Neue Lichtsignale und ein Weihnachtszug

Erfurt.  Am ersten Adventssonntag öffnet wieder die Modellbahn „Johannes Scharrer“ nahe des Erfurter Bahnhofes ihre Türen.

Ein bisschen wie Weihnachten ist es auf der Modellbahnanlage „Johannes Scharrer“

Ein bisschen wie Weihnachten ist es auf der Modellbahnanlage „Johannes Scharrer“

Foto: Marco Schmidt

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Erleuchtet fährt die Lok durch die Landschaft, über die sich langsam der Abend senkt. Ihr Licht trifft die Gleise, die Bäume rauschen vorbei. Eigentlich fehlt nur noch der Schnee – doch da ist es wie im realen Leben: meist gibt es keinen in der Weihnachtszeit.

Karl Heinz Becker schaltet die Lampen im Raum wieder ein und das Licht an der Lok aus. Vorbei ist es mit der Romantik, doch das Glänzen in den Augen bleibt. Modellbahn ist nicht nur was für Kinder. Am ersten Adventssonntag öffnet wieder die Modellbahn „Johannes Scharrer“ nahe des Bahnhofes ihre Türen. Die Anlage gehört zu den modernsten bundesweit, immerhin werden zukünftige Lokführer auch an der Anlage ausgebildet. Dabei gilt sie als älteste in Deutschland. Die Grundplatte ist 70 Jahre alt, die älteste Lok 55 Jahre. Doch hier fahren auch hochmoderne Züge wie der Doppelstock-ICE.

Raildox finanziert Sanierung

Über 323 Meter Gleislänge verfügt die Anlage in der Schmidt­stedter Straße: 97 einfache Weichen, 15 Kreuzweichen und vier Dreiwegweichen ermöglichen unterschiedliche Wege. 60 Quadratmeter ist die Anlage groß. Die Landschaften sind nicht real, allerdings enthalten sie Elemente, die beispielsweise der ehemalige Lokführer Karl Heinz Becker auf seinen Fahrten durch Thüringen gesehen hat.

Vor 51 Jahren hatte er den Vorsitz des Vereins übernommen, im letzten Jahr gab es das Amt ab. Doch in der Ausstellung ist er dennoch häufig anzutreffen. „Wir haben neue Lichtsignale und arbeiten nun mit drei Signalsystemen“, sagt er. „Mit dem alten, mit dem moderneren der Reichsbahn und dem digitalen System der Deutschen Bahn.“ Doch im kommenden Jahr muss die Modellbahnanlage generalüberholt werden. „Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten repariert, geflickt. Jetzt bedarf es einer kompletten Sanierung, das muss ein“, betont Karl Heinz Becker. Das Gleis ist aus den 50er-Jahren, „das bröselt wie Zunder“.

Finanziell wird das Vorhaben von der Firma Raildox gestemmt. Die Zusammenarbeit des Vereins mit dem Unternehmen besteht seit sechs Jahren. Dessen Geschäftsführer Frank Rudolf setzt sich für die Anlage ein, für den Verein. Seit einigen Jahren hat Raildox die Räumlichkeiten angemietet, die Firma bezahlt Ersatzteile, die Signal- und Weichensysteme sowie die Bahnhofseinrichtungen. Das alles sind Lehrmittel. Oft steht hier ein Ausbilder mit Lehrgangsteilnehmern, in der Ausbildung zum Triebfahrzeugführer werden Grundkenntnisse an der Anlage vermittelt. Signaltechnik, Fahrstraßen, Durchrutschwege, Gefahrenpunkte, Weichenstellungen können aus der Vogelperspektive erklärt werden. Das ist besser, als nur davon zu berichten oder an der Tafel ein Modell aufzumalen. „Das Verhältnis zu Raildox ist einzigartig, es könnte kein besseres geben“, sagt Karl Heinz Becker.

Er verrät: Ein kleiner Weihnachtszug wird in den kommenden Wochen herumfahren und Kinder, die ihn entdecken, bekommen eine süße Überraschung.

Im Verein selbst fehlt es an Nachwuchs, die meisten der 13 aktiven Mitglieder sind über 60 Jahre alt. Es sei schwer, in der heutigen Zeit Kinder für die Modellbahn zu begeistern, berichtet Karl Heinz Becker. „Wir wünschen uns noch mehr Kinder ab zehn Jahren, die im Verein mitwirken möchten.“

Nun, vielleicht entdeckt in der Weihnachtszeit bei einem Besuch der Anlage so manches Kind sein Interesse für die Modellbahn . . .

Öffnungszeiten:

1.12., 7. und 8.12., 14. und 15.12. jeweils von 13 bis 17 Uhr

Schmidtstedter Straße 39

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