der Markenkern des Ganzen. In Zeiten der Klimadiskussion kann das nur gut sein.

Betrieben wird das 500 Meter lange und 50 Meter breite Modul durch eine 75-prozentige Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn, die Deutsche Umschlaggesellschaft Schiene Straße, kurz Duss genannt. Hans Pieper, der Geschäftsführer von Duss, war in dieser Woche in die thüringische Landeshauptstadt geeilt, um die neuesten Erweiterungspläne für ein zweites Umschlagmodul vorzustellen.

Bund hat Finanzierung bereits zugesichert

Die Duss betreibt deutschlandweit mit 620 Mitarbeitern 25 dieser Terminals. 2,2 Millionen Einheiten werden per anno umgeschlagen. Einheiten nennt Hans Pieper alles, was sich von einem Lkw trennen lässt. Erfurts Terminal ist eher klein zu nennen, was schon die Mitarbeiterzahl von acht erkennen lässt. Mehr sind auch nicht nötig. Denn es gibt hier nur zwei Kräne. Doch die sind, bei aller Bescheidenheit, ein wichtiges Detail im allgemeinen Bemühen, den Lkw-Verkehr wenigsten teilweise von der Straße zu holen.

Aber ganz ohne Lkw geht es halt nicht. Vorlauf und Nachlauf heißt das im Fachdeutsch. Gemeint ist der Transport vom Kunden zum Terminal bzw. der Transport vom Terminal am Zielort zum Kunden hin. Dazwischen liegt der so genannte Hauptlauf auf der Schiene. Länge: 300 Kilometer und mehr. Ein reizvolles Angebot für nicht wenige Unternehmen. Dennoch: In den letzten 20 Jahren habe der Lkw-Verkehr überproportional zur Schiene zugenommen, sagt Pieper. Aber die Duss hole allein mit ihrem Erfurter Terminal im Jahr rund 30.000 Lkw von der Straße auf das Bahn-Netz. 150 Lkw werden pro Tag abgefertigt. Von Montag bis Samstag. Tendenz steigend.

Um wirtschaftlich zu arbeiten, müsse man Züge von 600 bis 700 Meter Länge zusammenstellen. Alles andere mache keinen Sinn, damit sei man zu den Lkw-Spediteuren sonst nicht konkurrenzfähig, so der Geschäftsführer. Das Erfurter Terminal bündelt seit April 1999 den Lkw- und Zugverkehr.

Ikea und Panasonic sind die größten Kunden. Von Erfurt aus laufen die Frachtfäden zu den deutschen Seehäfen oder in die andere Richtung. In Basel baut Ikea z.B. eine Hauptumschlagbasis. „Sieben von neun Billy-Regalen in Schweizer Wohnzimmern haben dann künftig mal im Ikea-Lager in Erfurt gestanden“, sagt Pieper.

Im GVZ hat Duss inzwischen einen zweiten Kran in Betrieb genommen. Das Aufkommen ist kontinuierlich gewachsen. Mit Folgen. „Wir brauchen mehr Abstellfläche, deswegen wird ab Oktober die Kranlaufbahn um 100 Meter verlängert. Hin zu Flächen, die künftig zur Zwischenlagerung der Container genutzt werden sollen.

Noch viel wichtiger ist aus Sicht der Duss aber ein zweites Umschlagmodul. Es soll neben das erste gebaut werden, es sozusagen spiegeln. Und das so schnell als möglich. Soll heißen, wenn alle Genehmigungen da sind. Das aber kann dauern.

Pieper richtet sich auf fünf, vielleicht auch sechs Jahre Geduld ein. Alle rechtlichen Verfahren müssen erst durchlaufen werden. Es gäbe, so verrät er, in Deutschland solche Projekte, die 15 Jahre auf die Baugenehmigung warten. Einsprüche in alle Richtungen sorgen nicht selten für Verzögerungen. Von Anrainern, Umweltschützern. Alles müsse akribisch geprüft werden. Das ziehe oft die Verfahren so in die Länge. Gebaut ist es dann schnell. Ein Jahr reicht.

Die Finanzierungszusage des Bundes für das zweite Modul liegt wenigstens schon vor. Kostenpunkt: 20 bis 30 Millionen Euro. Zum Vergleich: das erste Modul hatte 1999 rund 35 Millionen gekostet. D-Mark damals, wohlgemerkt.

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