Der Lack ist dran: Richtfest für das fliegende Klassenzimmer

Erfurt  Lange Nacht der Wissenschaften: Einblicke ins Druckhaus, moderne Medizintechnik und eine alte IL 18

Richtfest trotz strömenden Regens.

Richtfest trotz strömenden Regens.

Foto: Marco Schmidt

Der Umbau der IL 18 auf dem Flughafen im Projekt „Virtuelle Reise im fliegenden Klassenzimmer“ hat den Halbzeitstatus erreicht, freut sich Winfried Wehrstedt. Gestern wurde im Rahmen der Langen Nacht der Wissenschaften Richtfest gefeiert. Nicht etwa eine Glasflasche, sondern eine aus Gummi sollte gegen das Flugzeug geschleudert werden – um die neue Farbe nicht gleich zu beschädigen. Der Vorsitzende des Förderverein Spiel- und Freizeitplätze der Generationen, in dessen Regie das Passagierflugzeug umgebaut wird, nutzte die Gelegenheit vor allem zum Danke sagen an alle Helfer und Sponsoren.

„Die Außenhaut ist fertig“, sagt Wehrstedt, hergerichtet in den Originalfarben wie zu jenen Zeiten, als die IL 18 noch im Dienst der Interflug stand. Betriebe aus der Landesinnung der Maler hatten ihre Lehrlinge entsandt, um mit der Firma Brillux den neuen Lack aufzutragen. Zuvor waren es Azubis der Bystronic Maschinenbau aus Gotha und von Schuler Pressen aus Erfurt, die erst alle Reste der Vorgängerfarbe und Rost entfernt haben. Eine Praxiserfahrung, die alle Beteiligten begeistert habe, so Wehrstedt. Und: alle wollen weitermachen und mitwirken an dem Projekt. 285.000 Euro sind bislang in das Vorhaben investiert worden, einen ungewöhnlichen Lernort in dem Passagierflugzeug zu gestalten. Drei Ingenieurbüros sind mit der Innengestaltung betraut, die sich jetzt anschließen wird. Zwei Masterstudenten der Bauhaus-Uni Weimar haben über dieses Thema ihre Arbeiten verfasst. Wehrstedt will aus den Arbeiten des Schweizer Studenten und einer libanesischen Studentin vor allem Anregungen schöpfen. Gänzlich realisieren ließe sich die Fülle an Ideen nur mit Millionenaufwand.

Wehrstedt liegen einige Zusagen vor, doch es würden noch weitere Sponsoren gesucht. Hilfen aus der Staatskanzlei und dem Sozialministerium hat es schon gegeben, ausgerechnet aus dem Kultusministerium, wo es doch um Lernen und Bildung geht, bislang noch nicht, wundert sich der Initiator des IL18-Umbaus.

Eigentlich hätte das Projekt schon weiter sein sollen, gesteht Wehrstedt ein, doch wie bei einem Altbau gebe es auch bei einem alten Flugzeug die eine oder andere Überraschung, die sich erst im Bauverlauf zeige. Weil das Flugzeug früher als Gaststätte genutzt wurde, sei einiges an Technik ausgebaut worden, was fürs Klassenzimmer aber wichtig sei. „Und alte Bauteile sind schwer zu finden“, sagt Wehrstedt, der einst Lehrer war und später Gesundheitsprojekte realisiert hat. „Bis Jahresende 2020 wollen wir das Vorhaben abschließen“, sagt er – mit Optimismus werde das schon klappen.

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