„Man kann es keinem mehr recht machen“

Alach.  Rainer Blasse wurde am 26. Mai 2019 erneut zum Ortsteilbürgermeister in Alach gewählt

Rainer Blasse ist seit 16 Jahren  Ortsteilbürgermeister in Alach.

Rainer Blasse ist seit 16 Jahren Ortsteilbürgermeister in Alach.

Foto: Foto: Michael Keller

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Eigentlich ist Rainer Blasse gerade nicht zum Reden zumute. „Der Zahnarzt“, sagt er. Alles klar. Aber wer mit rund 90 Prozent am 26. Mai zum Ortsteilbürgermeister gewählt wird, und schon 15 Jahre zuvor dieses Ehrenamt bekleidete, hat immer etwas zu erzählen. Eigentlich ist der 59-Jährige CDU-Mann nicht unzufrieden. Neuer Kindergarten, Schule saniert, Feuerwehrhaus neu gebaut. Dinge, um die ihn andere Amtskollegen beneiden. Aber mit dem Kindergarten ist es so ein Ding. Im Bergkreis ist man geburtenfreudig. Aus dem Einzugsgebiet bis hin nach Töttelstedt oder Frienstedt bringt man den Nachwuchs nach Alach. Geplant wurde der Neubau für 70 Kinder, dann plante man für 90. Und trotzdem platzt die Kita aus allen Nähten. 100 Prozent belegt.

Der neue Kindergarten platzt bereits aus allen Nähren

Alach, das mit Schaderode eine Einheit bildet, hat derzeit etwa 1280 Einwohner. Es könnten aber mehr sein. Viele junge Städter würden gern herziehen. Platz für ein neues Baugebiet wäre da, sagt Blasse. Aber ist das auch sinnvoll? Eine funktionierende Infrastruktur wäre die Voraussetzung. „Aber dann kommen junge Familien, es werden Kinder geboren und wir wissen nicht wohin mit dem Nachwuchs“, sagt Blasse. Einziger Ausweg aus seiner Sicht: Marbach baut einen Kindergarten. „Das würde bei uns Druck vom Kessel nehmen“.

Man stellt uns in der Stadtverwaltung nur als Nörgler hin

Parkplatzprobleme im Ort sind das nächste Thema. Beim Fußball, beim Bäcker, bei Hoffesten im „Magda“, ist kein Durchkommen mehr, wenn die Städter anrücken. Der Parkplatz an der Schenke – die leider nur noch in Ausnahmefällen bewirtet wird, da noch kein Nachfolger für den Wirt gefunden ist – ist dann ratzfatz voll. „Und dann kommt doch tatsächlich ein Amt aus der Stadtverwaltung und will uns auch noch in unseren engen Gassen 1,50 Meter breite Bürgersteige aufs Auge drücken“, sagt Blasse deutlich ungehalten. Das sei ein weiteres Beispiel für nicht richtig funktionierende Zusammenarbeit mit der Stadt. „Die stellen uns in den zugehörigen Dörfern gern als Nörgler hin. Aber wir sind vor Ort, kennen die Situation genau. Doch wenn wir was vorschlagen, fallen wir stets hinten runter“. In seinen 16 Jahren Amtszeit habe sich dieses Verhältnis stetig verschlechtert. Kein Wunder, dass da die Bereitschaft mitzuhelfen, immer mehr abnehme. Um so größer sind die Stücke, die der Bürgermeister auf seine acht Ortschaftsräte hält.

Verbindungsstraße nach Schaderode - ein ewiges Ärgernis

Genug kritisiert, Blasse blickt voraus. Die Schule muss zweizügig werden. Und es brauche für die Kinder eine kleine Ein-Feld-Halle. Da hoffe man auf Klärung im Sinne der Alacher. Im Sinne der Salomonsborner wäre es, dass die einzige Verbindungsstraße endlich mal fertig würde. In einer Bürgerversammlung wurde der Oktober versprochen. Pustekuchen. Immer noch nicht fertig. Erst im Frühjahr geht es weiter. Kein Wunder, dass es da grummelt.„Wir haben einen Arzt, einen Zahnarzt, einen Physiotherapeuten, einen Bäcker, Gastronomie, eine Freizeitanlage. Dinge, die für den Ort sprechen. Dagegen spreche das Fehlen einer Einkaufsmöglichkeit. Aber für den Handel ist der Ort zu winzig. Da stimmt der Umsatz nicht und der Aufwand ist zu hoch. Und noch etwas ist unschön: der Lärm von der nahe vorbeiführenden A71. Aber daran lasse sich nichts ändern.

Bratwurstcontest mit den fränkischen Karnevalisten wartet aufs „Rückspiel“

„Es ist eine Zeit, wo man es keinem mehr recht machen kann“, sagt Blasse mit leiser Schwermut. Er jedenfalls sei vorsichtig geworden. Aber es gebe auch schöne Momente. Wie den großen Bratwurstcontest, den man haushoch gegen die fränkischen Herausforderer aus Feucht gewann. Initiiert von den beiden Karnevalvereinen, hatte man viel Spaß bei Bratwurst, Bornsenf und Aro. Und freut sich schon auf das „Rückspiel“ in zwei Jahren in Alach. „Was wir natürlich wieder genau so souverän gewinnen“, sagt Blasse und lacht. Trotz der Zahnschmerzen.

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