Erfurter „Talstation“ soll offener Treff werden

Erfurt.  Wohnopia-Verein möchte sein Hausprojekt in der Talstraße 15 und 16 umsetzen

Verein Wohnopia hat den Zuschlag für die Talstraße 15 und 16 bekommen

Verein Wohnopia hat den Zuschlag für die Talstraße 15 und 16 bekommen

Foto: Wohnopia

Noch flattert das Banner an der Fassade, welches das Haus in der Talstraße 16 als „Wächterhaus" kenntlich macht. Doch der Wächterhaus-Verein hat längst ein neues Domizil gefunden und die Stadtverwaltung den Weg freigemacht für ein Hausprojekt: Der Erfurter Verein Wohnopia war mit seinem Konzept des gemeinschaftlichen Wohnens einer der Bewerber und hat die erste Hürde gemeistert. „So weit wie jetzt waren wir noch nie", freut sich Wohnopia-Sprecherin Sabine Blumenthal.

Innerhalb eines Jahres muss der Stadtverwaltung jetzt ein schlüssiges Sanierungs- und Finanzkonzept vorgelegt werden. „Die Zeit brauchen wir auch", vermutet Mitstreiterin Christiane Welker. Schriftlich sei dem Verein noch nichts zugestellt.

Nach Konzept und nicht nach Preis hatte die Stadt die Häuser in der Talstraße 15/16 ausgeschrieben. „Vor allem Sicherheit bedeutet der Zuschlag für uns", kommentiert Sabine Blumenthal. Zumal in die Bewerbung und das Konzept schon jede Menge Energie und Zeit flossen. Der Verein kämpfte auch politisch für das mittlerweile vom Stadtrat beschlossene Anhandgabe-Verfahren, ohne das er keine Chance auf ein geeignetes Gebäude gehabt hätte. „Bis zu Höchstpreisen konnten wir halt nicht mitbieten", sagt Sabine Blumenthal.

Finanziell sei noch nicht alles in Sack und Tüten. Das Grundstück soll in Erbpacht (90 Jahre) zur Verfügung stehen. Direktkredite für den Hauskauf und die Sanierung einzuwerben, wird auch eine Aufgabe der nächsten zwölf Monate sein. Mehrere Hunderttausend Euro werden gebraucht, so der Wissenstand jetzt.

Eine echte Hilfe wäre es, wenn die „Talstation“ schon vor der Abgabe des Sanierungs- und Finanzkonzepts in Betrieb gehen könnte. „Einen solchen Anlaufpunkt hat die Ausschreibung gefordert“, sagt Sabine Blumenthal. Die „Talstation“ soll Informationspunkt, offener Treff für die Nachbarschaft, für potenzielle Mitstreiter und Veranstaltungsort für soziokulturelle Angebote sein. „Wir haben bei der Stadt angefragt und hoffen, dass das schon vor Verfahrensstufe 2, also innerhalb der nächsten zwölf Monate, klappt“, so die Wohnopia-Akteure.

Im Prinzip sind schon Bleistifte gespitzt und Zollstöcke eingepackt. „Aussagekräftige Grundrisse zum Loslegen kennen wir noch nicht“, sagt Christiane Welker. Bei einer Besichtigung im Rahmen der Bewerbung war es noch nicht so konkret zur Sache gegangen. Fest steht aber, für die Wohnungen, die im Hausprojekt entstehen sollen, gibt es genügend Mitglieder. 30 sind es.

Das gemeinschaftliche, selbst verwaltete Wohnen wollen unterschiedliche Generationen umsetzen. Familien, Alleinlebende, Paare, Wohngemeinschaften. Praktisch werden sie Mieter und Vermieter gleichzeitig sein. Sie haben Mietverträge, bestimmen aber mit und treffen Entscheidungen gemeinsam. „Da geht es um Miethöhen, wer einzieht oder wie der Gehweg gereinigt wird, solche Dinge eben", erklärt Sabine Blumenthal. "Und wir wollen Ressourcen gemeinsam nutzen“, ergänzt Christiane Welker. Waschmaschinen zum Beispiel, Autos, eine Fahrradwerkstatt.

Auf dem Weg zum Hausprojekt weiß der Verein das Mietshäuser Syndikat beratend an seiner Seite. Dem gehören deutschlandweit rund 150 Hausprojekte an. In Erfurt gibt es das „L50“ in der Lassallestraße.

Weiter Infos: wohnopia.wordpress.com