Rot-Weiß-Kapitän Andrej Startsev: „Ich will mit Erfurt aufsteigen“

Erfurt.  „Es geht hier alles in die richtige Richtung.“ Andrej Startsev, der Kapitän des FC Rot-Weiß Erfurt, sucht beim Fußball-Oberligisten seine zweite Chance.

Andrej Startsev will nach fünf siegreichen Spielen weiter auf der Erfolgswelle schwimmen.

Andrej Startsev will nach fünf siegreichen Spielen weiter auf der Erfolgswelle schwimmen.

Foto: Sascha Fromm

Zumindest auf dem Fußballplatz ist Andrej Startsev längst angekommen. Seit seinem Wechsel zum FC Rot-Weiß Erfurt hat er sechs Pflichtspiele über 90 Minuten bestritten, dabei fünf Siege gefeiert, ist mit seiner Mannschaft inzwischen auf Platz zwei geklettert und führt den Fußball-Oberligisten als Kapitän. „Jetzt hoffe ich, dass ich in Erfurt bald eine Wohnung finde“, sagt der 26-Jährige, der seit seinem Wechsel zum Fünftligisten noch im Hotel lebt.

Auch in den eigenen vier Wänden will er sozusagen eine Führungsrolle übernehmen. Im September war ihm sein 17 Jahre alter Bruder aus dem heimatlichen Hannover nach Erfurt gefolgt, der seither zum Kader der A-Junioren gehört. „Auch um ihn will ich mich kümmern“, sagt Startsev über die Familienzusammenführung, nachdem er im Verein eine Aufbruchstimmung ausgemacht hat: „Es geht hier alles in die richtige Richtung. Deshalb habe ich Enrico nach Erfurt gelotst.“

Acht Zweitligaspiele

Auch für den neuen Spielführer des FC Rot-Weiß soll es der Beginn eines ganz persönlichen Aufschwungs sein. Seine Karriere soll eine zweite Chance erhalten. Einst trainierte er unter solch Trainergrößen wie Ewald Lienen oder Michael Frontzeck. Als 20-Jähriger bestritt er beim FC St. Pauli sogar acht Zweitliga-Spiele. Aber als die Hamburger plötzlich im Abstiegskampf steckten, vertraute man damals lieber den erfahrenen Spielern.

Später kickte er für den FC Energie Cottbus, feierte mit den Lausitzern nach 26 Regionalliga-Einsätzen den Drittliga-Aufstieg. Er stand 120 Minuten auf dem Platz, als der Ex-Bundesligist im August 2018 beim 5:7 nach Elfmeterschießen den großen SC Freiburg fast aus dem DFB-Pokal gekegelt hätte. Mit Trainer Claus-Dieter Wollitz funkte er aber nicht mehr auf der gleichen Wellenlänge und fand sich später auf der Auswechselbank wieder.

Von Oldenburg nach Erfurt

Startsev wechselte in die Regionalliga, zum VfB Oldenburg. Erst warf ihn dort ein Muskelfaserriss aus der Bahn, dann stoppte ihn die Corona-Krise. Sein letztes Spiel über 90 Minuten bestritt er im vergangenen Dezember - bis er nach Erfurt wechselte. „Ich bin froh, dass ich hier eine neue Chance bekommen habe.“

Obwohl die Fußballwelt stillstand, konnte Startsev nicht stillsitzen. „Zwei Tage ohne Bewegung, da werde ich unruhig“, sagt der 26-Jährige, der zu Hause in Hannover ins Fitnessstudio ging, sich die Laufschuhe anzog oder mit Bruder Enrico sich den Ball zuspielte.

Als Fünfjähriger von Kasachstan nach Deutschland

Einst als Fünfjähriger mit seinen Eltern aus Kasachstan nach Deutschland gekommen, probierte er sich zunächst als Kampfsportler aus. „Ich habe aber entschieden, dass ich lieber Fußball spiele“, sagt Startsev, der ja als Abwehrspieler ebenso keinem Zweikampf aus dem Weg gehen kann.

Dass der Aufschwung beim FC Rot-Weiß stets aufs Neue erarbeitet werden muss, erlebte er mit seiner Mannschaft in Plauen, als nach dem 3:0-Vorsprung der Gegner noch zwei Tore erzielte und der Sieg ins Wanken geriet. „Wir dürfen niemanden unterschätzen, sonst wird es gefährlich.“

Andrej Startsev will nach fünf siegreichen Spielen weiter auf der Erfolgswelle schwimmen. Für den Verein, die Fans und sich selbst. Denn sein ganz persönliches Ziel ist klar: „Ich will mit Erfurt aufsteigen. Am besten schon in dieser Saison.“ Wie so ein Aufstieg geht, hat er ja schon in Cottbus miterlebt.

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