Guten Morgen, Erfurt: Naschen ja, trällern nein

Anja Derowski über das verfrühte Einläuten der Adventszeit

Anja Derowski

Anja Derowski

Foto: Marco Schmidt

Manchmal darf man ein bisschen schummeln. Und in Zeiten wie diesen, wo so vieles nicht möglicht ist, erst recht.

Nehmen wir diese verlockenden Auslagen in den Supermärkten. Sie nennen sich Lebkuchen, Marzipankartoffeln, Stollen, Spekulatius. Bisher, und das sind schon vier Jahrzehnte, schaffte ich es immer, erst am ersten Advent mit dem Verzehr dieser Leckereien anzufangen.

Nun, in diesem Jahr merke ich, wie ich allmählich schwach werde. Es sind nur noch neun Tage . . . Jedenfalls scheinen sich viele jetzt schon nach der Weihnachtszeit zu sehnen. Vergangenes Wochenende wollten wir Freunde treffen. Sie konnten nicht zusagen, weil sie die Wohnung schmücken wollten – mit Weihnachtsdeko. Wenn schon kein Weihnachtsmarkt ist, dann kann man die Adventszeit auch etwas verlängern, meinten sie. Daraufhin ließ ich in Gesprächen immer mal dieses Thema anklingen. Und tatsächlich sagten mir einige, sie würden gern ihren Baum dieses Jahr früher aufstellen als sonst. Bestimmt ist es einfach der Wunsch nach Geborgenheit, nach ein bisschen heiler Welt, dass etwas ist wie immer. Sehr sehr nachvollziehbar. Ich habe einen Kompromiss gefunden: Weihnachtslieder wie immer erst ab Advent, aber Naschereien sind vorher erlaubt – sie sind schließlich auch Nervennahrung.