Kindersegen beschert Erfurter Zoo kräftigen Besucherzuwachs

Erfurt.  Ein kleines Nashorn und zwei kleine Löwen sind derzeit die Stars im Zoo. Weitere Babys werden dieses Jahr erwartet. Und alle Tiere wurden gezählt

Aus Kiano ist ein echtes Riesenbaby geworden. Das Nashornjunge wiegt 250 Kilo. Mutter Marcita säugt Kiano immer seltener.

Aus Kiano ist ein echtes Riesenbaby geworden. Das Nashornjunge wiegt 250 Kilo. Mutter Marcita säugt Kiano immer seltener.

Foto: Marco Schmidt

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Mit einer Schrubberbürste krault Nashorn-Pflegerin Saskia Fiebig die staubige Haut des kleinen Kiano. Der Babybulle steht hinter dem Gatter und genießt die Prozedur. Sogar die Zähne lässt er sich schrubben.

Die Pflegerin hält einen Messstab an das Gatter. „1,10 Meter Schulterhöhe“, sagt sie. Kiano, der Ende Dezember 2018 geboren wurde, ist gar nicht mehr so klein. Er wiegt um die 250 Kilo.

Der Zoo macht Inventur, zählt, wiegt und vermisst all seine Tiere. Die Besucherzahlen hat er schon erfasst. Kiano ist einer von drei Gründen, warum diese Zahl im Vorjahr stark angestiegen ist.

Messen, Wiegen, Zählen - Inventur im Zoopark Erfurt
Messen, Wiegen, Zählen - Inventur im Zoopark Erfurt

Über 15.000 Jahreskarten verkauft: Rekord

398.026 Gäste kamen 2019 an den Roten Berg, 38.000 mehr als im Jahr zuvor. Auch die Bindung der Erfurter an ihren Zoo ist gestiegen. Mit 15.111 verkauften Exemplaren erfuhren die Jahreskarten eine deutliche Steigerung und einen neuen Absatzrekord. Bürgermeisterin Anke Hofmann-Domke (Linke) führt das auch auf den Familienpass zurück, mit dem die Jahreskarte deutlich rabattiert wird. „Unternehmungen in der Familie zu fördern, ist genau das, was wir mit dem Familienpass erreichen wollen“, sagt Hofmann-Domke.

Die anderen beiden Gründe für den deutlichen Besucheranstieg heißen Latika und Makuti. Die beiden Löwen-Welpen kamen zu Ostern auf die Welt. Unter dramatischen Bedingungen – Löwenmutter Bastet erlitt eine Blutvergiftung. „Tolle Teamarbeit“ macht die Zoodirektorin Sabine Merz dafür verantwortlich, dass die Löwenfamilie gerettet werden konnte.

Jetzt toben die jungen Löwen durch das Außengehege und teilen gegenseitig Watschen aus. Makuti hat schon eine kleine Mähne und lässt sich daher leicht von seiner Schwester unterscheiden. „Die Besucherzahl zeigt die große Beliebtheit unserer Jungtiere“, sagt Sabine Merz.

Die Direktorin hofft, dass es so positiv weiter geht mit der Zucht und mit den Besuchern. Die Chancen stehen gut. Kianos Mutter, die Nashorn-Dame Marcita, ist wieder trächtig. Im November soll Kiano ein Geschwisterschen bekommen.

Das Ereignis des Jahrhunderts für den Zoo wird im Elefantenhaus erwartet. Chupa soll im Juli oder August nach 22-monatiger Trächtigkeit ein Elefantenbaby zur Welt bringen.

Elefant Kibo wird gewogen und vermessen

„Eine Elefantengeburt ist nicht einfach“, sagt Merz. Nichts wünscht sie sich sehnlicher, als dass es nach der ersten Löwengeburt im Erfurter Zoo nun auch mit den Elefanten klappt.

Bei der Inventur am Dienstag ist es Papa Kibo, der gewogen und vermessen wird. Chef-Elefantenpfleger Dirk Hebs ruft ihn an das Trainingsgatter, wo der Bulle auf Kommando seine Füße und den Rüssel durch die Luken steckt.

Seine Schulter erreicht eine Höhe von 2,65 Meter. Die Waage zeigt rund drei Tonnen an. „Kibo wird immer größer und kräftiger, ein richtig stolzer Vater“, sagt Sabine Merz.

Für den Zoo sind die Zuchterfolge nicht nur freudige Ereignisse. Sie halten auch die Anziehungskraft aufrecht in einer Zeit, in der die Weiterentwicklung stockt. Ein neues Konzept ist beschlossen, doch scheint die Stadt für die Umsetzung kein Geld zu haben. Auch das Land hat bisher nicht in Fördertöpfe gegriffen, um den Weg in die Zukunft zu ebnen.

In diesem Jahr soll zumindest der Rundweg metergenau fertig geplant und zum Teil begonnen werden. Er gilt als Grundstock für die künftige Gestaltung des Zoos. Die Planung für die Afrikasavanne 2 werde ebenfalls fortgesetzt, sagt Merz. Wichtigste Einzelinvestition ist das neue Sanitärgebäude für die Mitarbeiterinnen, das als Plus-Energie-Haus geplant ist.

Das sind die acht neuen Arten

Die Tierinventur ergab 136 Tierarten mit 886 Einzeltieren. Als neue Arten beherbergt der Zoo seit 2019 die Sumpfschildkröte, die Vietnamesische Krokodilschwanzechse, den Vietnamesischen Moosfrosch, eine amerikanische Greifvogel-Art, die Feuerwiesel sowie die Haustierrassen Thüringer, Dalmatiner Rex (beides Kaninchen) und Mangalitza-Wollschweine.

Nicht Teil der Inventur, aber doch an lichten Stellen sichtbar, sind die wegen der Rußrindenkrankheit gefällten Bäume. Die Fällungen sind noch nicht abgeschlossen. Insgesamt sind laut Zoo-Sprecher Sebastian Krüger 500 der 10.000 Bäume im Zoo betroffen.

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