Proteste während des Papstbesuches in Erfurt geplant

Ab dem 23. September gerät die Landeshauptstadt in den Ausnahmezustand. Auch Kritiker der katholischen Kirche werden in Erfurt erwartet. Esther Goldberg sprach mit Philipp Böhm, Mitglied im Bündnis "Heidenspaß statt Höllenangst" über den geplanten Protest.

Philipp Böhm und andere wollen beim Papstbesuch in Erfurt demonstrietren.  Foto: Lutz Prager

Philipp Böhm und andere wollen beim Papstbesuch in Erfurt demonstrietren. Foto: Lutz Prager

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Warum will das Bündnis "Heidenspaß statt Höllenangst" gegen den Papst demonstrieren?

Im Bündnis sind verschiedene Gruppen, unter anderen der Arbeitskreis queer-Paradies von der Uni Jena und "Wider die Natur" aus Erfurt, Sabotnik und andere. Wir wollen ein Signal setzen gegen die Positionen der katholischen Kirche. Und deren Oberhaupt ist nun einmal der Papst.

Welche Positionen der katholischen Kirche kritisieren Sie während des Papst-Besuches?

Der Papst hat sich stark dafür eingesetzt, dass sich die katholische Kirche in die privaten Belange aller Menschen einmischt und mitreden darf. Das gilt beispielsweise für seine Position zur Geburtenkontrolle, die er generell ablehnt und seine vernichtende Haltung zur Homosexualität. So gesehen, ist der Besuch ein politisches Ereignis von besonderem Rang.

Haben Sie keine Sorge, dass Erfurt weltweit mit diesen Demonstrationen in ein schlechtes Licht geraten könnte?

Nein, wieso denn das? Warum darf der Papstbesuch nur unkritisch begleitet werden? Wir haben das Recht, die Positionen des Papstes zu kritisieren und müssen nicht kritiklos jubeln, dass er erstmals hierher kommt.

Können Sie garantieren, dass es nicht zu Ausschreitungen kommt?

Ich bin mir ziemlich sicher, dass es an beiden Tagen ein friedlicher Protest sein wird.

Was haben Sie geplant?

Am Freitag ab 18 Uhr gibt es nach dem Treff auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs eine Demonstration durch die Innenstadt, am Samstag während der Messe eine religionsfreie Zone auf dem Anger mit Gesprächen, Reden und natürlich auch einigen kreativen Aktionen, sozusagen als Heidenspaß.

Halten Sie es für möglich, dass sich auf Bahnhof und Anger Neonazis anschließen?

Das glaube ich kaum. Schließlich herrscht im Bündnis der Konsens, dass wir die katholische Kirche für ihre antisemitische Annäherung kritisieren, weil sie beispielsweise die Pius-Brüderschaft wieder aufgenommen hat.

Mit wieviel Demonstranten rechnen Sie?

Ich denke, es werden nicht mehr als 300 sein. Wir wissen, die Kirche bleibt im Dorf.

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