Mal was anderes: Kultur verschenken

Erfurt.  Das Kulturquartier bietet einen zusätzlichen Anreiz zum Zeichnen von Anteilen für das alte Schauspielhaus: Freitickets der 2020er Sommerkomödie.

Kulturquartier und Sommerkomödie gut gelaunt vereint - Tely Büchner mit einem Packen Freitickets für die Sommerkomödie, Volker Nienstedt, Karina Halbauer (v.l.)

Kulturquartier und Sommerkomödie gut gelaunt vereint - Tely Büchner mit einem Packen Freitickets für die Sommerkomödie, Volker Nienstedt, Karina Halbauer (v.l.)

Foto: Foto: Michael Keller

In der vierten Etage im Kurhaus Simone am Wenigemarkt hat man einen netten Blick auf den kleinen Puffbohnen-Weihnachtsmarkt. Zufriedene Touristen kauen beseelt an ihrer Bratwurst und schlürfen Glühwein dazu. Auch im Oberdeck Nr. 4 blickt man nur in zufriedene, entspannte Gesichter. Tely Büchner und Karina Halbauer vom Vorstand des Vereins Kulturquartier Erfurt wollen ein Fazit für 2019 ziehen. Volker Nienstedt von der Sommerkomödie nutzt die Gelegenheit, um mit einem gelben Briefumschlag für Freude zu sorgen.

150 Veranstaltungen mit 17.000 Besuchern

Es sei ein „intensives Jahr“ als Kulturquartier-Verein gewesen, resümiert Tely Büchner. Über 150 Veranstaltungen per anno, mehr als 17.000 Besucher – das kann sich sehen lassen. Um so beachtlicher wird diese Zahl, wenn man bedenkt, dass die Organisation, Vorbereitung, Nachbereitung, die Absicherung aller Veranstaltungen, die Logistik ausschließlich in den Händen von Ehrenamtlern lag und auch weiter liegen wird. Über 70 Mitglieder hat der Verein, der harte Kern, das sind so um die 30 bis 40 Leute, schmeißt den Laden aktiv. Damit man sich nicht vertut, wurden sieben Arbeitsgruppen gebildet (Veranstaltung, Akquise/Öffentlichkeitsarbeit, IT, Hauskauf, Architektur, Struktur). Das, so die beiden Vorständlerinnen, ermögliche eine zielgerichtete Arbeit und klare Ansagen an die Leute, die mitarbeiten wollen. Es funktioniert, so Büchner. Und das ohne Vorbilder andernorts, bei denen man Anleihen hätte nehmen können. Alles selbst erarbeitet. „Wir sind ein großes Labor“, sagt Halbauer. Mit Luft nach oben.

Neue Idee: Kulissenhaus bespielbar machen

Improvisationsvermögen ist gefragt und Flexibilität. So wurde beispielsweise ein eigenes, gut funktionierendes Ticketsystem eingeführt. Als nächstes widmet sich der Verein dem Bühnenturm, dem früheren Kulissenhaus. Die Idee: eine Bühne mit mobilen Elementen, bespielbar von mehreren Seiten. 2020 sollen erste Ergebnisse in Form von Vorstellungen zu sehen sein.

Anteile ab 500 Euro zu haben

Die nahe liegendste Idee aber zielt auf Weihnachten ab. Im Jahresendspurt möchte der Kulturquartier-Verein noch einmal Werbung machen zum Kauf von Anteilen, die dazu dienen, das alte Schauspielhaus zum Ort der kulturellen Vielfalt wieder ganz ins Bewusstsein der Erfurter zu holen. 500 Euro kostet ein Anteil, ab dem Kauf von zweien ist man mitspracheberechtigt in der Mitgliederversammlung. Was spräche dagegen, mit einem oder zwei oder noch mehr Anteilen liebe Menschen oder sich selber zu beschenken? Eigentlich nichts. Und hier kommt die Sommerkomödie ins Spiel.

Freikarten für die Sommerkomödie 2020 als Bonus

Ihr Mitgründer, Volker Nienstedt, hat den ersten Schritt bereits vollzogen. Aus dem Plus, dass man voriges Jahr und in diesem Jahr mit dem grandiosen wie famosen Stück „Diener zweier Herren“ gemacht hat, wurden für 5000 Euro Kulturquartier-Anteile gezeichnet. Doch damit nicht genug. Nienstedt und seine GmbH spenden Freikarten für die nächste Saison, wenn vom 30. Juli bis zum 29. August 2020 die romantische Komödie „Cyrano de Bergerac“ in der Regie von Markus Fennert in der Barfüßerruine aufgeführt wird. Wie viele das sein werden, das hängt davon ab, wie viele Anteile für das Kulturquartier bis zum 31. Dezember noch gezeichnet werden. Zwei Anteile an der Kulturgenossenschaft bedeuten dann in diesem Kontext zwei Freikarten gratis als Draufgabe. Eine Rendite von sieben Prozent“, hat Nienstedt ausgerechnet. So viel zahlt in ganz Europa keine Bank. Und man erwirbt damit gleichzeitig noch das unbezahlbare Gefühl, etwas für die Kulturszene in Erfurt getan zu haben.

Derzeit Genossenschaftsanteile für 815.000 Euro gezeichnet

Im Laufe des zu Ende gehenden Jahres ist es dem Verein gelungen, die Summe der gezeichneten Genossenschaftsanteile um ein Viertelmillion auf insgesamt 815.000 Euro erhöht zu haben. Für Tely Büchner sei es jedoch kein Muss, die angestrebte Million unbedingt mit dieser Weihnachtsaktion voll zu machen. Sie denkt eher in die Richtung, dass Erfurterinnen und Erfurter, deren Sympathie ungeteilt dem Kulturquartier und der Sommerkomödie gelten, den letzten Schritt, mit dem sie vielleicht schon länger geliebäugelt haben, nun zu vollziehen. Ein Synergie-Gedanke, den auch Volker Nienstedt teilt. „Wir haben bei unserem Publikum immer um Vertrauen für die Kulturgenossenschaft geworben und möchten nun die Sympathisanten dazu animieren, sich auf diese Art und Weise für die Kultur in Erfurt zu engagieren“, sagt er und wedelt einladend mit einem Bündel Freikarten. Am Ende habe man so einen dreifachen Gewinn: Anteile, Freikarten und das gute Gefühl, etwas für Erfurts kulturelle Vielfalt getan zu haben. Wer sich durchringen kann, sollte die Webseite des Kulturquartiers anklicken. Dort gibt es alle Informationen und ein Formular, um per Mail Anteile für ein besonderes Weihnachtspräsent zu zeichnen.

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