Erfurt im Visier von Autodieben: Diese Schutzmaßnahmen empfiehlt die Polizei

Erfurt.  Die Täter kommen nachts und haben es auf teure Autos mit „Keyless go“ abgesehen. Die Polizei sagt, wie sich Autobesitzer schützen können.

Bei „Keyless go“ muss der Schlüssel nur in der Nähe des Autos sein, um die Türen öffnen und den Motor starten zu können.

Bei „Keyless go“ muss der Schlüssel nur in der Nähe des Autos sein, um die Türen öffnen und den Motor starten zu können.

Foto: Uli Deck / dpa

Vermutlich bandenmäßig organisierte Autodiebe haben den Erfurter Süden zum Jagdrevier erklärt. Sie haben es besonders auf hochwertige Modelle mit einem schlüssellosen Zugangs- und Startsystem („Keyless go“) abgesehen. Die Polizei fordert Autobesitzer dringend auf, Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Wie Sprecherin Julia Neumann bestätigt, wurden im Schutzbereich der Erfurter Polizei in den letzten acht Wochen elf solcher Autos als gestohlen gemeldet. Zwei Modelle stahlen die Täter vom Verkaufsgelände eines Autohauses in Sömmerda. Neun Autos verschwanden im Erfurter Süden, wo sie teils an der Straße, mehrheitlich aber auf Grundstücken von Einfamilienhäusern abgestellt waren.

Das teuerste Modell kostete neu weit über 100.000 Euro. Der Verlust insgesamt belaufe sich auf 600.000 Euro, sagt die Polizeisprecherin.

Ein einziges Fahrzeug konnte in Frankfurt / Oder sicher gestellt werden. Der polnische Fahrer hat bisher aber offenbar wenig zur Aufklärung der anderen Taten beigetragen.

Schlüssel sendet Funksignale aus

Ein weiteres Auto fiel einem Zeugen in Bautzen auf, als es in hohem Tempo in Richtung polnischer Grenze fuhr. Der Zeuge, ein Polizist, merkte sich das Kennzeichen und konnte später verifizieren, dass es sich um einen in Erfurt gestohlenen Wagen handelte.

Die Täter operieren nach den Erkenntnissen der Polizei in den tiefsten Stunden der Nacht. Unterstrichen wird diese Vermutung durch die im Handy des Besitzers erfasste Wegfahr-Meldung eines betroffenen Autos.

„Wir gehen davon aus, dass immer mindestens zwei Täter vor Ort sind“, sagt Julia Neumann. Dabei nutzten die Diebe die Schwachstellen des Keyless-go-Systems gezielt aus.

Bei dem System sendet der Schlüssel Funksignale aus, die das Auto erkennt. Befindet sich der Fahrer mit dem Schlüssel in der Hosentasche in der Nähe des Autos, kann er die Türen öffnen und den Motor starten, ohne den Schlüssel aus der Tasche zu nehmen.

Täter stehen an der Hauswand und suchen das Funksignal

Wie die Polizei vermutet, nutzen die Täter den Umstand aus, dass der Autoschlüssel oft über Nacht im Flur, in der Küche oder an anderen Orten nahe der Hauswand abgelegt wird. Nach der Theorie der Polizei könnte daher ein Täter dicht an der Hauswand stehen und mit einem Spezialscanner nach dem Funksignal des Schlüssels suchen.

Das Signal könnte dann durch den Scanner verstärkt und in Richtung Auto weitergeleitet werden. Dort könnte ein zweiter Täter mit einem Empfänger das Signal auf das Auto leiten, das Auto öffnen und starten.

Wie die Täter das Auto etwa nach einer Rast oder nach dem Tanken in Betrieb halten, entzieht sich den Erkenntnissen der Polizei.

Aus dem vermuteten Tathergang schließt die Polizei, dass es sich jeweils um mindestens zwei Täter handeln muss. Ob es immer die selben Täter sind, sei zwar Spekulation, sagt Julia Neumann. „Aber wir müssen von einer Bande ausgehen“, sagt sie.

Derzeit gilt Erfurter Süden als Kerngebiet

Die jüngste Welle von Autodiebstählen begann im Sommer thüringenweit, als vor allem die Marke Opel betroffen war. Derzeit gilt der Erfurter Süden als Kerngebiet und die Marken Audi, BMW und Mercedes sind die beliebtesten Ziele. Die Polizei verteilte im Süden der Stadt Flugblätter, um auf die Gefahr hinzuweisen.

Die Autobesitzer seien sich der Schwächen des schlüssellosen Systems oft nicht bewusst, vermutet Neumann. Sie rät den Autofahrern, Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

Zum einen könne der Schlüssel möglichst weit im Haus deponiert werden, so dass das Signal nicht an der Hauswand abgefangen werden kann. Sicherer seien jedoch Spezialkästen, in denen der Schlüssel aufbewahrt werden kann. Die Kästen blockieren das Funksignal.

Sinnvoll sei es, die Funktions des Kastens zu überprüfen. „Einfach mit dem Schlüssel im Kasten ans Auto gehen“, rät Julia Neumann. „Wenn sich das Auto nicht öffnen lässt, ist alles in Ordnung.“

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