Erfurter Ortsbürgermeister will sich an Blitzer ketten

Sulzer Siedlung  Ortsteilbürgermeister Peter Stampf kämpft für den Erhalt einer Blitzersäule. Die Landespolizei ist bei der Neubewertung der Standorte bisher skeptisch.

Peter Stampf kämpft für den Fortbestand der Tempoüberwachung in der Sulzer Siedlung. Foto: Marco Schmidt

Foto: Marco Schmidt

Die neue Strenge der Landespolizei bei der Bewertung von stationären Blitzern trifft in der Sulzer Siedlung auf wenig Verständnis. „Wenn sie uns den Blitzer wieder wegnehmen wollen, kette ich mich an“, droht der Ortsteilbürgermeister Peter Stampf.

Jahrelang hatte der Ortsteilrat für einen stationären Blitzer gekämpft. Im November 2015 wurde er installiert und sorgt seitdem dafür, dass in der Stotternheimer Straße deutlich weniger gerast wird. Die viel befahrene Hauptstraße führt zwischen City und Autobahn mitten durch die Siedlung hindurch.

Doch bleibt der Blitzer nach aktuellem Stand nur noch bis Ende November stehen. Für die Zeit danach muss das Bürgeramt den Betrieb der stationären Säulen im Stadtgebiet neu ausschreiben. Für die Standorte braucht es grünes Licht der Landespolizei – und das fehlt bisher für die Stotternheimer Straße.

Auch für die Talstraße, die Binderslebener Landstraße und den Juri-Gagarin-Ring hat es die Stadt noch nicht geschafft, die Landespolizei von der Notwendigkeit der dauerhaften Tempokontrolle zu überzeugen. Einvernehmen besteht hingegen über die Eugen-Richter-Straße, die Bunsenstraße, die Ortsdurchfahrt von Schmira und für die Häßlerstraße, die ab Dezember neu hinzukommen soll.

Hintergrund ist eine Neu-Formulierung der gesetzlichen Grundlage, die Standorte nun vor allem nach der Unfallhäufigkeit bewertet und anderen Aspekten wie der Unfallprävention weniger Gewicht einräumt. Peter Stampf fordert den Innenminister auf, die Formulierung erneut zu ändern und die Gefahrenabwehr mit in die Aufgaben der Blitzer aufzunehmen. Bei Staatssekretär Udo Götze hat Stampf bereits um ein Gespräch angefragt.

„Ich sehe nicht ein, dass erst schwere Unfälle passieren müssen, bevor wieder ein Blitzer aufgestellt wird“, betont der Ortsbürgermeister. Als Stadtrat der Freien Wähler wolle er sich zudem dafür einsetzen, dass auch die anderen infrage gestellten Standorte erhalten bleiben. „Die Eugen-Richter-Straße ist als Schulweg genehmigt, die Talstraße ist auch Schulweg und soll wegfallen – das ergibt doch keinen Sinn“, findet Stampf.

Für die Sulzer Siedlung verweist er auf die Zahlen, die Ordnungs-Dezernent Andreas Horn (CDU) unserer Zeitung bestätigt hatte: Vor dem Blitzer fuhren laut Testmessungen 47 Prozent der täglich rund 12.000 Fahrzeuge zu schnell. Seit die Säule steht, sind es vier Prozent. Als sie wegen Vandalismus vermeintlich, aber nicht tatsächlich ausfiel, gingen die Verstoßzahlen sofort wieder in die Höhe.

„Bei den Testmessungen vor dem Blitzer-Aufbau wurden bis zu 115 km/h gemessen“, sagt Stampf. „Der Blitzer trägt zur Sicherheit bei, und die Leute stehen dahinter.“

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