Postkarten, Skype und die Kunst der Rangoli-Bodenmalerei

Erfurt  Das Königin-Luise-Gymnasium aus Erfurt beginnt als erste Schule in Thüringen Partnerschaft mit einer Einrichtung in Indien

Mit einem tollen Programm, bei dem auch diese Schülerinnen tanzten, wurde die Unterzeichnung eines Partnerschaftsvertrages mit der Sajoni-Schule in Coimbatore gefeiert. Michael Walther und Peggy Homfeldt (Mitte) vom Königin-Luise-Gymnasium waren im September nach Indien gereist, um das Projekt zu starten.

Mit einem tollen Programm, bei dem auch diese Schülerinnen tanzten, wurde die Unterzeichnung eines Partnerschaftsvertrages mit der Sajoni-Schule in Coimbatore gefeiert. Michael Walther und Peggy Homfeldt (Mitte) vom Königin-Luise-Gymnasium waren im September nach Indien gereist, um das Projekt zu starten.

Foto: Michael Walther

Der Tisch im Büro von Michael Walther ist zur Hälfte gut gefüllt. Tücher, Bücher, eine Stele im Glaskasten, Broschüren und Anstecker liegen auf der Fläche – Mitbringsel einer Reise. Und zwar einer ganz besonderen. Der Leiter des Königin-Luise-Gymnasiums und Lehrerin Peggy Homfeldt waren kürzlich in Indien, um mit der Sajoni-Schule in der Stadt Coimbatore eine Absichtserklärung für eine Schulpartnerschaft zu unterzeichnen.

„Das ist die erste Partnerschaft einer Thüringer Schule mit einer indischen Schule“, sagt der Schulleiter stolz. Erste Kontakte entstanden im vergangenen Jahr, als das Bildungsministerium im Königin-Luise-Gymnasium einen Projekttag mit indischen Projekten anfragte. Der Tag wurde ein großer Erfolg, die indische Botschafterin war zu Gast. Später erfolgte ein Gegenbesuch in der indischen Botschaft in Berlin. Über die Landesentwicklungsgesellschaft Thüringen, die schon länger wirtschaftliche Kontakte nach Indien pflegt, konnte der Schulleiter mit dem ehemaligen Schulsprecher Linus Mach im Februar bereits nach Indien reisen und Schulen besuchen – auch im Süden des Landes, in Coimbatore.

Mit der Sajoni-Schule soll nun die Partnerschaft aufgebaut werden. Peggy Homfeldt ist voller Ideen, ihre sechste Klasse hat sie bereits mit den indischen Kindern vertraut gemacht. Sie schrieben sich gegenseitig Postkarten, Briefe und Skypekonferenzen werden folgen. Natürlich soll das Englisch geschult werden, „vor allem aber möchten wir einen Weltblick den Kindern vermitteln“, sagt Michael Walther. „Einem Gymnasium steht das gut zu Gesicht.“

Die Schule steht in Partnerschaft mit Mainz und Frankreich. Einige Partnerschaften aus den Anfängen der 90er-Jahre ruhen indes. Nun sieht Michael Walther die Chance, etwas Neues anzufangen, den Kindern eine gänzlich andere Kultur zu vermitteln. Über Indien, meint er, sei wenig bekannt. Dies könne sich mit einer solchen Partnerschaft ändern. Nicht nur in Englisch oder Geografie soll diese Thema sein, sondern auch fächerübergreifend. Beispielsweise könnte die Abfallwirtschaft in beiden Ländern verglichen werden. Auch die indische Kunst der Rangoli-Bodenmalerei soll den Schülern näher gebracht werden.

„Das Interesse“, sagt Peggy Homfeldt, „ist groß bei den Schülern. Sie wollen mehr erfahren von diesem, ihnen noch unbekannten, Land“. Ob jemals Schüler hinfliegen können, wie es bei einem Schüleraustausch üblich ist, ist bisher nicht klar. Immerhin liegt das Land nicht um die Ecke wie Frankreich, das man nach sechs, sieben Stunden Zugfahrt erreicht hat.

Doch hier im Unterricht und in Projekten sollen die Kinder jede Menge Kontakt mit der Kultur bekommen. Auch eine Fotoausstellung im Schulgebäude ist geplant. In der Bibliothek befinden sich bereits einige indische Kinderbücher, die die Schule von der Botschaft geschenkt bekam.

„Außerdem möchte ich all diese Mitbringsel, die Geschenke, die wir in Indien erhalten haben, im Schulhaus ausstellen“, sagt Michael Walther. Schließlich sieht sie ja kaum jemand, wenn sie weiterhin auf dem Tisch liegen . . .

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