Kinder aus Kerspleben passen auf ihre Umwelt auf

Kerspleben/Gispersleben  Nabu Erfurt zeichnet auch 2019 schwalbenfreundliche Häuser aus. Gemeinschaftsschule Kerspleben gehört dazu

Der schönste Lohn für Bemühungen um den Schutz der Schwalben: Nachwuchs.

Der schönste Lohn für Bemühungen um den Schutz der Schwalben: Nachwuchs.

Foto: Michael Keller

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Sie nennen sich „Junior-Ranger“, besuchen die Gemeinschaftsschule in Kerspleben und kümmern sich mit ihrer Erzieherin Nanni Ulbrich begeistert um Naturschutz und Umweltbelange. Für ihren Einsatz zum Schutz der Schwalben wurde die Gruppe von Grundschülern jetzt mit der Plakette „Hier sind Schwalben willkommen“ vom Naturschutzbund (Nabu) Erfurt ausgezeichnet.

An der Schule in Kerspleben wurden im Vorjahr zwei Doppel-Kunstnester für Mehlschwalben angebracht – auf Wunsch der Kinder und spendiert vom Nabu Erfurt. „Zwei waren in diesem Jahr schon von brütenden Schwalben besetzt. Und außerdem haben die Vögel noch drei natürliche Nester dazugebaut“, berichtet Bernd Krüger, der Vorsitzende des Nabu Erfurt. Zwar befinden sich die Nester auf der Nordseite eines Gebäudes, aber das scheint den brutwilligen Eltern angesichts langer und warmer Sommer auch gut zu passen, mutmaßt er. Die Kunst-Nester wurden dort angebracht, weil Schwalben bereits aktiv waren. Und wo sie einmal waren, kommen sie auch gern wieder.

Der Nachwuchs bei den Schwalben freute nicht nur die Kinder sehr. Denn die hiesigen Schwalbenbestände gehen seit Jahren zurück, weil nicht mehr genügend Brutplätze vorhanden sind und die Nahrung – Insekten – knapper wird. Im Garten der Schule haben die „Junior-Ranger“ ein Gefäß mit Lehm aufgestellt und es immer feucht gehalten. „Das hat den Mehlschwalben gute Dienste geleistet“, ist Krüger überzeugt. Es sei ein Problem, dass die Menschen begonnene Schwalbennester immer wieder von ihren Häusern abkratzen, obwohl das verboten sei. „Klar machen sie Dreck, aber das müssen uns die Schwalben doch wert sein“, findet er. Auch vom nächsten Frühjahr an werden die „Junior-Ranger“ die Schwalben auf diese Weise wieder unterstützen.

In der Schule wird noch viel mehr für den Schutz von Natur und Umwelt getan. Sie bewirbt sich im Rahmen des Projektes„Thüringer Nachhaltigkeitsschule – Umweltschule in Europa“ als Umweltschule. Dafür sollen die Artenvielfalt erhöht und das Schulgelände begrünt werden. Der Nabu berichtet von vielfältigen Aktivitäten, die es dazu schon gegeben hat. Es wurden unter anderem Hochbeete gebaut, Blühstreifen und ein Schmetterlingsgarten angelegt, Vogelnistkästen aufgehängt und Exkursionen sowie Pflanzaktionen durchgeführt.

Der Nabu Erfurt zeichnet normalerweise pro Jahr ein bis vier schwalbenfreundliche Häuser aus und kommt auch 2019 wieder auf diesen Schnitt.

Auf mindestens 60 Nester von Mehlschwalben kann die Firma Qundis im GVZ Erfurt verweisen. „Für Erfurt ist solch eine Häufung schon ungewöhnlich“, räumt Krüger ein. Er zählte schon mal 45 Nester in Kerspleben. Und auch auf der Deponie in Schwerborn fühlen sich Schwalben wohl. Im GVZ hat die Firma eine Halle mit großem Dachüberstand und Stützen. „Zwar nisten die Mehlschwalben eigentlich an senkrechten Wänden, aber die Vögel sind erfinderisch und haben wohl gefallen an den Stützen gefunden“, sagt der Nabu-Vorsitzende.

Mit den Plaketten für schwalbenfreundliche Häuser hat der Nabu Erfurt in diesem Jahr auch eine Hausgemeinschaft in der Friedhofstraße von Gispersleben und eine Familie in der Sondershäuser Straße, ebenfalls in Gispersleben, ausgezeichnet.

www.nabu-erfurt.de

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