Festakt zu 30 Jahre Mauerfall: „Kein Platz für Demagogen“

Erfurt  Festakt zu 30 Jahre Mauerfall im Erfurter Theater. Mahnende Worte und Beethovens 9. Sinfonie.

Zur Feier zum Fall der Mauer vor 30 Jahren gab es im Theater Erfurt einen Festakt und Empfang. Musiziert wurde die 9. Sinfonie von Beethoven. 

Zur Feier zum Fall der Mauer vor 30 Jahren gab es im Theater Erfurt einen Festakt und Empfang. Musiziert wurde die 9. Sinfonie von Beethoven. 

Foto: Frank Karmeyer

Mit Beethovens 9. Sinfonie wurde der Festakt zum Fall der Mauer vor 30 Jahren im Erfurter Theater zu einem für viele bewegenden Moment. Heute politisch Verantwortliche, Akteure der friedlichen Revolution und zahlreiche engagierte Erfurter aus den Jahren des Neuanfangs befanden sich im Publikum, eingeladen von der Stadtverwaltung Erfurt. Sie konnten nicht nur der Musik, sondern auch einer Festansprache von Oberbürgermeister Andreas Bausewein und einer Diskussion zwischen Propst i.R. Heino Falcke und der Schülerin Clara Hengst lauschen.

Bausewein erinnerte sich daran, den Fall der Mauer fast verpennt zu haben. Er habe im Anschluss an die Donnerstagsdemo für eine Klausur in der Berufsschule gelernt und sei über den Büchern eingeschlafen. Seine Mutter habe ihn rechtzeitig geweckt, damit er die Menschen auf der Mauer tanzen sehen konnte. Klar sei die Klassenarbeit am nächsten Tag ausgefallen. „So hat jeder aus dieser Zeit prägende Erlebnisse und lebhafte Erinnerungen, als wären sie vergangene Woche passiert“, sagte Bausewein. Noch am 11. November sei er mit der Familie zur Verwandtschaft nach Herleshausen gefahren. „Eine Strecke, für die man heute 40 Minuten benötigt, hat für mich sechzehneinhalb Jahre gedauert“, so Bausewein. Der 9. November sei ein Grund zum Feiern, aber auch zum Innehalten, blickte er auf die Reichspogromnacht vor 81 Jahren zurück, mit der der Völkermord an sechs Millionen Juden begann.

Dann nahm er die AfD ins Visier: Er verwahre sich dagegen, dass die friedliche Revolution heute vereinnahmt werde von jenen, die auf Wahlplakaten verkündeten, sie würden die Wende vollenden. Sie gehöre jenen mutigen Menschen, die damals für die Freiheit furchtlos auf die Straße gegangen seien. Zustimmenden Applaus gab es dafür im Theater.

Mahnende Worte wählte Propst i.R. Heino Falcke, der einer der bedeutenden Denker und Mahner der evangelischen Kirchen in der DDR war, auch beim Festakt. Wie 1989 brauche es auch heute die Vernunft der Straße. Für Demagogen sei in der Demokratie kein Platz. Parteien sollten endlich zur politischen Gestaltungsmacht werden, forderte Falcke. Gewalt habe in die Sprache und auf die Straße zurückgefunden, mahnte Falcke zu Wachsamkeit. Erstmals sei ein Neuanfang mit einer friedlichen Revolution gelungen, was Grund gebe, stolz darauf zu sein. Die 17-jährige Clara Hengst formulierte es als Appell, die Mündigkeit von damals zu nutzen, um heute keine antidemokratischen Kräfte erstarken zu lassen. Die friedlich erstrittene Meinungsfreiheit sei ein hohes Gut. Dabei müsse eine konstruktive Streitkultur gewahrt bleiben, der es gelinge, antidemokratische Bewegungen inhaltlich zu entkräften. Was 1989 gelungen sei, müsse heute Verpflichtung für alle sein, die Demokratie zu wahren und fortzuentwickeln, so Hengst.

Zu den Kommentaren