Erfurter Welturaufführung mit wiederentdeckter Klezmer-Musik

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Das Klezmerorchester mit Dirigent Johannes Paul Gräßer lädt zu einer Welturaufführung ein. (Archivbild)

Das Klezmerorchester mit Dirigent Johannes Paul Gräßer lädt zu einer Welturaufführung ein. (Archivbild)

Foto: Maik Ehrlich

Erfurt.  Ein einmaliger Schatz von Klezmermusik wurde in der Ukraine gehoben – jetzt kommen Teile davon zur Welturaufführung in Erfurt.

Das Klezmerorchester Erfurt spielt am 2. und 3. Oktober in zwei Konzerten mit je über 80 Mitwirkenden eine Welturaufführung mit wiederentdecktem Material aus einem Archiv in der Ukraine. Unter Leitung von Johannes Paul Gräßer, Erfurter Geiger und seit 2021 auch als künstlerischer Leiter und Manager der „Jüdisch-Israelischen Kulturtage“ für die Jüdische Landesgemeinde, widmet sich das Ensemble neuentdecktem, historischem Material der Kiselgof-Makonovetsky-Sammlung.

Vor drei Jahren konnten in Archiven in der Ukraine unzählige alte Transkriptionen bisher zum Teil unbekannter Melodien für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Für die Klezmerwelt ist das von enorm großer Bedeutung, da sich das Repertoire somit auf einen Schlag vermehrt hat. „Das ist in etwa so bedeutend, wie wenn man plötzlich fünf bisher ungekannte Beethoven-Sinfonien entdecken würde“, sagt Gräßer und verweist auf seine Kollegin Szilvia Csaranko, die als musikalische Leiterin des Orchesters Teil einer internationalen Initiative ist, die die Aufarbeitung und Veröffentlichung dieser Sammlung, unter dem Dach des Klezmerinstituts New York ermöglichen.

Mehr als 1400 Manuskripte wurden gesichtet

Csaranko hat einen Großteil der über 1400 Manuskripte gesichtet, gespielt und ein für das Orchester passendes Programm zusammengestellt. Eine große Leistung, die auch das Klezmerinstitut New York zu würdigen weiß und gleich eine Vertretung nach Erfurt entsendet.

Die Akkordeonistin Christina Crowder (USA) ist maßgeblich an der Digitalisierung der alten Manuskripte und deren Veröffentlichung beteiligt und wird selbst in Erfurt beim Klezmerorchester mitspielen. 2015 von Gräßer und Csaranko ins Leben gerufen, lockt das Laienorchester mit professioneller Unterstützung inzwischen Klezmerbegeisterte aus aller Welt nach Erfurt.

Ergänzt wird das neue Programm durch Melodien des Dave-Tarras-Repertoires. Dave Tarras (1895 - 1989) war einer der bekanntesten Klezmer-Musiker und gilt bis heute als eine der bedeutendsten Musiker-Persönlichkeiten des Genres. Von den 1920ern bis in die 1960er-Jahre hat Dave Tarras weit über 500 Titel aufgenommen und somit einen wichtigen „Schatz“ an Repertoire einer fast ausgestorbenen Musik hinterlassen.

Auf der Flucht vor 100 Jahren in Erfurt gewesen

Tarras hatte während seiner Flucht von Osteuropa in die USA in 1921 einen kurzen Aufenthalt in Erfurt, also vor fast genau 100 Jahren. Hier in Erfurt begegnete er der jüdischen Gemeinde, musizierte hier, besuchte die Synagoge, begegnete Menschen bevor er weiter über Belgien in die USA auswanderte.

Das Konzert am 2. Oktober beginnt um 19 Uhr auf dem Domplatz, der Eintritt ist frei. Das komplette Programm veranstaltet der KlezWeCan-Verein dann am Montag, 3. Oktober, um 15.30 Uhr im Zughafen Erfurt in Halle 6, Zum Güterbahnhof 20. „Am Besten man kommt zu beiden Konzerten“, empfiehlt Johannes Paul Gräßer.

Tickets für das Konzert im Zughafen gibt es unter www.ticketshop-thueringen.de und in den Geschäftsstellen dieser Zeitung.