Black Dragons-Kapitän: „Habe keine Angst mehr vor dem Check“

Erfurt  Interview der Woche: Kapitän Felix Schümann über den Fehlstart der Erfurter Black Dragons, die Stärke der Oberliga und seine Gesundheit

Im „Tunnel“: Drachenkapitän Felix Schümann, hier bei der Vorbereitung auf ein Heimspiel, sieht seine Mannschaft derzeit verkrampft das Besondere versuchen. „Wir müssen uns wieder auf die simplen Dinge konzentrieren“, fordert er.

Im „Tunnel“: Drachenkapitän Felix Schümann, hier bei der Vorbereitung auf ein Heimspiel, sieht seine Mannschaft derzeit verkrampft das Besondere versuchen. „Wir müssen uns wieder auf die simplen Dinge konzentrieren“, fordert er.

Foto: Sascha Fromm

Es passte wie die Faust aufs Auge. Als Felix Schümann im Sommer 2014 nach Erfurt kam, war er sogleich beeindruckt von der Stadt und seiner neuen Mannschaft, den TecArt Black Dragons. Hier möchte ich bleiben, stand für den Eishockeyprofi fest. Mit seiner Einsatzfreunde und Torgefährlichkeit spielte er sich in die Herzen der Drachenfans. Mit anderen Eigenschaften eroberte er das Herz von Pauline.

Nach diesen Höhen folgten auch Tiefen. Die vergangene Saison war für ihn eine verletzungsgeplagte. Vor allem eine schwere Gehirnerschütterung, erlitten am 10. Februar dieses Jahres im Heimspiel gegen Halle, wirkte lange nach. Die aktuelle Saison läuft indes bislang sportlich schlecht: Mit nur einem Sieg aus acht Spielen sind die Drachen Tabellenletzter der Oberliga Nord.

Wir sprachen mit dem 28-Jährigen über den Fehlstart, die Neuzugänge, die Situation von Michal Vazan, Ängste auf dem Eis und nach der Karriere sowie die Rolle der Drachenfans.

Nur drei Punkte aus acht Spielen, der zwölfte und letzte Platz in der Eishockey-Oberliga Nord. Haben Sie als Mannschaftskapitän eine Erklärung für den schwachen Saisonstart der TecArt Black Dragons?

Über diesen Fehlstart, den man klar als solchen bezeichnen muss, denkt jeder von uns nach. Eine richtige Erklärung dafür haben wir nicht. Ich denke, es liegt vor allem daran, dass jeder das Besondere machen will. Wir müssen uns wieder auf die simplen Dinge konzentrieren, einen Pass über drei Meter statt 35 Meter spielen, aggressiv forechecken.

Trainer Fred Carroll und auch andere meinten vor der Saison, das Team sei stärker als in der Vorsaison. Wie siehst du das?

Individuell sind wir auf jeden Fall stärker. Sean Fischer hat zum Beispiel direkt wieder eine Führungsrolle eingenommen. Zudem haben Jungs wie Enzo Herrschaft und Fritz Denner den nächsten Schritt gemacht. Jetzt muss es als Mannschaft klappen.

Das Team wirkt jedoch phasenweise leblos und nicht harmonisch. Wie passt das zur immer wieder von allen im Umfeld betonten Aussage, die Stimmung bei den Drachen sei außergewöhnlich gut?

Natürlich ist das derzeit ein Widerspruch. In der Kabine haben wir keine Probleme, aber auf dem Eis ziehen wir nicht an einem Strang. Die Liga ist in dieser Saison deutlich stärker geworden. Es gibt für keine Mannschaft mehr einen leichten Gegner – entsprechend konzentriert kommen die anderen Teams auch zu uns nach Erfurt. Da reicht es schon, wenn fünf Leute in einer Situation das Richtige machen und einer nicht, um knallhart bestraft zu werden.

Beim 1:5 zuletzt gegen Essen patzten mit Goalie Benedict Roßberg und Verteidiger Roberto Geiseler zwei Neue. Warum tun sich die Zugänge, gerade defensiv, so schwer?

Roberto war elf Monate verletzt. Zudem hatte er in der DEL2 die Rolle des klassischen Abräumers. Das kann er gut, aber bei uns muss er auch den Spielaufbau mit übernehmen, daran muss er sich erst gewöhnen. Benedict ist ein sympathischer junger Kerl, der im ersten Drittel gegen Essen einige Hochkaräter vereitelt hat. Klar hat er, ausgerechnet an seinem Geburtstag, ein paar unglückliche Gegentore kassiert. Aber dieses Glück müssen wir uns, vorn wie hinten, jetzt wieder selbst erarbeiten.

Denn auch ein Milan Kostourek, der als einer der Topscorer der Oberliga Süd nach Erfurt kam, hat noch Probleme.

Die ganze Mannschaft ist verkrampft. Da ist Milan keine Ausnahme. Er hat sich selbst die Bürde auferlegt, als Topscorer voranzugehen. Er hat die Qualität dazu, wie wir alle die Qualität dazu haben, besser zu spielen. Das müssen wir zeitnah beweisen.

Wie fühlen Sie sich selbst nach Ihrer verletzungsgeplagten letzten Saison? Gibt es noch Nachwirkungen, vor allem von der schweren Gehirnerschütterung im Februar gegen Halle?

Durch diesen Unfall hatte ich einen kleinen psychischen Hänger. Ich hatte eine Weile einfach Angst auf dem Eis, war nicht befreit. Dank der intensiven Zusammenarbeit mit unserem Mentaltrainer Maik Lärz ist das jetzt besser. Ich fühle mich gut, habe keine Angst mehr vor dem Check. Was geblieben ist, ist ein chronischer Tinnitus, gegen den ich eine Therapie mache.

Ist das Kapitänsamt Auszeichnung oder Bürde?

Auszeichnung. Ich will als Anführer vorangehen und dem Amt gerecht werden.

Bei ihrem Teamkollegen Michal Vazan, der zweimal eine schwere Gehirnerschütterung erlitten hat, steht sogar das Karriereende im Raum. Wie sehen Sie seine Situation?

Ich wünsche ihm alles Gute und beste Genesung. Wenn einem zweimal binnen sieben Monaten so was Drastisches passiert, steckt man das nicht so leicht weg. Er ist mit 36 in einem Alter, wo man sich sicher die Frage stellt, welche Schlüsse man daraus zieht. Ich wünsche mir sehr, dass er wieder zu uns aufs Eis zurückkommt. Aber die Gesundheit und das Leben nach dem Hockey gehen vor.

Vor allem im Eishockey und American Football gibt es die Diskussion um Spätfolgen von Gehirnerschütterungen. Machst du dir selbst Sorgen?

Natürlich. Aber wenn ich jetzt zu viel darüber nachdenke, bin ich als Mensch und Sportler nicht mehr derselbe. Man darf nicht mit Angst ins Spiel gehen.

Zu den Heimspielen kamen zuletzt keine 400 Fans mehr. Was sagen Sie denen, die den Spielen ferngeblieben sind?

Wir brauchen euch! Wir wollen euch wieder mit Stolz erfüllen, attraktives Eishockey spielen. Aber dafür brauchen wir starke Fans im Rücken, in guten wie in schlechten Zeiten. Mit Geduld und Unterstützung kommen wir aus diesem Loch wieder raus.

Freitag, 20 Uhr: Crocodiles Hamburg – Black Dragons. Sonntag, 16 Uhr, Kartoffelhalle: Black Dragons – Saale Bulls Halle.

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