Erfurter Fußgängerbrücke hielt 43 Jahre durch: So verlief der Abriss

Erfurt.  In der Nacht zu Samstag fällt die Fußgängerbrücke am Schmidtstedter Knoten.

Fußgängerbrücke am Schmidtstedter Knoten in Erfurt fällt

Nach 43 Jahren wird die Brücke abgerissen. 1000 Tonnen Schott wurden beseitigt, bevor der Verkehr 6 Uhr früh wieder rollen konnte.

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1977 war ein ereignisreiches Jahr. In Deutschland tobt der RAF-Terror, Bokassa lässt sich zum Kaiser des Zentralafrikanischen Kaiserreiches krönen, Jimmy Carter wird 39. Präsident der USA. Und in Erfurt wird die damals noch dreiteilige und recht futuristisch anmutende Fußgängerbrücke am Schmidtstedter Knoten gebaut.

Der Teil, der über die Thälmannstraße führte, fiel schon vor Jahren im Zuge der Neubebauung. In der Nacht zum Samstag ging es auch der großen Brücke über die Stauffenbergallee an den Kragen. Ihr Zustand war angegriffen. Aber eine Sanierung wäre zu teuer geworden. 2016 beschloss der Stadtrat den Neubau eines „Promenadendecks“. Punkt 18 Uhr griff die Vollsperrung für den Verkehr unten und Fußgänger und Radfahrer oben.

Unverzüglich wurde ein dickes so genanntes Fallbett aus Sand und Kies aufgeschüttet, um herunterstürzende Betonteile aufzufangen und Schäden an der Fahrbahn zu vermeiden. Drei Kettenbagger fraßen sich Stück für Stück in den 43 Jahre alten Stahlbeton. Als einer gegen 23 Uhr eine der Brückenstützen anpackte, gab es einen lauten Knall und das Bauwerk stürzte mit viel Getöse in sich zusammen.

Schneller als gedacht war man am Ziel. Dann begann das große Aufräumen. 1000 Tonnen Schutt mussten abgefahren werden, damit am Montagmorgen um sechs Uhr der Verkehr wieder rollen kann. Altbeton wird in Beton und Stahl getrennt, geschreddert und recycelt. Die Brückensegmente über dem Flutgraben werden in dieser Woche Schritt für Schritt vorsichtig abgetragen. Man will verhindern, dass Betonbrocken ins Wasser stürzen.

Im März beginnt der Aufbau der neuen Brücke

Dann geht es im März 2021 weiter. Mit dem schrittweisen Einbau der von einer Firma in Hannover hergestellten Einzelteile für die neue, 440 Tonnen schwere und 105 Meter lange Stahlbrücke. „Sie wird damit zehn Meter länger und doppelt so breit wie die alte“, sagt Christian Gräner, Abteilungsleiter Straße/Brücke im Amt für Tiefbau und Verkehr. Für Barrierefreiheit werde gesorgt, in dem das Promenadendeck nur noch einen dreiprozentigen Anstieg statt wie bisher zehn Prozent aufweist. Zudem gibt es Sitzstufen zum Verweilen. Die neue Brücke wird mit sechs Metern höher als die nur 4,50 Meter hohe Vorgängerin.

Man habe vorsorglich mit eingerechnet, dass da, sollte es perspektivisch so kommen, eine Straßenbahn drunter durchpasst, so Gräner. Der auch darauf verweist, dass es seit 1990 die größte Einzelmaßnahme seines Amtes ist, die in Erfurt realisiert wird. Alles in allem werden für Abriss und Neubau 13,2 Millionen Euro ausgegeben.