Gericht verbietet Baumfällungen auf dem Erfurter Petersberg

Erfurt.  Die geplanten Baumfällungen auf dem Erfurter Petersberg fallen aus. Das Verwaltungsgericht gibt dem BUND Recht, der dagegen geklagt hat.

73 Bäume sollten im „Wäldchen“ gefällt werden. Das Verwaltungsgericht hat die meisten Fällungen aber untersagt.

73 Bäume sollten im „Wäldchen“ gefällt werden. Das Verwaltungsgericht hat die meisten Fällungen aber untersagt.

Foto: Marco Schmidt

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Das Verwaltungsgericht in Weimar hat der Stadt Erfurt die angestrebte Fällung von rund 70 Bäumen im „Wäldchen“ auf dem Petersberg per einstweiliger Anordnung untersagt. In einem Eilverfahren gab das Gericht einer Klage des BUND gegen die Stadt zu großen Teilen Recht. Demnach dürfen von den 73 geplanten Fällungen nur fünf Fällungen tatsächlich auch durchgeführt werden.

Nach Darstellung der Stadt sind 19 der 73 zur Fällung vorgesehenen Bäume von der für Menschen mit Vorerkrankungen gefährlichen Rußrindenkrankheit befallen. Die übrigen Bäume seien abgestorben oder so stark beschädigt, dass die Fällung aus Verkehrssicherheitsgründen notwendig sei.

Verkehrssicherungspflicht innerhalb des Wäldchens rechtfertigt Fällung nicht

Von den fünf Bäumen, bei denen die Fällung erlaubt bleibt, befinden sich zwei im Weg des ersten Bauabschnittes für den Bastionskronenpfad an der Lauentorstraße. Für sie liegt eine Befreiung von dem Fällverbot vor, das im „Geschützten Landschaftsbestandteil“ Wäldchen eigentlich gilt. Die anderen drei genehmigten Fällungen beziehen sich auf Verkehrssicherheitsmaßnahmen am Rand des Wäldchens.

Das Gericht misst jedoch der Verkehrssicherungspflicht innerhalb des geschützten Wäldchens keine solche Bedeutung bei, dass sie eine Fällung der Bäume rechtfertigen würde. Vielmehr verwiesen die Richter der 7. Kammer am Verwaltungsgericht auf „waldübliche Gefahren“, denen Besucher ausgesetzt seien. Zu diesen Gefahren zähle auch die Tatsache, dass einzelne Bäume von der Rußrindenkrankheit befallen sind - vorerkrankte Besucher müssten in Wäldern „mit eventuellen gesundheitlichen Folgen“ rechnen.

Ob Fällungen das geeignete Mittel gegen die weitere Ausbreitung der Krankheit darstellen, sei wissenschaftlich nicht zweifelsfrei erwiesen. Dass die Stadt zudem selbst einen der von der Krankheit befallenen Bäume als Habitatbaum stehen lassen wollte, widerlege ihr eigenes Argument der Gefährlichkeit für Besucher. Auch der von der Stadt bekundete Wunsch, gebietsfremde Arten sollten durch geeignetere Baumarten ersetzt werden, spreche eher gegen die zwingende Notwendigkeit, die Bäume zu fällen.

Am Rand des Wäldchens, in Nachbarschaft der Straßen Lauentor und Petersberg, wiege die Verkehrssicherheit zwar schwerer. Für die meisten zur Fällung vorgesehenen Bäume am Rand des Wäldchens habe die Stadt aber nicht begründet, warum mildere Mittel wie ein Rückschnitt nicht zur Herstellung der Verkehrssicherungspflicht ausreichten.

Von den 13 Bäumen am Rand, die von der Rußrindenkrankheit befallen sein sollen, habe die Stadt nur in vier von sechs untersuchten Fällen auch den mikroskopischen Nachweis erbracht. Dass befallene Bäume innerhalb weniger Monate absterben und umstürzen könnten, sei eine Spekulation.

Die Fällungen sollten am Montag beginnen.

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