Den Schuss nicht gehört

Michael Keller über Relevantes und Überflüssiges.

Michael Keller

Michael Keller

Foto: Marco Schmidt

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Der deutsche Nationaltorwart Marc-André ter Stegen hat eine Gehaltserhöhung seines Vereins FC Barcelona um 6,5 Millionen Euro abgelehnt. Nicht auf, sondern um 6,5 Millionen Euro. Die Gründe: Er wollte Top-Verdiener hinter den Stürmerstars Messi, Suarez und Griezmann werden und es hat ihm übel aufgestoßen, dass der Klub mit anderen Akteuren mit deutlich weniger Einsatzzeit schon früher verlängert hat. Erste Diagnose: Der Mann hat den Schuss nicht gehört.

In einer Zeit, in der Menschen mit dem Tod ringen, Tausende verseucht und die Straßen menschenleer sind, Ärzte am Limit arbeiten und das staatliche Gesundheitssystem an sein Grenzen stößt – ter Stegen spielt Fußball. Er rettet keine Menschenleben, pflegt keine Todkranken, tut nichts fürs Gemeinwohl, spendet nichts. Wie andere Kollegen, etwa vom oft ungeliebten FC Bayern.

Fußball ist Volksbelustigung. Panem et Circensis, sagten die alten Römer. Brot und Spiele. Dieser Sportart, in ihrem Selbstverständnis nur auf Maximalprofit ausgerichtet, ist in dieser extremen Zeit nur eines zu wünschen, selbst als Fan, der Untergang. Reset. Um auf den Boden zurückzukommen. Ohne Millionen. Auf den Boden der Krankenschwestern, der Ärzte, der Pfleger, der Verkäuferinnen, der Handwerker, der Apotheker. Die allein, so zeigt sich, und das kann man selbst als trauernder Rot-Weiß-Fan nicht ansatzweise leugnen, sind wirklich systemrelevant.

Fußballer eher weniger.

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