Vorbereitungen für die Buga: Mittelschiff der Erfurter Peterskirche ist wieder offen

Erfurt  Der Innenraum wird für die Buga-Ausstellung „Paradiesgärten – Gartenparadiese“ vorbereitet. Drei Firmen sind parallel mit Sanierungsarbeiten beschäftigt.

In die Säulen hatten die Preußen Einbuchtungen geschlagen, um Balken für die Zwischendecke einzufügen.

In die Säulen hatten die Preußen Einbuchtungen geschlagen, um Balken für die Zwischendecke einzufügen.

Foto: Hartmut Schwarz

Die Preußen lagerten Mehl hier ein und legten für die schweren Karren eine Art Straße aus Kalksteinen in den Mittelgang. Hackten Einbuchtungen in die massiven Säulen, um Balken für eine Zwischendecke einzuziehen. Das DDR-Militär ließ später auf dieser Ebene die Soldaten zum Sport antreten.

Heute steht Silvia Wagner von der Stiftung Thüringer Schlösser und Gärten am Eingang der Klosterkirche St. Peter und Paul und sagt: „Wir wollen bis zur Bundesgartenschau den romanischen Bau wieder erlebbar machen.“ Mit dem Entfernen der architektonischen Schandtat früherer Generationen ist die Schlösserstiftung ihrem Ziel einen großen Schritt näher gekommen.

Die Wandlung im Inneren der aus dem 12. Jahrhundert stammenden Peterskirche auf dem Petersberg ist frappierend. Wer eintritt, steht in einem langgestreckten, hohen Raum. Zur Buga soll hier die Ausstellung „Paradiesgärten – Gartenparadiese“ zu sehen sein und Gartenkunst in Thüringen vom Mittelalter bis zum 20. Jahrhundert anschaulich machen.

Auch im Umfeld der Kirche werden Gärten eine Rolle spielen. Schließlich waren es im Mittelalter noch die Klöster (und nicht die Fürstenhöfe), die die Gartenkultur prägten. Fünf Millionen Euro hat das Land Thüringen der Stiftung zur Verfügung gestellt, damit sie die Peterskirche bis zur Buga nutzbar und vorzeigbar machen kann.

Wobei letzteres ja grundsätzlich außer Zweifel steht. „Die Kirche ist berühmt für ihre Steinmetzarbeiten und gehört zu den beeindruckendsten romanischen Zeugnissen in Thüringen“, schätzt Doris Fischer, Direktorin der Schlösser-Stiftung, ein. Dass aber nun in kurzer Zeit eine große Summe zur Verfügung steht, das helfe maßgeblich, gerade diese besonderen Qualitäten zu erhalten und sichtbar zu machen.

So gelten die meisten Arbeiten der Außenhaut des monumentalen Bauwerks. Und da sind auch starke Beschädigungen, etwa massive Schäden in den Traufbereichen, zu beseitigen. Echter Hausschwamm hat dem Mauerwerk zugesetzt. Da ist auch „Müll aus drei Jahrhunderten“ zu entfernen, wie Architekt Frank Spangenberg sagt, der die Arbeiten zur Sanierung leitet.

Drei Firmen sind parallel an der Fassade und zum Teil am Dach zu Gange. Noch ein Jahr ist Zeit für die Arbeiten, die viel Schmutz machen. Danach soll bereits die Ausstellung aufgebaut werden. Während 2021 die Peterskirche also von außen wie „neu“ aussehen wird, gilt im Innenraum die Devise, dass erstmal alles kaschiert und gesichert wird, was nicht gleich und in der nötigen Qualität restauriert werden kann.

Die Kosten für den Innenraum sind „nicht abschätzbar“, sagt Architekt Frank Spangenberg. Aber auch aus dem Grund, weil niemand so richtig weiß, wie das Haus einmal genutzt werden soll. So steht auch im Raum, dass es mit dem geplanten Landesmuseum verbunden werden soll.

So aber wird bis zur Buga im Innenraum ein Asphaltboden gelegt, der spurenlos wieder herausgenommen werden kann. Denn unter dem Ziegelboden der Preußen befinden sich noch Grablegungen, von denen die Grabplatten aber schon beim Festungsbau verwendet wurden, oder – wie die vom Grafen von Gleichen im Dom – an anderer Stelle gelandet sind. Den Boden zu öffnen, würde hingegen sofort kostspielige archäologische Untersuchungen erfordern. Der temporäre glatte Boden ist aber ein Muss für die Barrierefreiheit während der Gartenschau.

Retuschiert werden auch Teeranstriche an den Säulen, den die Preußen verbockt haben, um etwa das Mehl offen lagern zu können. Die Schichten grob zu entfernen, birgt aber die Gefahr, darunter liegende Farbschichten unwiderruflich zu zerstören. Denn überall im Innenraum tauchten Farbreste auf, die ein spannendes Feld für die Restauratoren sind. Aber eben erst später, wenn auch Geld dafür da ist. Bis dahin bleiben die Verkrustungen darüber dran.

Damit während der Buga auch Veranstaltungen hier stattfinden können, hat man sich im hinteren Teil der Kirche einen Kniff ausgedacht. Ein Zwischenboden in 45 Zentimeter Höhe nimmt das Niveau des einstigen Chores auf. So entsteht hier bis zur Buga eine Art Bühnensituation – und wird danach wieder entfernt.

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