Erfurt: Im Taumel der Melancholie

Erfurt  Galerie Rothamel zeigt Werke des Giebichenstein-Absolventen Nguyen Xuan Huy. Seine Figuren pendeln zwischen Ekstase und freiem Fall

Vor der Vernissage am Samstag richtet der Galerist Jörk Rothamel die Scheinwerfer aus, um die Ölbilder bestmöglich zu präsentieren. Vier von fünf Bildern der Serie „Waiting until Heaven is done“ bilden den Mittelpunkt der gleichnamigen Ausstellung.

Vor der Vernissage am Samstag richtet der Galerist Jörk Rothamel die Scheinwerfer aus, um die Ölbilder bestmöglich zu präsentieren. Vier von fünf Bildern der Serie „Waiting until Heaven is done“ bilden den Mittelpunkt der gleichnamigen Ausstellung.

Foto: Kathleen Kröger

Eine Nackte mit Smartphone und ein Adam mit Weinflasche sind nur die markantesten Details aus dem profanen Leben, die in den Bildern von Nguyen Xuan Huy auf den ersten Blick aus dem Raster fallen. Was der in Vietnam geborene Künstler in seiner neuen Ausstellung in der Galerie Rothamel zeigt, ist nicht nur eine Mischung der Motive, sondern auch deren stilistischer Umsetzung.

Kunstkundige können vor allem in der Serie „Waiting until Heaven is done“, zahlreiche Zitate anderer Epochen erkennen. So schweben in technisch eindrucksvoller Umsetzung Nackte durch eine nicht näher bestimmte Sphäre, wobei die Komposition der Figuren sowie deren Ausgestaltung einen direkten Bezug zu Michelangelo zeigen. Im Gegensatz zu den früheren Werken des seit 20 Jahren in Deutschland schaffenden Künstlers sind die Körper jedoch nicht deformiert, sondern selbstbezogen, entspannt und rebellieren nicht gegen das, was um sie herum und mit ihnen passiert.

„Es sind Bilder zwischen Einkaufen und Sex-Haben“

„Die Anatomie und die Körperlichkeit sind Dinge, die Huy seit seinem Studium an der Burg Giebichenstein interessiert haben. Dabei nutzt er sein malerisches Können, zieht die Körper in die Moderne und gibt ihnen ein Stück zeitgenössischen Alltag, sodass sie sich auch als Gesellschaftsbild interpretieren lassen“, wie Jörk Rothamel erklärt.

Die äußerst plastisch dargestellten Frauen scheinen in ihrer eigenen Welt zu taumeln und wirken von ihrer aufgeregten Umwelt vollkommen unbeeindruckt. Die Ekstase scheint mit dem Chaos um sie herum einherzugehen, wobei Huy sie teils frivol lächeln, teils entrückt auf Blickpunkte außerhalb der Ölbilder schauen lässt.

„Es sind Bilder zum Rätseln, aber eben auch zum Glotzen“, sagt Rothamel zu den teils eindeutigen und expliziten Posen. „Bemerkenswert ist dabei, dass Huy hier schöne Körper malt. In seinen früheren Bildern war er noch sehr geprägt von den Themen Kommunismus und Krieg, wodurch die Abgebildeten missgestaltet waren, was immer auch mit der mentalen Deformation der Menschen in Verbindung stand. Hier hat er eine ganz andere, hellere Bildsprache, die bisher auch stetig dichter, größer und komplexer wird“.

Als einzig wiederkehrendes Motiv finden sich immer wieder kugelförmige Gebilde, die je nach Interpretation als traumwandlerische Planeten oder einfach als einfache Bälle zu sehen sind. „Im Prinzip sind es Bilder zwischen Einkaufen und Sex-Haben“, wie Jörk Rothamel freihändig schildert.

„In der ganzen Melancholie, den kunsthistorischen Bezügen und den Metaphern steckt eben doch der große rationale Aspekt, der den Menschen ausmacht. Das wird von Huy hier intuitiv mit ins Spiel gebracht und reflektiert natürlich auch einen Alltag. Einerseits die schönen Frauen und andererseits eben auch Blumentöpfe und Smartphones. Die tiefere Erkenntnis kommt erst am Ende oder gar nicht“.

Auch der Ausstellungstitel des „Wartens, bis der Himmel fertig ist“ lässt ebenfalls offen, ob es sich dabei um die Vollendung oder die Zerstörung der höheren Sphäre handelt. Möglich bleibt beides. Auch, oder gerade weil Gott on der Schöpfergeste nur durch Abwesenheit glänzt.

Nach der Schau in Erfurt werden die Werke von Nguyen Xuan Huy auch in Südwestdeutschland und Anfang 2020 auch in Frankfurt am Main zu sehen sein.

Zur Vernissage am Samstag wird der Künstler anwesend sein. Parallel werden Werke von Grigori Dor präsentiert.

„Waiting until Heaven is done“, Galerie Rothamel, Vernissage: 14. Sept., 20 Uhr

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