Im Corona-Lockdown: Deutlich mehr Erfurter Kinder in Notbetreuung als im Frühjahr

Erfurt  Hort- und Kitagebühren müssen voraussichtlich nicht gezahlt werden.

Über 3000 der knapp 10.000 Erfurter Kita-Kinder nutzen im Januar die Notbetreuung. Unser Foto zeigt einen Kindergarten in Jena.

Über 3000 der knapp 10.000 Erfurter Kita-Kinder nutzen im Januar die Notbetreuung. Unser Foto zeigt einen Kindergarten in Jena.

Foto: Jördis Bachmann

Deutlich mehr Erfurter Eltern als im vergangenen Frühjahr nutzen im Januar für ihre Kinder das Angebot der Notbetreuung in Kitas und Schulen. 1010 von 9600 Kindern der Klassenstufen 1 bis 6 werden laut Bildungsamtsleiter Werner Ungewiß in dieser Woche in den Schulen betreut. In der ersten Januarwoche waren es 820 Kinder. Beim ersten Corona-Lockdown kamen im April nur 160 Erst- bis Sechstklässler in die Notbetreuung. Im Mai waren es 480 Kinder.

Über 3000 Kinder besuchen weiterhin eine Erfurter Kita

Noch höher ist der Anteil von Kindern, die in Kitas notbetreut werden. Laut Jugendamt wurden in dieser Woche über 3000 Kinder in den 105 Erfurter Kitas umsorgt. Das bedeutet, dass fast jedes dritte Kind die Notbetreuung in Anspruch nimmt. Im Frühjahr waren es nicht mehr als 20 Prozent. Dabei unterscheidet sich die Belegung in den Kitas enorm. Die Notbetreuungsquoten in einzelnen Einrichtungen schwanken von 10 bis 67 Prozent, teilt eine Mitarbeiterin des Jugendamtes mit. Die Tendenz sei insgesamt steigend, da nach den Feiertagen auch Urlaubstage zu Ende gingen.

Betreuungsquoten sind in Ortsteilen und wohlhabenden Gegenden besonders hoch

Besonders in den Ortsteilen und in wohlhabenderen Stadtteilen seien die Betreuungsquoten hoch. In sozial schwächeren Quartieren würden vergleichsweise wenige Kinder betreut. Es sei aber sicher gestellt, dass alle Familien, in denen erzieherischer Bedarf festgestellt wurde, die Notbetreuung in Anspruch nehmen. „Überall da, wo eine Kindeswohlgefährdung im weitesten Sinne in Frage kommt, kommen die Kinder in die Kitas“, sagt die Mitarbeiterin.

Bausewein bedauert lasche Regelung für die Notbetreuung

Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) wiederholte seine Kritik an den großzügigen Regelungen des Landes, nach denen eine plausible Begründung für den Anspruch auf Notbetreuung ausreicht. Bausewein hatte sich für eine strengere Begrenzung auf essenzielle Berufe und Alleinerziehende ausgesprochen. „Ich kann alle Eltern verstehen, die ihre Kinder in die Notbetreuung geben“, sagte er. „Aber die Infektionszahlen sind dramatisch.“

Würden Infektionsketten nicht unterbrochen, drohe eine Verlängerung des aktuellen Lockdowns über die vorgezogenen Winterferien hinaus. „Was erzählen wir den Leuten, wenn die Zahlen Ende Januar nicht heruntergegangen sind?“, meinte Bausewein.

Rund 2000 Schüler von Abschlussklassen im Präsenzunterricht

Neben der Notbetreuung hat in dieser Woche auch der Präsenzunterricht der Abschlussklassen begonnen. Laut Amtsleiter Ungewiß werden in Gemeinschaftsschulen 317 Schüler, in Regelschulen 325 Schüler, in Gymnasien und Gesamtschulen 427 Schüler, in Förderzentren sieben Schüler und in berufsbildenden Schulen 890 Schüler unterrichtet. Werner Ungewiß weist darauf hin, dass die Schulen wegen der Notbetreuung und der Abschlussklassen quasi im Vollbetrieb fahren. Das betreffe neben den Lehrkräften auch den Schülertransport, die Mittagsversorgung und die Internate.

Land soll Hort- und Kitagebühren erlassen

Die Schulhorte seien jedoch geschlossen. Werner Ungewiß geht daher davon aus, dass die Eltern auch keine Hortgebühren bezahlen müssen und dass bereits abgebuchte Gebühren sukzessive zurückerstattet würden. Eine Bestätigung des Landtages stehe aber noch aus. Ähnliches erhofft die Sozialdezernentin Anke Hofmann-Domke (Linke) bei den Kita-Gebühren. Die Stadt könne zwar auch selbst die Initiative ergreifen. „Aber wir hoffen, dass der Freistaat wie im Frühjahr den Kommunen die Gebühren erstattet“, sagte sie.