Wo droht der Hitzekollaps? - Mit dem Mess-Rucksack durch die Erfurter Krämpfervorstadt

Erfurt  Eine Forscherin der TU Dresden prüft Erfurter Osten auf Hitzebeständigkeit. Einige Plätze sind arg gefährdet.

In den letzten Jahren ein häufiges Bild: So wie am Gothaer Platz hat das Grün wegen der Trockenheit und der Hitze an vielen Stellen gelitten.

In den letzten Jahren ein häufiges Bild: So wie am Gothaer Platz hat das Grün wegen der Trockenheit und der Hitze an vielen Stellen gelitten.

Foto: Marco Schmidt

Mit einer 15 Kilogramm schweren mobilen Wetterstation auf dem Rücken zog Astrid Ziemann in den vergangenen Tagen durch die Erfurter Oststadt. Das Ziel der promovierten Meteorologin der Technischen Universität Dresden ist die Untersuchung der Hitzebelastung in großstädtischen Wohnquartieren.

„Ich gehe über die Tage immer zu abgestimmten Uhrzeiten den gleichen Weg durch die Oststadt und messe damit die Hitzewirkung auf Fußgänger auf der Straße, auf Plätzen und auch in Innenhöfen“, erklärt die Wissenschaftlerin.

Der eigens an der TU Dresden entwickelte Stadtklima-Messrucksack speichert dabei die Daten der Luftfeuchtigkeit, Windgeschwindigkeit, Sonneneinstrahlung und auch der Oberflächentemperatur. Dabei werden vor allem die Unterschiede von begrünten und versiegelten Flächen untersucht: „Auf dem Leipziger Platz ist es uns besonders aufgefallen. Da unterscheidet sich die Oberflächentemperatur des Rasens kaum noch von der des umliegenden Asphalts, weil die Grünfläche durch die Sonne so vertrocknet und kahl ist. Das ist dann in beiden Fällen die Temperatur von 50 Grad auf der Oberfläche“.

Auf den Rundgängen, die jeweils vier Kilometer lang sind und bestenfalls durchgehend im Laufen absolviert werden, gibt es auch andere gezielte Stopps. So misst die Meteorologin auf dem Spielplatz in der Abzweigung der Halleschen Straße schon vormittags um 11 Uhr eine Temperatur von 30 Grad in der Sandkiste.

Die Forstwirtschaft muss umdenken


Um ein möglichst aussagekräftiges Bild der Wohnquartiere zu bekommen, geht Ziemann auf ihren Touren auch in einen Innenhof in der Rathenaustraße und kreuzt in diesem Viertel mehrere Straßen, um weitere Werte zu erzielen: „In diesen Straßen gibt es einige Besonderheiten. Durch die unterschiedliche Wärmeabstrahlung der Häuser ist es in der Straßenschlucht der Iderhoffstraße bis zum späten Abend fast durchgängig sehr heiß, während die Thälmannstraße und auch die Lagune in der Werner-Uhlworm-Straße im Vergleich richtig erfrischend sind“.

In dem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Projekt „Heat Resilient City“, geht es nach der Erfassung der nötigen Daten auch um die praktische Umsetzung zur Entwicklung einer „hitzerobusten Stadt“. „Wir denken an Anpassungsmaßnahmen für das stetig wärmer werdende Klima“, wie Guido Spohr, der Koordinator des Projekts in der Oststadt, das von der Fachhochschule Erfurt initiiert wird, sagt. „Die Gegebenheiten in den einzelnen Wohnquartieren sind natürlich heterogen. Uns geht es darum, was getan werden kann, um die Städte hitzeresistenter zu gestalten. Die Maßnahmen sind im Prinzip schon entworfen. Das betrifft das Bewässern von Bäumen, Schaffen von Grünflächen oder eben auch solche Dinge wie Versickerungsmulden wie am Thüringen-Park“.

Auch für die Forstwirtschaft sieht der Projektkoordinator aus dem Umwelt- und Naturschutzamt zukünftig ein Umdenken: „Das Grundproblem ist nicht nur, dass weiter bepflanzt wird, sondern auch, was gepflanzt wird. Welche Pflanzen sind hitzebeständig und wie sind sie zu bewässern?“

Astrid Ziemann, die das Projekt schon in Dresden durchgeführt hat, zieht ihren Wunsch aus ihren dortigen Erfahrungen: „In der Zukunft braucht es mehr Bäume. Es wäre aber schon ein großer Schritt, wenn die Bäume bestehen bleiben, die da sind. Es dauert ja auch eine Weile, bis neue Bäume groß genug fürs Schattenspenden sind“.

Erste Ergebnisse ihrer Forschung stellt sie in einem halben Jahr in Aussicht.