Naturfreunde eröffnen zentrales Verbandshaus in der Erfurter City

Erfurt  Die Begegnungsstätte soll Anlaufpunkt für Naturfreunde aus aller Welt werden. Der Kauf des Hauses erfolgte mit Hilfe einer Entschädigung.

Die Johannesstraße 127 ist nun in Naturfreunde-Hand. Das Haus benannten sie nach der Widerstandskämpferin und Naturfreundin Charlotte Eisenblätter.

Die Johannesstraße 127 ist nun in Naturfreunde-Hand. Das Haus benannten sie nach der Widerstandskämpferin und Naturfreundin Charlotte Eisenblätter.

Foto: Anja Derowski

Das Rennsteiglied hallte bis zur Stadtmauer. Mit guter Stimme und vor allem bestens gelaunt besang der spontane Chor der Naturfreunde am Samstag die Einweihung des neuen Naturfreundehauses in der Johannesstraße 127.

„Das Haus wird eine zentrale Begegnungsstätte für Naturfreunde aus aller Welt werden“, kündigte Anja Zachow, Landesvorsitzende der Naturfreunde Thüringen, an. „Die zentrale Lage des Hauses am bundesweiten Bahnknoten Erfurt bietet dafür ideale Voraussetzungen.“

Früher befand sich darin die HO, später, wie sich der Bundestagsabgeordnete Carsten Schneider (SPD) lachend erinnerte, das Enchilada – ein mexikanisches Restaurant, das vor allem als Bar bekannt war. Er hatte sich vor einigen Jahren für Entschädigungen für die Naturfreunde eingesetzt.

Hintergrund: Der politische Freizeitverband der Naturfreunde war bis 1933 gerade auch im Osten Deutschlands stark vertreten. Naturfreunde-Häuser und Konsumgenossenschaften der Organisation der Arbeiterbewegung waren Teil der tätigen Selbsthilfe mit wichtigen Stützpunkten nicht nur in Berlin, sondern vor allem auch in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. 2016 wurden die Naturfreunde teilweise für die Enteignung ihres umfangreichen Arbeitervermögens durch die Nazis von der Bundesregierung entschädigt. Bundesweit gibt es rund 400 Naturfreunde-Häuser, weltweit etwa 700. Weil die Naturfreunde im Dritten Reich verboten und verfolgt und in der DDR dann nicht zugelassen wurden, gibt es in Ostdeutschland nur relativ wenige Naturfreunde-Häuser. Seit der Wende steht deshalb der Wiederaufbau der Strukturen im Fokus des Verbandes. Einen wesentlichen Teil der Entschädigungszahlungen setzen die Naturfreunde nun für diese bundesweite Bildungs- und Begegnungsstätte in Erfurt ein.

„Der Wiederaufbau einer lebendigen Naturfreunde-Bewegung wird Thüringen gut tun, denn er belebt die demokratische Zivilgesellschaft um eine einzigartige sozialökologische Facette,“ sagte Harald Peschken, der Bundesfachbereichsleiter Naturfreunde-Häuser.

Das Haus in der Johannesstraße bietet neben einem großen Seminarraum zahlreiche weitere Räume und Büros für 18 Beschäftigte. Benannt wurde das Haus nach der Widerstandskämpferin, Arbeitersportlerin und Naturfreundin Charlotte Eisenblätter. „Die Benennung betont zum einen, dass die Naturfreunde-Bewegung immer auch von starken Frauen geprägt war. Gleichzeitig wollen die Naturfreunde auf den aktuellen rechtspopulistischen und rechtsextremen Trend aufmerksam machen“, sagte Landesgeschäftsführerin Kristine Müller.

Gemeinsam mit vielen Helfern war das Haus in den vergangenen Monaten umgebaut und saniert worden. Noch ist nicht alles fertig, ein paar Türen, Leisten und Lampen fehlen noch. Doch der Einzug wird ab Montag erfolgen. Aus den bisher zwei Anlaufstellen – Magdeburger Allee und Hirschlachufer – wechseln die Naturfreunde des Landesverbandes und der Naturfreundejugend ins neue Haus.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.