Die Weisheiten der Pflanzen

Dagmar Hoffmann
Dagmar Hoffmann

Dagmar Hoffmann

Foto: Marco Schmidt / Archiv

Dagmar Hoffmann über das Buch „Geflochtenes Süßgras“.

Die Vereinten Nationen haben dieses Jahr die Dekade der indigenen Sprachen ausgerufen. Daran ist die Hoffnung geknüpft, die Bewahrung des Wortschatzes könnte einen Beitrag zur Erhaltung biologischer Artenvielfalt leisten. Wer mehr darüber wissen möchte, wie sich Wissenschaft und indigene Tradition befruchten können, sollte das Buch „Geflochtenes Süßgras“ von Robin Wall Kimmerer lesen.

Die Pflanzenökologin und Angehörige der Potawatomi-Gemeinschaft lehrt in New York Botanik und ist eine versierte Kennerin der Wild- und Nutzpflanzen Nordamerikas. Ihr Buch erzählt von der Weisheit der Pflanzen, die bereits lange vor den Menschen auf der Erde existierten und den eigennützigen Menschen die Schenkökonomie und eine Kultur der Dankbarkeit lehrten.

Wie indigene Sprachen Brückenbauer zwischen belebter und unbelebter Natur sein können, dafür findet die Autorin anschauliche Beispiele: Der Potawatomi-Ausdruck für eine Bucht, „wiikwegamaa“, bezeichnet die Tätigkeit des Wassers, sich zwischen den Ufern Schutz zu suchen.

In solch einer animistischen Welt wäre es nicht vorstellbar, Quecksilber als Industrieabfall in einen See zu leiten wie in einem Reservat geschehen.

Aus zahlreichen Einzelepisoden zum Schilf, dem Präriegras oder den drei Schwestern Mais, Bohne und Kürbis flicht Robin Wall Kimmerer einen Korb voller überraschender Erkenntnisse.

Dagmar Hoffmann ist Bibliothekarin an der Stadt- und Regionalbibliothek Erfurt. „Geflochtenes Süßgras“ von Robin Wall Kimmerer – ISBN 978-3-351-03873-1