Guten Morgen: Samstäglicher Phantomschmerz

Michael Keller über Phantomschmerzen bei Fußballanhängern.

Gehören Tribünen voller Fußballfans im Steigerwaldstadion, wie hier beim Spiel von Rot-Weiß Erfurt gegen Viktoria Berlin im Dezember, der Vergangenheit an?

Gehören Tribünen voller Fußballfans im Steigerwaldstadion, wie hier beim Spiel von Rot-Weiß Erfurt gegen Viktoria Berlin im Dezember, der Vergangenheit an?

Foto: Sascha Fromm

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Heute, so um die Mittagszeit, beginnt es. Es fängt an zu ziehen im Gemüt. Und steigert sich zum schmerzlichen Empfinden. Es tut am Ende etwas heftig weh, was gar nicht mehr vorhanden ist, weil es amputiert wurde. In der Medizin heißt das Phantomschmerz.

Diese Woche haben sie den FC Rot-Weiß amputiert. Aus dem Leben der Fußballfans in Erfurt und anderswo. Heute sollte eigentlich gespielt werden. Gegen Cottbus. Dann aber hat dieser Herr aus der Andreasstraße ohne Emotionen zu zeigen den Stecker gezogen, an dem er schon zwei Jahre herumgespielt hat. Nun ist der Saft endgültig raus aus diesem nur 54 Jahre alten Verein. Der es mit seinem letzten Seufzer dorthin gebracht hat, wo er schon immer mal hin wollte – in den Spiegel, zu N-TV, in die Süddeutsche, die Welt. Allerdings als abschreckendes Beispiel für Größenwahn, Leichtsinn und für fehlendes Fingerspitzengefühl gegenüber Fußballfans, die ihr letztes Hemd für ihren Verein geben.

Zwei Präsidenten und ein Insolvenzverwalter werden in die RWE-Geschichte als Totengräber des Vereins in die Geschichte eingehen. Jeder auf seine Weise. Da der letzte Eindruck der bleibende sein soll, bleibt ein Bild im kollektiven Fan-Gedächtnis haften. Das eines Herren, der, wenn er überhaupt etwas gesagt hat, nur leere Sätze parat hatte, aber keinen echten Plan.

Daran sollte man in den nächsten Monaten immer wieder mal denken. Immer am Samstag oder Sonntag um die Mittagszeit. Wenn er einsetzt, dieser unerträgliche Phantomschmerz.

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