In 2019 bereits 27 Waschbären in Erfurt tierschutzgerecht getötet

Erfurt.  Der Waschbär, der am Samstag zutraulich durch die Innenstadt lief, sorgt auch noch nach seinem Ableben für Gesprächsstoff.

Der scheinbar betrunkene Waschbär sorgte am Wochenende in Erfurt für Aufsehen.

Der scheinbar betrunkene Waschbär sorgte am Wochenende in Erfurt für Aufsehen.

Foto: Vesselin Georgiev

Offenbar ruft das Töten des Waschbären, welcher am Samstag in Erfurt auch am Weihnachtsmarkt zu sehen war, jede Menge Tierschützer auf den Plan. „Es sind Drohungen gegen den Jagdpächter und gegen die Feuerwehr eingegangen“, sagt Rathaussprecher Daniel Baumbach. Der Jagdpächter, der aus Schutz anonym bleiben soll, hat die Stadt als Jagdgebiet. „Es ist dessen Verpflichtung zu handeln, er muss sich kümmern“, betont Daniel Baumbach. Laut EU-Recht, so der Sprecher, darf ein Waschbär, wenn er einmal gefangen ist, nicht wieder frei gelassen werden.

Ernüchterndes Ende des "betrunkenen" Waschbären von Erfurt
Ernüchterndes Ende des "betrunkenen" Waschbären von Erfurt

Eine weitere Vorschrift, so Daniel Baumbach, gebe vor, dass auch die Unterbringung im Tierheim keine Möglichkeit gewesen wäre. „In das Tierheim dürfen nur Haustiere gebracht werden. Der Waschbär ist ein Wildtier“, sagt Daniel Baumbach und fasst zusammen – auch um Gerüchte, die sich verbreitet hatten, einzudämmen: „Es gab keine Alternative.“ 2018 haben ehrenamtlich tätige Stadtjäger 24, in diesem Jahr bereits 27 Waschbären im Innenstadtbereich gefangen und tierschutzgerecht getötet.

In den sozialen Netzwerken war des Weiteren die Diskussion darüber entbrannt, warum das Tier erschossen und nicht mit einer Spritze getötet wurde. Frank Herrmann, Geschäftsführer des Landesjagdverbandes Thüringen, erklärt auf unsere Nachfrage, dass allein durch das Jagdrecht der Gebrauch der Schusswaffe legitimiert sei. Zudem wäre das Tier noch größerem Stress ausgesetzt gewesen, wenn es noch zu einem Tierarzt hätte gebracht werden müssen, der dann die Injektion setzt.

Es könne zudem sein, so der Sprecher, dass der Waschbär an Staupe erkrankt war – eine Viruserkrankung, die unter anderem Apathie auslöst. Am Wochenende hieß es, der Waschbär sei betrunken gewesen. Augenzeugen wollen gesehen haben, wie er an Glühweinbechern geleckt haben soll. Eine offizielle Bestätigung für die Trunkenheit des Tieres gibt es derzeit nicht.

Vermehrt Waschbären in Erfurt gesichtet

„Klar indes ist: Der Waschbär ist in der Innenstadt angekommen. Es gibt bereits Gebiete, in denen die Bürger ihre Mülltonnen sichern, um die Tiere nicht noch anzulocken“, sagt Daniel Baumbach. Falsch sei das Verhalten zahlreicher Passanten auf dem Fischmarkt gewesen, die sich dem Tier stark genähert hatten. „Dieses Verhalten war äußerst gefährlich. Dass das Tier auch aggressiv sein konnte, zeigt das Video, auf dem sich der Waschbär blitzschnell dreht und zuschnappt, als der Feuerwehrmann ihn einfangen will“, sagt Daniel Baumbach.

Der Waschbär zählt seit Juli 2016 zur EU-Liste der unerwünschten Tier- und Pflanzenarten. Er steht in Deutschland nicht unter Naturschutz, darf das ganze Jahr bejagt werden.

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