Ende der Nomadenzeit für Weber-Kolleg in Erfurt

Erfurt  Für einen Neubau des Max-Weber-Kollegs an der Erfurter Universität wurde am Donnerstag der Spatenstich vollzogen

Spatenstich von Verantwortungsträgern aus Land, Stadt und Universität für das neue Forschungsgebäude des Max-Weber-Collegs.

Spatenstich von Verantwortungsträgern aus Land, Stadt und Universität für das neue Forschungsgebäude des Max-Weber-Collegs.

Foto: Michael Keller

„Ein Meilenstein für die Universität Erfurt“ sei es. Applaus. Beim obligatorischen Spatenstich von Vertretern des Freistaates, der Stadt und der Bildungseinrichtung gestern auf der grünen Wiese zwischen der Universitätsbibliothek und dem nagelneuen Kommunikations- und Informationszentrum auf dem Uni-Gelände herrschte allgemeine Zufriedenheit. Denn es wird ein geisteswissenschaftliches Forschungsgebäude für das Max-Weber-Kolleg und andere Forschungsgruppen gebaut, das, wenn man die Lobreden analysiert, an einigen anderen Universitäten schon zur Normalität gehört, in diesen Breiten aber immer noch etwas Besonderes darstellt.

Alte Baukostenrechnung ist längst überholt

Vor allem in Thüringens Landeshauptstadt. Bis Mitte des Buga-Jahres 2021 soll der einst mit zehn Millionen Euro geplante Bau bezugsfertig sein soll. Einst deswegen, weil die ersten Berechnungen aus dem Jahr 2014, als man zudem noch den Baukostenindex von 2012 zu Grunde legte, heute nur noch Makulatur sein dürften. Bei der allgemeinen Entwicklung auf dem Bausektor müsse man realistischerweise mit etwa 16 Millionen rechnen. Fünf hat der Bund schon vor fünf Jahren fest zugesagt. Fünf zahlt die Uni selber. Für die Mehrkosten will das Land teilweise eintreten. Was dann immer noch an offenen Posten übrig bleibt, geht ebenfalls zu Lasten der Erfurter Universität. In deren Regie wird – und auch das ist eine Besonderheit – der Bau errichtet. Das neue Gebäude – entworfen vom Architekturbüro Obermeyer aus München – soll auf 4000 Quadratmetern Nutzfläche 160 wissenschaftliche Arbeitsplätze aufnehmen.

„Es ist heute ein bisschen wie Weihnachten“, sagt Professor Hartmut Rosa, Direktor des Max-Weber-Kollegs für kultur- und sozialwissenschaftliche Studien an der Erfurter Uni. Sein Kolleg hatte schon lange gehofft, endlich sesshaft werden zu können. Viele Jahre war man als eine Art Nomade durch Erfurt gezogen: Lehrgebäude Am Hügel, Helios-Gebäude, Steinplatz.

Nun sehe er Licht am Ende des Tunnels, so Rosa, und „fünf Jahre Warten, Bangen und Hoffen haben ein Ende“. Dieser kleine symbolische Schritt – der Spatenstich – könne vielleicht ein großer für die Universität, das Kolleg, die gesamt Thüringer Forschungslandschaft werden, so seine Hoffnung. Hier würden ab 2021 viele Fäden zusammenlaufen. Am zentralen Ort, der die Qualität geisteswissenschaftlicher Arbeit und Zusammenarbeit auf eine neue Stufe heben werde. Der Bau solle ein ausstrahlendes Zentrum für Thüringen bis hin in internationale Gefilde werden.

Angelegt ist das Gebäude unter der Überschrift „Weltbeziehungen“ nach Vorstellungen des Architekturbüros Obermeyer nach der Idee einer Stadt – öffentliche und halböffentliche Plätze, private Rückzugsräume. Es gibt auf drei Etagen im äußeren Ring so genannte Denkzellen, die sich zur Mitte zu Räumen der Kommunikation wandeln. Im Mittelteil laden durchgängig große Freitreppen mit Sitzstufen zum Verweilen und zum Gedankenaustausch ein.

Erforscht werden soll in dem neuen Gebäude das Wesen der Weltbeziehungen und die Verbindungen untereinander, so Professor Rosa. Welche Verbindung gibt es zwischen Beherrschen und Gestalten, zwischen der dynamischen und aggressiven Moderne und den fernöstlichen Kulturen? Man wolle die Konsequenzen daraus für die Natur betrachten. Weltbilder indes sollen nicht erforscht werden. Er hoffe aber, so Rosa, „dass wir Kriterien entwickeln können, die auch eine weltpolitische Bedeutung haben“.

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