Erfurt verärgert über Landesvorgaben: „Der schwarze Peter liegt gänzlich bei uns“

Erfurt.  Im Erfurter Rathaus besteht Verärgerung über die „schwammigen“ Corona-Bestimmungen des Landes im Kulturbereich.

Kulturbeigeordneter Tobias J. Knoblich zeigte sich am Mittwoch enttäuscht und ratlos.

Kulturbeigeordneter Tobias J. Knoblich zeigte sich am Mittwoch enttäuscht und ratlos.

Foto: Marco Schmidt

Die drei Herren im Podium – Oberbürgermeister Andreas Bausewein, Kulturbeigeordneter Tobias Knoblich, Wirtschaftsbeigeordneter Steffen Linnert – sahen alles andere als zufrieden aus, als sie am Mittwoch im Rathausfestsaal darüber sprechen mussten, was ihnen die jüngste, seit Mittwoch gültige Thüringer Landesverordnung, aufgebürdet hatte. Alle aktuellen Entwicklungen im kostenlosen Corona-Liveblog.

Er sei „richtig enttäuscht und ratlos“, ließ Knoblich seinem Unmut freien Lauf. Man habe es sich beim Land einfach gemacht und die Verantwortung einfach den Kommunen zugeschoben.

„Der schwarze Peter liegt gänzlich bei uns“, so der Kulturbeigeordnete. „Schwammig und missverständlich formuliert“ sei das, was die Stadt zulassen dürfe und was nicht. Knoblich: „Wir eiern herum.“

Vor einer Woche noch habe man davon gesprochen, Veranstaltungen und Volksfeste bis 1000 Leute könnten zugelassen werden. Dieser Entscheidungsmaßstab wurde aber nicht in die nun gültige Verordnung übernommen. Nun heiße es, sie seien möglich, wenn sie die Corona-Pandemie nicht verbreiteten. Soll heißen, die Stadtverantwortlichen müssten entscheiden, ob man Veranstaltungen zulasse.

„Das ist keine Hilfestellung für uns“, so Knoblich. Der hart kritisierte, dass man Veranstaltungen anders betrachte als Demonstrationen. Er wolle das nicht so einfach stehen lassen, sondern die Staatskanzlei um „Interpretationshilfe“ bitten. Denn er verstehe nicht, wieso man den Kulturbereich so ausklammere.

Was bedeutet das in der praktischen Auslegung? Man kann und will in puncto Domstufenfestspiele und Sommertheater in der Barfüßerruine unter diesen Voraussetzungen noch nichts Verbindliches sagen.

„Wir werden bis Ende des Monats mit einer Entscheidung warten. Vielleicht gelingt es ja dem Land tatsächlich, die Verordnung im Kulturbereich zu schärfen und Einheitlichkeit herzustellen“, so Knoblich, der sich noch am gestrigen Morgen mit Generalintendant Guy Montavon getroffen hatte, um verschiedene Modelle für die Domstufenfestspiele durchzuspielen.

Einmal in Fahrt gekommen, schickte Knoblich auch Kritik in Richtung der Lobbyisten im Kulturbereich. Die seien nicht besonders stark. Die Kulturverbände müssten sich stärker Gehör verschaffen. „Wir sind allein gelassen, während die Landesregierung schwadroniert“, so der aufgebrachte Kulturbeigeordnete.

Die Domstufenfestspiele seien für Erfurt nicht allein in kultureller Hinsicht von großer Bedeutung, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht. Da hänge schließlich eine ganze Kette von Restaurants, Hotels und anderen Branchen dran.

Dämpfer für Hoffnung auf den Weihnachtsmarkt

Eine klare Aussage hatte der Kulturexperte aber trotz aller Verärgerung parat: „Volksfeste, Weinfeste, Stadtfeste und Großveranstaltungen, bei denen man die Einhaltung der Hygiene- und Abstandsvorschriften nicht kontrollieren könne, werden vorerst bis zum 31. August definitiv nicht stattfinden.“ Und heute auf einen Weihnachtsmarkt zu hoffen, so wie man ihn kenne, sei vergebliche Liebesmüh, dämpfte er dann jede Hoffnung bereits in Richtung Jahresende.

Sein Amtskollege Steffen Linnert hatte da etwas bessere Nachrichten im Gepäck. Ab kommenden Montag sind alle Freiluft-Sportanlagen wieder geöffnet. Dazu die Leichtathletikhalle, die Riethsporthalle, die Radrennbahn. Erfurts Schwimmhallen hingegen bleiben geschlossen, so Linnert. Der Erfurter Sportbetrieb habe ein Hygienekonzept erarbeitet. Im Detail heißt das: Keine Wettbewerbe, kleine Trainingsgruppen in den Freiluft-Sportanlagen, eingeschränktes Training für Kontaktsportarten, keine Nutzung von Umkleidekabinen und Nassbereichen. Bei den Vereinen sei Eigenverantwortung gefragt. Für Turnhallen werden abhängig von der Größe und Nutzung Trainingspläne erarbeitet. Schulsport habe auf jeden Fall Vorrang.