Hochzeitsring-Kopie begeistert als Gastgeschenk in Haifa

Erfurt/Haifa.  Völlig überrascht war Haifas Oberbürgermeisterin Kalisch Rotem, als sie von Andreas Bausewein einen Ring geschenkt bekam.

Haifas Oberbürgermeisterin Dr. Einat Kalisch Rotem kann es kaum fassen: Andreas Bausewein hat ihr einen Ring geschenkt. 

Haifas Oberbürgermeisterin Dr. Einat Kalisch Rotem kann es kaum fassen: Andreas Bausewein hat ihr einen Ring geschenkt. 

Foto: Daniel Baumbach

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„Welch ein rührendes Geschenk!“ Haifas Oberbürgermeisterin Dr. Einat Kalisch Rotem kann es kaum fassen. Ihr Erfurter Amtsbruder Andreas Bausewein hat ihr bei seinem Besuch in der israelischen Partnerstadt gerade ein Präsent überreicht: Nicht irgendeins, sondern einen schweren Silberring mit der Nummer 002 auf dem dazugehörigen Holzkästchen. Es ist eine Kopie des berühmten Jüdischen Hochzeitsrings, der seit zehn Jahren in der Alten Synagoge Erfurt ausgestellt wird.

Angefertigt wurde er in einem speziellen 3-D-Verfahren aus 875er Silber. Der Erfurter Harry Karius hat die Idee dazu gemeinsam mit dem Dezernat für Kultur und Stadtentwicklung im Rahmen der aktuellen Überlegungen zur Weiterentwicklung einer angemessenen Souvenirpalette für die Alte Synagoge entwickelt. Den Feinschliff hat eine Goldschmiede erledigt.

„Der gehört in unseren Tresor“, sagt Oberbürgermeisterin Kalisch. „Oder, nein, besser: Der Ring muss ins Museum“. Auch Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein ist sichtlich überrascht davon, welch einen Treffer er mit der Nachbildung des mittelalterlichen Meisterwerks gelandet hat. „Dieses Schmuckstück haben wir als Stadt vorher erst ein einziges Mal verschenkt: an Thüringens Ministerpräsidenten Bodo Ramelow“, erklärt er.

Ausstellung zu Erfurts jüdischer Geschichte

Bausewein erzählt seiner israelischen Kollegin außerdem, weshalb das goldene Original für die Thüringische Landeshauptstadt so bedeutend ist. „Der Jüdische Hochzeitsring ist das Prachtstück des jüdischen Schatzes, der Ende der 90er Jahre bei Bauarbeiten in Erfurt gefunden wurde. Wahrscheinlich hat ihn 1349 ein jüdischer Kaufmann auf der Flucht vor einem Pogrom vergraben. Jetzt ist er Teil unserer Bewerbung für das Unesco-Weltkulturerbe.“

Dr. Einat Kalisch Rotem hört begeistert zu und weiß auf einmal ganz genau, was Haifa mit diesem besonderen Geschenk machen wird. „Wir werden eine Ausstellung organisieren, in der die jüdische Geschichte Erfurts in Israel erzählt wird. Da wird der Hochzeitsring der absolute Hingucker sein.“ Mit Unterstützung aus Erfurt: „Dabei sind wir mit unseren Fachkenntnissen sehr gern behilflich!“, so Dr. Tobias J. Knoblich, Beigeordneter für Kultur und Stadtentwicklung.

Es war das erste Treffen beider Oberbürgermeister. Kalisch, Mitglied der Arbeitspartei „Chaim Bhaifa“, ist erst im vergangenen Jahr ins Amt gewählt worden. In dem Arbeitsgespräch im Haifaer Rathaus ging es vorrangig um die politische Agenda der studierten Architektin und Stadtplanerin. Sie will die ärmeren Stadtteile Haifas, die in vergangenen Jahrzehnten vernachlässigt wurden, entwicklen und deren Infrastruktur verbessern. „Unsere Stadt ist zweigeteilt. Am Hafen wohnen die Armen, den Carmel-Berg hinauf die Reichen. Das möchte ich in den nächsten Jahren ändern“, sagte sie.

Hilfe beim Denkmalschutz angeboten

Bei diesem großen Vorhaben brauche es allerdings auch Hilfe von außen. „Uns fehlen Experten im Denkmalschutz“, so Einat Kalisch Rotem. Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein bot die Hilfe der Unteren Denkmalschutzbehörde der Thüringischen Landeshauptstadt an. „Unsere Mitarbeiter sind in solchen Fragen sehr erfahren. Vielleicht können sie aushelfen“, meinte er.

Aktuell gibt es bereits ein Projekt, bei dem ein Mitarbeiter des Erfurter Denkmalschutzamtes beteiligt war. So wurde in Haifa im Beisein von Andreas Bausewein, Baudezernent Alexander Hilge und Gartenamtsleiter Dr. Sascha Döll eine gemeinsame Bauhaus-Ausstellung eröffnet. In dieser werden architektonische Parallelen gezogen zwischen Gebäuden aus der Bauhauszeit in Erfurt und dem „Neuen Bauen“ späterer Jahre in Haifa. Deutsche Immigranten hatten, als sie wegen der Nazis Deutschland verlassen mussten, in der Stadt am Mittelmeer gebaut. Und diese optische Verwandtschaft wird an vielen Gebäuden sichtbar.

Bauhaus-Ausstellung in Haifa

Die Ausstellung beruht auf der Idee des Erfurter Denkmalschützers Dr. Mark Escherich und wurde von Studierenden der Bauhaus Universität Weimar in einem studentischen Projekt umgesetzt. Im ehemaligen Talpoit-Markt, einem imposanten, aber heruntergekommenen Gebäude im Bauhausstil, werden nun die Fotos und Forschungsergebnisse der israelischen Öffentlichkeit präsentiert. In Erfurt war die Ausstellung bereits unter anderem im Egapark zu sehen.

Haifas Oberbürgermeisterin möchte auch den Tourismus in Haifa ankurbeln. „Wir haben so viel zu bieten, aber es kommen leider viel zu wenige Touristen. Da muss etwas geschehen“, sagte sie in dem Gespräch mit Andreas Bausewein. Und da könne das Bauhaus-Erbe eine große Rolle spielen. So wünscht sich Kalisch, dass der Talpoit-Markt zu einem „kleinen Bauhaus-Zentrum“ ausgebaut wird. Kalisch: „Wir wollen den Bürgern die Ideen des Bauhaus nahebringen und das touristische Potential nutzen.“

Bewässerungsanlagen im Blick

Auch auf der Fachebene gab es Gespräche zwischen aus städtischen Mitarbeitern aus Erfurt und Haifa. So trafen sich Bau- und BUGA-Dezernent Alexander Hilge und Gartenamtsleiter Dr. Sascha Döll mit Eli Alkabetz, dem Direktor für Stadtbild. Die Experten tauschten sich darüber aus, wie in Zeiten des Klimawandels Stadtbäume und Stadtgrün besser bewässert werden können. In Haifas Grünanlagen sind seit Jahren computergestützte Bewässerungsanlagen installiert. Sascha Döll zeigte großes Interesse an den Erfahrungen damit. Denn die Stadt Erfurt hat eine solche Anlage bei einem israelischen Hersteller für die Rabatten am Hirschgarten bestellt. Die kleine Erfurter Delegation wird noch die Firma in Tel Aviv besuchen.

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