Neuer Blick auf Erfurts Alte Synagoge

Erfurt  Bildband zum zehnjährigen Bestehen des Erfurter Museums. Fotos von Marcel Krummrich und Ulrich Kneise

Der Fotograf Ulrich Kneise hat den Westgiebel der Alten Synagoge in einem Schwarz-Weiß-Foto abgebildet.

Der Fotograf Ulrich Kneise hat den Westgiebel der Alten Synagoge in einem Schwarz-Weiß-Foto abgebildet.

Foto: Ulrich Kneise

Einen neuen und künstlerischen Blick auf die Alte Synagoge und den dort ausgestellten Schatz eröffnen die Fotografien von Marcel Krummrich und Ulrich Kneise: Fast auf den Tag genau zehn Jahre besteht das Museum nun, das sich mit einem Bildband und einer dazugehörigen Ausstellung selbst und die Besucher beschenkt.

Eigentlich, so verrät Kuratorin Maria Stürzebecher, habe nur einer als Fotograf des Bildbandes aus einem Wettbewerb hervorgehen sollen. Als die Jury aber die distanziert-zurückgenommenen Schwarz-Weiß-Aufnahmen Kneises neben den stimmungsvollen Inszenierungen Krummrichs als Arbeitsproben sah, sei klar gewesen: „Gerade in ihrem Kontrast wirken sie hervorragend miteinander.“ Den Bildern hinzugesellen werden sich Essays von Elena Rauch und Henrik Goldberg, beides Autoren dieser Zeitung.

Sie schreiben damit mit an der Erfolgsgeschichte des Museums Alte Synagoge: Mit rund 42.000 Besuchern im Jahr hat sich die Einrichtung zum „erfolgreichsten Museum der Stadt“ entwickelt, wie Kurator Hardy Eidam sagt, der mit Maria Stürzebecher den Jubiläums-Bildband verantwortet.

Mit diesen Besucherzahlen ist das Haus, dessen Ausstellung sich allein aus für Erfurt historisch authentischen Stücken zusammenfügt, auch an seiner Belastungsgrenze, weiß Maria Stürzebecher. Wächst die Besucherzahl weiter, müsse das Besuchersystem geändert und Kartenvorverkauf ermöglicht werden, sagt sie. „Keine kulturgeschichtlich interessierte Reise-gruppe kommt an diesem Haus vorbei“, sagt Hardy Eidam.

Dass die Koordinierungsstelle jüdisches Leben, in deren Regie die Alte Synagoge fällt, seit mittlerweile einem Jahr nicht besetzt ist, tut dem Erfolg des Museums keinen Abbruch. Man hat sich „reingeteilt“ in die Aufgaben, die ein solches Haus mit sich bringt. Eine Neubesetzung soll Anfang kommenden Jahres endlich erfolgen, heißt es. Und Annegret Schüle, verantwortliche Kuratorin des Erinnerungsortes Topf & Söhne und amtierende Leiterin der Erfurter Geschichtsmuseen, ist besonders froh, dass auch die Stelle der Museumspädagogin vor einer Neubesetzung steht. Besonders vor dem Hintergrund von wachsendem Antisemitismus und des Angriffs auf die Synagoge in Halle sei es wichtig, „junge Menschen schon frühzeitig damit vertraut zu machen, was jüdisches Leben bedeutet und das es zu unserer Stadt gehört“, so Schüle.

Die beiden beauftragten Fotografen hätten beispielsweise auch die jüdischen Grabsteine fotografiert, die heute im sogenannten Steinernen Haus am Benediktsplatz verwahrt sind. Nach jüdischer Bestattungskultur hätten sie für die Ewigkeit auf dem mittelalterlichen jüdischen Friedhof stehen bleiben sollen: „Insofern machen die Fotos eine weitere Narbe im jüdischen Quartier sichtbar, die an das verschwundene jüdische Leben erinnert“, so Schüle. Dass diese Grabsteine einst gar zum Straßen- oder Hausbau genutzt wurden, drücke „die besondere Grausamkeit und den Vernichtungswillen“ aus, der sich gegen die Juden gerichtet habe.

Und noch etwas leiste das Museum Alte Synagoge heute: „Es zeigt, dass jüdisches Leben schon lange zu dieser Stadt gehört. Für die Mitglieder der heutigen jüdischen Gemeinde zeigt es deren Wurzeln“, freut sich Annegret Schüle.

Eine Nacht lang wird der Geburtstag gefeiert

Gefeiert werden soll das Jubiläum mit einer Festveranstaltung und einer besonderen Nacht unter dem Motto „Zehn Jahre und eine Nacht“: Am 26. Oktober öffnet sich das Museum Alte Synagoge um 17 Uhr mit einem Programm, das bis zum Folgetag zur normalen Museumsöffnungszeit reicht. Es wird quasi reingefeiert in den Geburtstag, der ein Wahlsonntag ist. Einem Festakt um 18 Uhr schließt sich mittelalterliche jüdische Musik an, es gibt eine Podiumsdiskussion zur Zukunft des Judentums in Deutschland und Europa an und danach die Ausstellungseröffnung zum Fotobuch. Führungen auf den Dachboden und in die Schatzkammer, Theater mit Annette Seibt und Coco Ruch, Lesungen, Filmpräsentation, Sitzdisco und mehr sollen Besucher in der Nacht anlocken. Ab 18 Uhr ist zudem ein Wiedersehen für Kinder mit dem Drachen Fridel geplant, im pädagogisches Programm der Kinderstadtführerin Franziska Bracharz.

Zur Lesung von „Dunkles Gold“ der Autorin Mirjam Pressler wurden Antje Bauer (Direktorin des Stadtarchivs Erfurt), Henry Köhlert (Stadtwerke), Christian Büttner (WBG Einheit), Sarah Laubenstein (amtierende Kulturdirektorin) und Dr. Karin Sczech vom Thüringer Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie gewonnen.

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